Großengotterns „Tante“ hört auf

Großengottern.  Sonja Bischoff hat ihre Schankwirtschaft Ende des vergangenen Jahres geschlossen. Die Pension gibt es weiterhin.

Sonja Bischoff betrieb 20 Jahre eine Schankwirtschaft in Großengottern. Jetzt hört die „Tante“ auf – so nannten ihre Stammkunden sie.

Sonja Bischoff betrieb 20 Jahre eine Schankwirtschaft in Großengottern. Jetzt hört die „Tante“ auf – so nannten ihre Stammkunden sie.

Foto: Friedemann Mertin

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Die Tante hört auf“ – so gab Sonja Bischoff im Amtsblatt der Landgemeinde Unstrut-Hainich das Ende ihrer Schankwirtschaft in Großengottern bekannt. Exakt 20 Jahre bewirtete sie am Hoeg ihre meist männlichen Kunden. Am 20. Dezember ging die letzte Runde über den Tresen.

Mit 66 Jahren ist für sie nun die Zeit gekommen, es ruhiger angehen zu lassen und sich anderen Dingen zu widmen. Auch wenn sie die Gemeinschaft nach eigenem Bekunden vermissen wird. Überdrüssig sei sie der Arbeit nicht, versichert sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Am Hoeg als Treffpunkt nach Feierabend

Sonja Bischoff ist gelernte Krankenschwester und war unter anderem an der Poliklinik in Mühlhausen tätig. Dann kam die Wende und vieles veränderte sich – auch bei Familie Bischoff. Sie war zu Hause und konnte sich so um die Kinder kümmern, das wollte sie beibehalten. „Irgendwann hatte meine Mann die Idee, bei uns auf dem Grundstück einen Getränkehandel zu eröffnen – Getränkestützpunkt, wie es damals noch hieß“, erinnert sich Sonja Bischoff.

Gesagt, getan. Am 1. Juli 1990 ging es los. Das Lädchen entwickelte sich schnell zu einem sozialen Treffpunkt. „Wie es auf dem Dorf so ist. Viele Männer kamen nach der Arbeit, um ihr Bier zu trinken. Sie saßen auf Bierkästen und redeten miteinander“, sagt Sonja Bischoff. Der Getränkehandel entwickelte sich weiter. Sonja Bischoff beantragte eine Ausschanklizenz und durfte das Bier nun nicht nur verkaufen, sondern ihre Kunden auch bewirten. Nun gab es ganz offiziell echte Sitzmöglichkeiten.

Kraftmeierei, Witze, viele Zigaretten

Die Gemeinschaft sei immer lustig gewesen. „Ich hatte natürlich viel mit Männern zu tun. Sie rissen ihre Witze, hatten Spaß. Es gab Kraftmeierei, manchmal hat einer eine Gitarre ausgepackt. Und es wurde viel geraucht. Dabei bin ich selber Nichtraucherin. Manchmal war es sogar den Männern zu viel und sie machten die Tür auf zum Lüften“, sagt Sonja Bischoff und lacht.

Von 18 bis 22 Uhr war die Tür zur Schankwirtschaft geöffnet, freitags und samstags auch länger. Etwa 30 Stammkunden hielten ihr über die Jahre die Treue. Besonders voll war es, als die Ortsumgehung bei Bad Langensalza gebaut wurde. Viele der Arbeiter hatten in Großengottern eine Unterkunft. Auch beim Gotterschen Jahrmarkt war die Schankwirtschaft mit von der Partie. Viele Jahre veranstaltete sie ein Frühschoppen.

Reich sei sie mit ihrem Etablissement nicht geworden, sagt Sonja Bischoff. „Dass die Wirtschaft auf unserem eigenen Grundstück stand, war ein entscheidender Vorteil. Woanders wäre das nicht möglich gewesen“, stellt sie klar. Sie kenne die schwierige Situation vieler Dorfkneipen und Gasthäuser auf dem Land.

Parallel zum Getränkehandel betreibt Sonja Bischoff eine kleine Pension mit vier Zimmern, die von Monteuren oder Gästen von Familienfeiern im Ort genutzt werden. Die Pension soll es weiter geben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.