Unstrut-Hainich-Kreis: Dorfläden wichtig in der Corona-Krise

Landkreis.  Selbst Menschen, die bisher nicht in Dorfläden einkaufen, werden plötzlich Kunden. Doch die Geschäfte haben auch Sorgen und Umsatzeinbußen.

Monika Frank ist Stammkundin im Neunheilinger Konsumtreff. Sie freut sich auch auf einen Plausch mit Antje Walter, die eine von drei Verkäuferinnen im Laden ist.

Monika Frank ist Stammkundin im Neunheilinger Konsumtreff. Sie freut sich auch auf einen Plausch mit Antje Walter, die eine von drei Verkäuferinnen im Laden ist.

Foto: Sabine Spitzer

Eine Plexiglasscheibe trennt Simone Breitenstein beim Kassieren von den Kunden. Ihr Mann hat sie in ihrem Lädchen in Horsmar eingebaut, zum Schutz vor dem Corona-Virus. „Jetzt merke ich erst, wie nah der Kontakt sonst war“, sagt die 53-Jährige. Derzeit kommen auch Menschen in „Simones Dorfladen“ am Sperlingsberg, die bisher noch nicht zum Einkaufen kamen. „Man merkt, dass sich viele einen Vorrat anschaffen“, berichtet Breitenstein. Dennoch hat bisher kaum etwas gefehlt in ihrem Laden, sogar Toilettenpapier und Küchenrolle gibt es immer. „Was ich nicht da habe, versuche ich am nächsten Tag zu organisieren“, sagt sie. Die meisten Waren muss sie sich derzeit selbst abholen, ihr Lieferant fährt nur noch einen Teil der Lebensmittel aus. Sie ist froh, dass der Bäcker und der Fleischer den Laden regelmäßig liefern. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog

Für viele Kunden ist Simone Breitenstein jetzt der einzige Kontakt zur Außenwelt. „Viele wollen einfach nur reden“, sagt sie. Die Corona-Pandemie bereitet aber auch ihr große Sorgen: „Ich habe Existenzangst“. Die gelernte Verkäuferin übernahm vor vier Jahren die einstige Bäckerei-Filiale und machte sich mit dem Dorfladen selbstständig. „Was wenn ich selbst erkranke oder in Quarantäne muss?“, fragt sie sich, denn sie betreibt das Geschäft allein. Besonders jetzt zieht zusätzlich die Familie mit, ihr Mann und ihre drei Kinder helfen beim Liefer-Service, der schon vor der Krise angeboten wurde, aber auch jetzt nur wenig genutzt wird.

Faulungens Lebensmittelgeschäft hat 120 Jahre Tradition

Rund 35 Kilometer entfernt steht Monika Frank im Neunheilinger Konsumtreff und bezahlt ihren Einkauf. Sie ist Stammkundin im Laden, den Bürgermeister Sandro Seeländer (parteilos) 2010 mit seiner Frau übernahm, um im Ort wieder eine Einkaufsmöglichkeit zu haben. Er ist froh, dass durch den Laden jetzt in der Corona-Krise die Versorgung gesichert ist, einen Lieferservice gibt es schon immer. „Selbst wenn wir einige Wochen von der Außenwelt abgeschnitten sind, bekommt jeder das, was er braucht“, sagt Seeländer. Derzeit kaufen ab und zu wieder Neunheilinger ein, die sonst im Laden nur ihre Pakete am Postschalter abgeben. „Es wäre schön, wenn das so bleibt“, sagt Seeländer.

Faulungens Lebensmittelgeschäft ist eines mit 120 Jahren Tradition. Bernward Müller führte über Jahrzehnte den Laden mit seiner Ehefrau Rita. Inzwischen sind beide die unverzichtbaren helfenden Hände für die beiden Verkäuferinnen. Es kämen mehr Menschen als sonst in das kleine Geschäft. Die, die anderswo arbeiten, sind jetzt – zumindest teilweise – zu Hause und kaufen auch im Dorf ein. „Es kommt darauf an, sie auch als unsere Kunden zu halten“, sagt Müller.

Ein Lebensmittelladen in einem 450-Einwohner-Dorf ist eine Rarität. „Wir können nur unser Bestes geben, es sind die Menschen, die mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass ein Laden in einem Dorf bleiben kann“, sagt Müller. Um die Zahl der Menschen im Laden zu regulieren, habe man die Einkaufswagen reduziert. „Sind alle unterwegs, müssen die Leute halt warten.“ An der Fleischtheke und der Kasse trennen Scheiben Verkäufer und Kunden, in der Nähe der Kasse sorgen aufgeklebte Markierungen dafür, dass die Kunden nicht eng an eng stehen. Zwar klebt an einer Fensterscheibe auch ein Zettel, mit dem junge Leute aus dem Gymnasium im Nachbardorf Lengenfeld ihre Hilfe beim Einkaufen anbieten, doch notwendig sei dies in einem Dörfchen wie Faulungen nicht. „Hier hilft die Familie oder der Nachbar“, sagt Bernward Müller.

Ufhoven will nach der Corona-Krise ein Fest feiern

„Gerade jetzt ist das Lädchen wichtiger denn je“, sagt Schönstedts Bürgermeister Egbert Zöller (parteilos). Er ist froh, dass es 2019 gelungen ist, die Genossenschaft für den Erhalt des Ladens zu gründen. „Das war ein Gewaltakt“, so Zöller. Der Laden hat auch einen Postservice und man kann Geld abheben.

Das Ufhover Lädchen traf die Corona-Krise als das Frühstücksgeschäft richtig zu brummen begann. „Das ist bitter, damit fehlt uns ein Teil der Einnahmen“, so Ortsteilbürgermeister Uwe Domni (WIR) und Kerstin Hellmundt, die Schatzmeisterin im Konsum-Verein ist, der das Dorfgeschäft mit Ehrenamtlichen betreibt. „Aber wir wollen nicht jammern, es kommen wieder bessere Zeiten“, sagen sie.

Wegen der Pandemie bietet der Verein auch einen Lieferservice an, der aber nur wenige in Anspruch nehmen. „Viele denken, es beschränkt sich auf die Produkte im Lädchen“, vermuten Hellmundt und Domni. Doch wenn jemand einen Lieblingssupermarkt hat, fahren die Ehrenamtlichen dorthin zum Einkaufen.

Als der Verein im Oktober 2019 das Lädchen eröffnete, sollte es auch zum Treffpunkt werden. Viele bedauern, dass dieser jetzt wegfällt. „Ich sage allen, am Freitag nach Corona gibt es um zehn Uhr eine Fete“, erzählt Kerstin Hellmundt. Uwe Domni freut sich schon: „Dann gibt es ein großes Dorffest, weil wir das Lindenblütenfest im Juni absagen mussten.“