Ein Paar will in den Landtag – aber für unterschiedliche Parteien

Bad Langensalza  Die Bad Langensalzaer Judith Keidel und Alexander Kappe sind als Direktkandidaten nominiert – sie für die Grünen, er für die FDP. Wir haben sie befragt.

Judith Keidel und Alexander Kappe sind seit Jahren ein Paar. Politisch kämpfen beide darum, im Landtagswahlkampf gut abzuschneiden. Allerdings für zwei in ihren Zielen zuweilen recht gegensätzliche Parteien.

Judith Keidel und Alexander Kappe sind seit Jahren ein Paar. Politisch kämpfen beide darum, im Landtagswahlkampf gut abzuschneiden. Allerdings für zwei in ihren Zielen zuweilen recht gegensätzliche Parteien.

Foto: Daniel Volkmann

Judith Keidel und Alexander Kappe (beide 45) sind ein Paar. Vieles eint sie. Der Beruf: Sie sind beide promovierte Tierärzte. Der Charakter: Sie sehen sich selbst als meinungsstabil, als ein wenig starrköpfig an. Sie sind keine Ur-Thüringer, haben in Bad Langensalza ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Beide haben im selben Jahrgang in Leipzig Tiermedizin studiert und dann auch parallel dort promoviert. Was sie entzweit, das ist ihre politische Anschauung. Keidel bewirbt sich im Wahlkreis 9 für die Grünen um ein Direktmandat für den Landtag, Kappe für die Liberalen.

Was sagt Judith Keidel über das Grüne an Alexander Kappe, was sagt Kappe über das Liberale an Keidel?

Kappe: Liberal ist Judiths Toleranz gegenüber Unordnung und schmutzigem Geschirr. Für sie gibt‘s Wichtigeres.

Keidel: An sich ist Alexander ziemlich grün, er will es nur nicht immer zugeben. Er ist viel früher als ich zum Erledigen der täglichen Dinge Rad gefahren. Er war es, der den Radanhänger für die Kinder an seinem Fahrrad hatte. Gegen Unkraut nimmt er schon immer organische Säure. Er ist voll der Öko. Wir wohnen in einem Energiesparhaus mit Wärmerückgewinnung und Solarthermie.

Kappe: Das gehört heutzutage dazu. Ich würde auch Fotovoltaik aufs Dach machen, wenn ich ein vernünftiges Angebot fände. Ich brauche viel Energie für mein Hobby, die Aquaristik. Und ich habe schon den einzigen Fisch gegessen, den man hier ohne schlechtes Gewissen essen kann: den Karpfen. Da gab es bei Judith noch Lachs.

Wie sind Sie in Ihre Parteien, zu den Grünen und Liberalen, gekommen?

Judith Keidel ist seit 2018 Grünen-Mitglied, ausgelöst durch die Folgen der extremen Trockenheit. Kappe war aktiv als Elternsprecher und kandidierte als Parteiloser schon 2014 für den Bad Langensalzaer Stadtrat auf der FDP-Liste. „Mein Onkel war auch Liberaler, aber das war zu Hause nie ein Thema, hab’ ich erst spät wahrgenommen.“ Seit 2017 ist Kappe Parteimitglied. „Die FDP fand ich immer recht progressiv im Vergleich zur CDU.“

Selbstreflexion: Wie sehen sich Judith Keidel und Alexander Kappe?

Das Einhalten der Grundwerte und den Werterhalt führt Kappe an, wenn es darum geht, was ihn zu einem Liberalen macht. „Mein Schreibtisch ist immer aufgeräumt und arbeitsfähig.“ Liberal und tolerant sei er auch, wenn es darum geht, mit politischen Rändern ins Gespräch zu kommen.

Der freiwillige Verzicht, so sagt er, sei nachhaltiger als der erzwungene. Das ist ein Streitthema der beiden. Judith Keidel glaubt: Ohne Gesetze wird es in „vernünftiger Zeit“ keine Änderung des Verhaltens der Menschen für eine Klima- und Energiewende geben. „Wir sind nicht für ein Autoverbot. Das ist im ländlichen Raum gar nicht durchsetzbar. Aber der gesetzliche Rahmen muss so gefasst sein, dass das Autofahren nicht mehr konkurrenzlos ist.“ Zugfahren hält sie, vor allem mit Kindern, für kompliziert – und das begänne schon mit der Auswahl des Zugtickets.

Keidel sei eher aus ideologischen Gründen grün beim Einkaufsverhalten, Kappe sagt von sich, er sei es dagegen aus pragmatischen Gründen: „Mittlerweile geht es mir nicht mehr nur darum, dass eingeschweißtes Fleisch zum Grill jeden Menge Plastikmüll schafft, Bio-Fleisch schmeckt mir inzwischen einfach besser.“

Aus dem, was Kappe „unkontrolliertes Grün im Garten“ nennt, kommt ein Großteil des Gemüses, das bei dem Paar auf den Tisch kommt.

Das Liberale an ihm: „Ich zahle meinen Kindern Taschengeld, wenn sie Messdiener in der Kirche sind.“ Für gute Noten gebe es keine finanzielle Belohnung: „Das muss aus der Eigenmotivation kommen.“ Kappe sei es, der die beiden Kinder (10, 11) in die katholische Kirche „schleppe“, Keidel zu den Friday-for-future-Demonstrationen.

Welches Ergebnis erwarten sie von der Landtagswahl am Sonntag?

Da sind sich Alexander Kappe und Judith Keidel ziemlich einig: Als Direktkandidaten jeweils um die fünf Prozent im Wahlkreis 9 – bei der Landtagswahl 2014 waren es 5,2 für den Grünen-Vertreter, einen FDP-Kandidaten gab es damals, vor sechs Jahren, nicht.

Für ganz Thüringen erwartet Judith Keidel für ihre Grünen 9 Prozent, Alexander Kappe knapp 5 für die FDP: „Es steht auf Messers Schneide, ob wir in den Landtag einziehen.“

Zu den Kommentaren