Fernwasser für Bad Langensalza zwingt Hamster zum Umzug

Bad Langensalza  Die geschützten Tiere am Ascharaer Kreuz müssen für den Bau der Fernwasserleitung umgesiedelt werden. Die Verbindung von Dachwig Richtung Herbsleben ist fast fertig.

Das Archivbild zeigt die Verlegung der ersten Meter für die Fernwasserleitung zwischen Dachwig und Herbsleben. Seit dem Spatenstich im Februar hat sich viel getan. Die drei Kilometer lange Trasse ist fertig. Bis 2022 soll das gesamte Verbandsgebiet mit kalkärmerem Wasser versorgt werden. Vorher müssen Feldhamster umziehen.

Foto: Daniel Volkmann

Zwischen Bad Langensalza und weicherem Wasser stehen kuschlig weiche Tiere. Bevor die Kurstadt und die etwa 40 Gemeinden im Gebiet des Verbandswasserwerks Bad Langensalza mit Fernwasser versorgt werden können, müssen Feldhamster ihr Domizil räumen. Der Umzug der geschützten Nager wird derzeit organisiert, informiert die Thüringer Fernwasserversorgung.

Die Tiere leben dort, wo künftig die Fernwassertrasse verlaufen soll. Aus der Talsperre Ohra soll ab 2022 – so die bisherige Planung – kalkärmeres Wasser bezogen werden. Dafür haben sich die Mitglieder des Verbandswasserwerks Ende 2017 nach intensiver Debatte entschieden. Die Leitung soll von Friemar bis zum Ascharaer Kreuz verlegt werden. Der Startpunkt liegt nördlich von Friemar, geht südlich an Bufleben vorbei und verläuft nördlich an Westhausen parallel zur Bundesstraße B 247, passiert dabei den Windpark Wangenheim, um zum Übergabebauwerk am Ascharaer Kreuz zu gelangen.

Zurzeit laufen Gespräche mit betroffenen Landwirten, wie die Feldhamster zum Übersiedeln bewegt werden können und zugleich die wirtschaftlichen Interessen der Bauern gewahrt werden, teilt Anne Barthel mit, Sprecherin der Thüringer Fernwasserversorgung.

Hamsterfreundliche Pflanzen, streifenförmig angelegt, sollen die Tiere aus ihren angestammten Gebieten auf benachbarte Flächen locken. Auch der Schutz nach der Ernte und die Organisation des Wintervorrates sollen besprochen werden.

Die Fernwasserleitung wird etwa 16 Kilometer lang sein. Die Vermessungen und Baugrunduntersuchungen seien bereits abgeschlossen, so Anne Barthel. Die Bauarbeiten sollen Ende des kommenden Jahres starten und voraussichtlich Ende 2021 beendet sein.

Einwohnerversammlung in Herbsleben

In der finalen Phase sind die Arbeiten an der wesentlich kürzeren Leitung zwischen Herbsleben und Dachwig. Über diese sollen Herbsleben und Großvargula mit weichem Wasser versorgt werden. Denn in Dachwig gibt es bereits Fernwasser, allerdings nicht in so großer Menge, das es für das gesamte Verbandsgebiet reicht. Daher braucht es die zusätzliche Leitung von der Talsperre Ohra.

Wie Matthias Vogt, Leiter des Verbandswasserwerks Bad Langensalza mitteilt, ist die drei Kilometer lange Strecke Richtung Herbsleben fertig. Am Hochbehälter Dachwig werde nun eine Anlage zur Erhöhung des Wasserdrucks installiert. Auch am Hochbehälter Herbsleben werde die Versorgungstechnik angepasst. „Die beteiligten Firmen haben sehr gute Arbeit geleistet. Wir liegen voll im Zeitplan. Mitte September wird es in Herbsleben und Großvargula Fernwasser geben“, sagt Matthias Vogt. Die Verbraucher sollen zuvor auf Einwohnerversammlungen informiert werden.

Er wies darauf hin, dass zunächst kein reines Fernwasser ins Netz eingespeist werde, sondern mit in Dachwig gefördertem Wasser gemischt werde.

Mit 15 Grad Wasserhärte werde das Wasser dennoch deutlich kalkärmer sein als bisher. Zum Vergleich: Das momentan in der Region sprudelnde Trinkwasser hat etwa 38 Grad, ist also extrem kalkhaltig. Mit dem im folgenden geplanten, großen Anschluss ans Fernwassernetz sinkt die Härte im ganzen Gebiet dann sogar auf 4 Grad. Zur Versorgung der Region Bad Tennstedt/Herbsleben wird über 7,6 Kilometer eine Leitung zwischen Gräfentonna und Herbsleben sowie Kleinvargula gebaut, dazu eine Druckerhöhungsstation in Gräfentonna und ein Verteilerschacht in Herbsleben. Diese Arbeiten sollen als nächstes angegangen werden.

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