Drogen, Lärm, Zerstörung: Herbsleben will Sicherheitsleute verpflichten

Herbsleben  Eine Jugendgruppe am Mitteltor hält Anwohner und Gemeinde in Atem. Die Polizei erklärt, wie Festnahmen geregelt sind und appelliert an die Vernunft der Bürger.

In Herbsleben haben Probleme mit Drogen – hier Ecstasy-Pillen – zugenommen, sagen die Einwohner. Die Polizei sieht das anders.

In Herbsleben haben Probleme mit Drogen – hier Ecstasy-Pillen – zugenommen, sagen die Einwohner. Die Polizei sieht das anders.

Foto: Daniel Volkmann

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Herbsleben erwägt, einen Sicherheitsdienst zu engagieren, um gegen Ruhestörer und Drogenkonsumenten vorzugehen. Bürgermeister Reinhard Mascher (CDU) sagte auf einer Einwohnerversammlung, dass besprochen werden solle, ob dafür Geld bereitgestellt wird. Diese Überlegungen bekräftigte er im Gespräch mit dieser Zeitung: „Die Probleme mit Drogen und Kleinkriminalität haben in Herbsleben zugenommen. Die Polizei sagt, dass wir statistisch im Durchschnitt liegen. Dennoch muss etwas getan werden. Und ehe die Herbsleber das selbst machen, sollte die Gemeinde tätig werden.“

Tatsächlich ist Herbsleben laut Polizei kein Kriminalitätsschwerpunkt. Im vergangenen Jahr seien zwölf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gezählt worden, nicht mehr als bisher. Auch wegen Ruhestörung und Vandalismus habe es in jüngster Zeit nicht mehr Einsätze gegeben, sagt Fränze Töpfer, Sprecherin der Landespolizeiinspektion Nordhausen.

Die Überlegungen der Gemeinde, künftig einen Sicherheitsdienst auf Patrouille zu schicken, stoßen bei der Polizei auf ein verhaltenes Echo. „ Strafverfolgung ist Sache der Strafverfolgungsbehörden und der Polizei. Sie sind mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet. Dieses Recht haben private Sicherheitsdienste nicht. Deren Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt und lösen nicht das eigentliche Problem“, erklärt Fränze Töpfer.

Gratis Internet lockt an diesen Fleck

Das „Problem“ sind in Herbsleben etwa zehn Personen, schätzt der Bürgermeister. Es seien junge Erwachsene, deren bevorzugter Treffpunkt die Bushaltestelle am Mitteltor sei, direkt vor der Schule. Mit gratis Internet über die Zugangspunkte am Markt versorgt, machen sie es sich heimelig. Anwohner berichteten während der Einwohnerversammlung von nächtlichen Ruhestörungen an mehreren Wochentagen. Morgens würden Scherben und Drogenzubehör auf dem Schulweg liegen. Wer um Ruhe bittet, dürfe sich Beleidigungen anhören. Eine private Photovoltaikanlage sei mit Bierflaschen beschädigt worden.

Auch Reinhard Mascher selbst hat nach eigener Aussage schon versucht, den Jugendlichen beizukommen – etwa als sie mit Mopeds und Krads im Wartehäuschen lärmten. „Es hilft, wenn ich sie mit Namen anspreche und ihre Eltern kenne. Das ist der Vorteil an einem kleinen Ort.“ Doch diese Ermahnungen fruchten offenbar nicht.

Eingriffe in Freiheit streng geregelt

Wenn die Polizei hinzugezogen werde, säßen die Jugendlichen bereits nach kurzer Zeit wieder am altbekannten Ort. „99 Prozent aller Fälle, wo wir Menschen in Gewahrsam nehmen oder festnehmen, dienen der Identitätsfeststellung. Danach läuft das Verfahren im Hintergrund weiter. Wir können – abhängig von der Schwere des Vergehens – Personen nicht ewig festhalten. Der Eingriff in die Freiheit eines Menschen ist in Deutschland streng geregelt“, erläutert Fränze Töpfer.

Neben der Möglichkeit eines Sicherheitsdienstes will die Gemeinde präventive Maßnahmen prüfen. So soll die Jugendarbeit mit den Sozialarbeitern wieder in die Ortsmitte verlagert werden. Bisher findet diese im Jugendclub am Ortsrand statt. Mit dem Ende der Umbauarbeiten im Mehrgenerationenhaus stehe dieses wieder für die Jugendlichen zur Verfügung. Zudem seien Eltern auf ihn zugekommen, die früher selbst zu jenen Gruppen gehört hätten, die mitunter für Probleme sorgten. „Sie wollen sich im Jugendclub engagieren und so vermeiden, dass ihre Kinder auch in diese Szene abrutschen. Ich erhoffe mir viel davon, weil sie einen direkteren Zugang zu den Jugendlichen haben“, sagt Reinhard Mascher.

Land will einen Ortspolizisten einsetzen

Letztlich wünschen sich die Herbsleber mehr Polizeipräsenz im Ort. Die Stelle des Kontaktbereichsbeamten für Herbsleben ist seit einiger Zeit unbesetzt. Wann die Neubesetzung kommt, hänge von der Umstrukturierung dieses Dienstes in Thüringen ab, also vom Innenministerium. In Herbsleben sei ein Kontaktbereichsbeamter „zeitnah“ geplant, so Töpfer.

Die Polizeisprecherin fügt hinzu: „Wenn Ruhestörungen oder Vandalismus in Herbsleben festgestellt werden, dann müssen diese auch bei der Polizei angezeigt werden. Die polizeilichen Maßnahmen werden immer wieder neu bewertetet und der jeweiligen Situation angepasst.“

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