Unzureichender Tierschutz: Agrarunternehmen Adib gibt Problemstall in Aschara ab

Bad Langensalza  Das Agrarunternehmen Adib gibt den in Kritik geratenen Schweinestall in Aschara ab. Der Geschäftsführer Marko Falk hat das Unternehmen indes verlassen.

Die Schweinezuchtanlage am Ascharaer Kreuz wurde 2013 eröffnet und bietet Platz für etwa 8000 Tiere. Anfang 2017 geriet der Stall in den Fokus der Veterinärbehörde, weil es Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben haben soll. Archiv-

Die Schweinezuchtanlage am Ascharaer Kreuz wurde 2013 eröffnet und bietet Platz für etwa 8000 Tiere. Anfang 2017 geriet der Stall in den Fokus der Veterinärbehörde, weil es Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben haben soll. Archiv-

Foto: Alexander Volkmann

Das Agrarunternehmen Adib aus Bad Langensalza hat seinen wegen Missständen beim Tierschutz heftig in die Kritik geratenen Schweinestall am Ascharaer Kreuz abgegeben. Die Schweinezuchtanlage hat seit Ende April einen neuen Betreiber.

Laut Handelsregister am Amtsgericht Jena ist Am Ascharaer Kreuz 2 in Bad Langensalza, also an der Adresse der Schweinezuchtanlage, seit 24. April 2019 die Zugat BT GmbH gemeldet. Laut Register handelt es sich dabei um ein Unternehmen, das sich mit der Schweinezucht, Schweineproduktion und Vermarktung sowie mit der Produktion und dem Vertrieb von lebenden Tieren und landwirtschaftlichen Produkten beschäftigt.

Am 10. Mai wurde zudem die Zuga GmbH, ebenfalls an gleicher Adresse, eingetragen. Deren beide Geschäftsführer sind dieselben wie die der Zugat BT. Verflechtungen gibt es auch mit der Vita BT in Sömmerda sowie mit der Andrimner GmbH in Drensteinfurt in Nordrhein-Westfalen. Diese Gesellschaften sind ebenfalls in der Schweinezucht und -produktion tätig.

Laut Informationen unserer Zeitung wurden die Mitarbeiter des Ascharaer Betriebes vom neuen Betreiber übernommen. Die Adib selbst wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Wechsel äußern, auch die Geschäftsführer der neuen Betreibergesellschaft wollten „zum jetzigen Zeitpunkt keine Angabe zu dem Geschehen machen“.

Die mit dem neuen Betreiber Zugat GmbH verflochtene Andrimner GmbH hat sich auf eine eigene Genetik bei der Schweinezucht spezialisiert, die nach Informationen unserer Zeitung in den Ställen in Sömmerda und Aschara als neue Zuchtlinie aufgebaut werden soll. Das könnte zu einer Zwangspause bei der Schweineproduktion am Ascharaer Kreuz führen.

In der Stallanlage, die für fast 8000 Tiere ausgelegt ist, wurden zeitweise 1300 Sauen und 6400 Ferkel gehalten, die später im Adib-Stall in Wiegleben gemästet und vom Fleischmarkt Aschara, ebenfalls zur Adib gehörend, zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet wurden.

Mit der Schweinezucht gab es seit längerem Probleme. Anfang 2017 hatte die Veterinärbehörde des Kreises massive Verstöße gegen den Tierschutz in dem damals erst vier Jahre alten Stall am Ascharaer Kreuz festgestellt. Auch bei Nachkontrollen seien die Missstände nur unzureichend beseitigt worden, hatte die Behörde seinerzeit bemängelt. Die Adib und das Landratsamt trafen sich seither regelmäßig vor Gericht. Gegen Geschäftsführer Klaus Kliem läuft ein Ermittlungsverfahren.

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen erklärte, dass in der Tierschutzsache gegen Kliem die Ermittlungen unter Führung des Landeskriminalamtes Thüringen weiter andauerten. Eine Prognose, wann mit einem Abschluss zu rechnen sei, könne derzeit nicht gegeben werden.

Unterdessen hat der ehemalige Adib-Geschäftsführer Marko Falk das Unternehmen verlassen. Bereits im April hatte es Gerüchte darüber gegeben, die die Adib unkommentiert ließ. Nun ist klar, dass Falk am 1. Mai einen neuen Posten als kaufmännischer Geschäftsführer des Nougatherstellers Viba in Floh-Seligenthal angenommen hat. Laut Presseinformation von Viba wird der 40-Jährige Falk dort Finanzwesen, Controlling, Personal und IT verantworten.

Schweigen zu den Beweggründen

Falk war zuvor in verschiedenen leitenden Positionen bei Tochterunternehmen der Adib tätig, zuletzt ab März 2018 als Hauptgeschäftsführer neben Klaus Kliem. Auf der Internetseite des Landwirtschaftsunternehmens ist Falk immer noch neben Kliem als Geschäftsführer aufgeführt. Über die Beweggründe seines Weggangs wollten sich weder Falk noch die Adib äußern. Offen ist auch, ob bereits ein Nachfolger gefunden wurde. Der ehemalige Thüringer Bauernpräsident Klaus Kliem (70) hatte gegenüber unserer Zeitung im vergangenen Jahr erklärt, die Geschäftsführung der Adib-Gruppe peu à peu an einen oder mehrere Nachfolger abgeben zu wollen.

Zu den Kommentaren