Gesundheitskioske bringen Medizin zu Menschen

Sabine Spitzer
| Lesedauer: 4 Minuten
Christopher Kaufmann von der Stiftung Landleben ist überzeugt, dass die Gesundheitskioske einen Stein ins Rollen bringen.

Christopher Kaufmann von der Stiftung Landleben ist überzeugt, dass die Gesundheitskioske einen Stein ins Rollen bringen.

Foto: Sabine Spitzer

Unstrut-Hainich-Kreis.  Die Gesundheitskioske im Unstrut-Hainich-Kreis wollen 2023 mit Videosprechstunden starten. Das gibt es bisher nirgendwo in Deutschland.

Thüringens erster Gesundheitskiosk in Urleben ist jetzt an den Start gegangen. Noch sind viele Menschen in der Region skeptisch.

Vom Erfolg überzeugt aber ist Christopher Kaufmann von der Stiftung Landleben, die mit ihrem Verein Landengel hinter dem Projekt steckt. Denn die Kioske bringen Medizin näher zu den Menschen. mit ihnen soll sich die Gesundheitsvorsorge in den Dörfern nachhaltig ändern.

„Die Kioske sind keine Arztpraxis und sollen diese auch nicht ersetzen“, erklärt Kaufmann. Doch statt Menschen sollen künftig Daten bewegt werden.

Kaufmann, der gelernter Krankenpfleger ist sowie Gesundheits- und Pflegemanagement und Betriebswirtschaft studiert hat, war 2016 bei der Stiftung angetreten, um ein Netzwerk zu schaffen. Damals hatte er in seiner „Sofastudie“ festgestellt, dass es an Schnittstellen mangelt. Vor allem im Bereich Gesundheit.

Das Leben von Senioren wird durch Arztwege bestimmt

„Im Krankenhaus ist alles verbunden“, sagt er. Außerhalb der Klinik aber haben es Patienten schwerer. Vor allem stehen sie vor dem Problem, dass viele Wege für Therapie-, Kontroll- und Vorsorgetermine anfallen. Kaufmann nennt das „Fahrtenwahnsinn“. Vor allem Senioren seien betroffen. „Ihr Leben wird durch Arztwege bestimmt.“

Die Gesundheitskioske sollen diese Schnittstelle sein und zugleich Anlaufpunkt für alles, worum sich das Leben auf dem Dorf dreht. Deshalb sind auch Agathe-Beraterinnen in das Projekt integriert. Sie betreuen die Kioske, sind so etwas wie Gemeindeschwestern. „Sie übernehmen somit eine Steuerfunktion“, sagt Kaufmann.

Die Gesundheitskioske sollen auch die Ärzte entlasten. „Wir haben gemerkt, dass viele Ältere allein einen Arzt brauchen, um zu reden“, sagt er. Doch diesen Part könnten andere übernehmen. „Damit sich der Arzt wieder auf seine primäre Funktion Diagnostik und Therapie besinnen kann“, so Kaufmann.

Vier Gesundheitskioske soll es geben

Er sieht in den Kiosken sogar noch viel größeres Potenzial, insbesondere im Hinblick Prävention. „Je mehr man weiß über Gesundheit, umso länger kann man unabhängig sein“, sagt er. Deshalb müsse man die Menschen befähigen, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was gut für sie sei.

„Die Gesundheitskioske bringen einen Stein ins Rollen“, sagt er. Zunächst sollen sich vier Gesundheitskioske in der Region etablieren. Ihren Platz haben sie allesamt an der Bushaltestelle, dem Dreh- und Angelpunkt im Ort. In Blankenburg und Bruchstedt wurde bereits mit dem Bau begonnen. Der Kiosk in Kirchheilingen ist inzwischen fast fertiggestellt. Als Ergänzung soll in Sundhausen ein Landzentrum entstehen.

In die Gesundheitskioske soll im Lauf des Jahres 2023 Telemedizin einziehen. Heißt: Es gibt dort Videosprechstunden mit dem Arzt. Das gibt es bisher nirgendwo in Deutschland. Die Stiftung ist in Gesprächen mit verschiedenen Kooperationspartnern, dazu gehört etwa das Hufeland-Klinikum mit seinen Standorten Bad Langensalza und Mühlhausen.

Fakten:

- Die Gesundes Landleben GmbH soll künftig Träger für die Gesundheitskioske sein. Diese haben die Stiftung Landleben und der zugehörige Verein Landengel gemeinsam mit dem Unternehmen Optimedis aus Hamburg – von dieser stammt das Konzept für den bundesweit ersten Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt – im Oktober gegründet.

- Das bauliche Konzept für die Gesundheitskioske wurde gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen entwickelt und von einem Berliner Architektenbüro realisiert.

- Die Kosten für die vier Kioske belaufen sich auf 450.000 Euro. 75 Prozent davon sind Fördergelder vom Land und Mittel zur Förderung von Einrichtungen für lokale Basisdienstleistungen.

- Die Gesundheitskioske wurden nachhaltig mit Holz gebaut. Das Gebäude wird mit erneuerbarem Strom über Solarmodule auf dem Dach versorgt.

- Die Kioske werden mit Ladestellen für E-Bikes und E-Autos ausgerüstet, dabei wird die Stiftung von der Firma Boreas unterstützt.