Geplanter Funkturm stößt in Windeberg auf Widerstand

Mühlhausen  Einwohner fühlen sich nicht ausreichend informiert. Stadtverwaltung prüft nach Beschwerden alternativen Standort.

Ortsteilrat Carsten Fricke vor der Fläche, auf dem der 40-Meter-Funkturm gebaut werden soll. Gleich daneben liegt das Neubaugebiet „An der Lache“ . Die Windeberger Bürger fühlen sich von Verwaltung und Betreiber übergangen.

Ortsteilrat Carsten Fricke vor der Fläche, auf dem der 40-Meter-Funkturm gebaut werden soll. Gleich daneben liegt das Neubaugebiet „An der Lache“ . Die Windeberger Bürger fühlen sich von Verwaltung und Betreiber übergangen.

Foto: Susan Voigt

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Die Windeberger sind sauer. Denn keine 50 Meter vom Ortschild entfernt ist der Bau eines 40 Meter hohen Funkturms geplant. Der soll das bisher eher dürftige Mobilfunknetz stabilisieren und schnelleres Internet nach Windeberg, Kaisershagen und Saalfeld bringen.

Nicht mehr mit ausgestrecktem Arm nach Handyempfang suchen zu müssen, das finden die Windeberger gut. „Allerdings darf der Netzausbau, so sinnvoll er auch sein mag, nicht am Bürgerwillen vorbei gehen“, sagt Carsten Fricke, Mitglied des Ortsteilrates in Windeberg.

Denn von dem Bau des Funkturms habe es bisher keine offizielle Information seitens der Stadt Mühlhausen, der das Baugrundstück gehört, oder vom Mobilfunkbetreiber Vodafone gegeben. Nur über den dörflichen „Buschfunk“ habe man im Ortsteilrat von den Plänen für den Funkturm erfahren.

Stadt will unmittelbare Anlieger anhören

Vor allem der Baustandort erregt in Windeberg die Gemüter. Denn nur die Dorfstraße liegt zwischen dem Baugrundstück und einem Neubaugebiet, in dem vor allem junge Familien wohnen. Die haben für den Bau ihrer Häuser von der Stadt Mühlhausen strenge Auflagen bekommen, damit die Neubauten zum alten Windeberger Ortskern passen. Und nun soll ein 40 Meter hoher Funkmast in unmittelbarer Nähe gebaut werden. „Das passt einfach nicht zum ortstypischen Bild“, sagt Fricke.

Sowohl die Bewohner des Neubaugebietes, als auch die Mitglieder des Ortsteilrats fühlen sich von der Stadtverwaltung Mühlhausen übergangen. Bereits vor zwei Jahren kam laut Verwaltung eine Anfrage des Telekommunikationsanbieters nach einem geeigneten Standort für den Funkturm. „Eigentlich müssten wir in ständigem Kontakt mit dem Mühlhäuser Rathaus stehen und über solche Vorhaben informiert werden. Aber die Kommunikation ist eine Katastrophe“, meint Carsten Fricke.

Nachdem mehrere Beschwerden eingegangen waren, versuche die Stadtverwaltung nun, eine Kompromisslösung zu finden, so eine Sprecherin. Es solle ein alternativer Standort auf einer Brachfläche geprüft werden, den die Anwohner selbst vorgeschlagen haben. Auch eine Informationsveranstaltung sei am 30. Juli in Windeberg geplant, um Anwohner und Interessierte über das Vorhaben zu informieren.

Letztendlich könne die Stadtverwaltung den Bau nahe des Neubaugebietes aber nicht verhindern, wenn nach gründlicher Prüfung alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Einzige Option sei es, keine stadteigenen Flächen zur Verfügung zu stellen und damit auf Einnahmen im unteren vierstelligen Bereich zu verzichten, heißt es aus dem Rathaus. Dann könne der Betreiber auf Flächen von Privateigentümern zurückgreifen, die laut Verwaltungssprecherin schon Interesse signalisiert hätten. Carsten Fricke kritisiert diese Einstellung: „Es hat den Anschein, als würden ausschließlich städtische Flächen in Betracht gezogen werden. Finanzielle Erträge sollten bei der Standortwahl aber keine Rolle spielen.“

Nachdem ein von der Stadtverwaltung vorgeschlagener Gesprächstermin am vergangenen Freitag abgesagt wurde, beschloss der Ortsteilrat Windeberg in einer Sitzung am Samstag, Widerspruch gegen den Bau des Turms am bisher geplanten Standort einzulegen.

Im Moment laufe das bauordnungsrechtliche Genehmigungsverfahren noch, so die Verwaltungssprecherin. Dabei sollen auch die unmittelbar betroffenen Grundstücksanlieger angehört werden.

Eine flächendeckend stabile und schnelle Internetverbindung sollte heutzutage weltweiter Standard sein, so Vodafone-Pressesprecher Volker Petendorf. Deutschland habe da allerdings noch Nachholbedarf. Deshalb schreibe die Bundesnetzagentur eine mindestens 98-prozentige „4G-Abdeckung“ bis Ende 2019 vor. Damit gehören Windeberg, Kaisershagen und Saalfeld zu den verbleibenden zwei Prozent, die nicht über ausreichende Netzabdeckung verfügen. Das soll sich mit der Inbetriebnahme des neuen Funkturms im kommenden Jahr ändern. Wo dieser Turm letztendlich gebaut wird, das sollen laut Stadtverwaltung und dem Mobilfunkanbieter kommende Gespräche zeigen.

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