Erinnern, debattieren, aufrütteln – Projekt zur Wende 1989 in Langensalza

Bad Langensalza  Arbeitsgruppe plant Vorträge, Lesungen und Konzert zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR.

Ein glücklicher Umstand war, dass 1989 der Zusammenbruch des SED-Regimes ohne Gewalt verlief. Foto: Martin Schutt, dpa

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Was geschah vor 30 Jahren in Bad Langensalza? Welche Erinnerungen haben Akteure und Beobachter an den Wendeherbst in der Kur­stadt? Welche Gefühle verbinden sie heute, drei Jahrzehnte später, mit dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung?

Diesen und weiteren Fragen will eine Arbeitsgruppe mit öffentlichen Veranstaltungen nachgehen. Unter anderem mit Lesungen, Gesprächen und Vorträgen soll von Ende September bis Mitte November an die Zeitenwende 1989 erinnert werden. Die Initiatoren der Veranstaltungsreihe sind die Stadt Bad Langensalza sowie die Kirchengemeinden. „Wir wollen nicht nur in der Erinnerung bleiben, sondern die Bürger animieren, zusammenzukommen und sich auszutauschen“, sagt Pfarrer Dirk Vogel.

Dabei wolle sich die Arbeitsgruppe nicht voranstellen. Zumal die Organisatoren damals zum Teil gar nicht in Bad Langensalza waren. Auf einen ersten Aufruf an bekannte handelnde Akteure von damals habe es bisher aber nur wenig Resonanz gegeben. Das Ziel sei es, die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements und des friedlichen Protestes 1989 für die heutige Demokratie aufzuzeigen. „Dass die Revolution friedlich blieb, hat Gründe. Der Aufruf ‚Keine Gewalt‘ hatte seinen Ursprung unter anderem im Pazifismus, der in den 80er-Jahren in den Kirchengemeinden tief verwurzelt war. Diese Tendenz zur Demokratisierung, die Bereitschaft, sich mit dem Gegner an einen Tisch zu setzen, ist das Gegenteil von dem, was wir heute erleben. Heute rufen viele nach dem starken Mann, der auf den Tisch haut. Wir reden übereinander, nicht miteinander“, resümiert Dirk Vogel. Man wolle das Gefühl wieder wachrufen, dass Demokratie von Beteiligung lebe, nicht vom Rückzug ins Private oder Protest.

Große politische Debatten wolle man vermeiden, denn dies resultiere wohl in Grabenkämpfen ohne Ergebnis. Botschaftsträger sollen ähnlich wie vor 30 Jahren Kulturschaffende sein, die zu einer tieferen Auseinandersetzung herausfordern.

Veranstaltungen

26. September, 19 Uhr – Lesung „Praktikant der Revolution. Tagebuchaufzeichnungen eines Stundenten vom Leipziger Herbst 1989“, Sakristei Bergkirche

1. Oktober, 19.30 Uhr – Peter Wensierski „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“, ein Journalist erzählt von Wende­ereignissen aus Sicht des Westens, Stadtbibliothek

2. Oktober, 9.30 Uhr – Lesung und Gespräch für Schüler mit Peter Wensierski, Gottesackerkirche

3. Oktober, 10 bis 17 Uhr – Wanderung auf und über den Grenzstreifen zwischen dem Hülfensberg und Wanfried. Treffpunkt Parkplatz Hülfensberg

7. Oktober, 19 Uhr – Vortrag von Peter Wurschi „Meine, deine, unsere DDR. Über die Erinnerung an ein verschwundenes Land.“, Café Schwesterherz

18. Oktober, 19 Uhr – Stadtoffenes Gespräch mit Protagonisten zur Wendezeit 1989, Friederiken-Schlösschen

1. November, 19 Uhr – Lesung mit Alexander Finkel „Deutschland, ein Wintermärchen – satirische Versdichtung“, Stadtbibliothek Bad Langensalza

9. November, 17 Uhr – Gedenken in verschiedenen Dimensionen an den 9. November 1918, 1938 und 1989, Marktkirche.

15. November, 19 Uhr – Live-Konzert mit der bekannten Sängerin Barbara Thalheim „Voll*Jährig“, Gottesackerkirche in Bad Langensalza

Informationen und Ansprechpartner unter Tel. 03603/ 846 402 sowie per E-Mail an gemeindebuero.lsz@outlook.de

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