Historiker soll zu Zwangsarbeit in Nazi-Zeit in Mühlhausen forschen

Mühlhausen  Nach der Diskussion um den künftigen Standort für das Bratwurstmuseum sucht der Geschichtsverein Wissenschaftler. Fördermittel für diese Recherche sind beantragt.

Eine Stele im Stadtwald erinnert an die Zwangsarbeiterinnen in Mühlhausen.

Eine Stele im Stadtwald erinnert an die Zwangsarbeiterinnen in Mühlhausen.

Foto: Daniel Volkmann

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Anfang 2019 stand über der Diskussion um das Bratwurstmuseums, das es bis Mai kommenden Jahres nach Mühlhausen zieht (unsere Zeitung am 24. Juli), auch die Diskussion um einen Gedenkort auf dem ursprünglich angedachten Gelände. Dort waren einst Zwangsarbeiterinnen untergebracht. Nach dem Stand der Dinge erkundigte sich im Mai Stadtrat Tobias Kühler (CDU).

Jetzt bekam er aus der Stadtverwaltung die Antwort, die unserer Zeitung vorliegt. Darin heißt es, dass ein freiberuflich tätiger Historiker mit entsprechender Expertise im Auftrag des Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegevereins bislang unbekannte Aspekte von Zwangsarbeit und Ausbeutung von KZ-Häftlingen in Mühlhausen während des Zweiten Weltkriegs erforschen solle.

Einblick in Archive und Zeitzeugenberichte

Das beziehe sich nicht allein auf die Geschichte des Lagers „Martha II“. Insbesondere sollen Erinnerungsberichte ehemaliger Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in internationalen Dokumentationszentren und bislang nicht ausgewertete Unterlagen aus staatlichen Archiven in Deutschland verwendet werden. Das Forschungsprojekt wird zeitlich befristet sein. Wer diese Aufgabe übernimmt, das soll der Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein auswählen.

Das Stadtarchiv Mühlhausen werde mit der Durchführung des Forschungsprojekts nicht beauftragt, da die auszuwertenden Quellen in staatlichen Archiven und in Dokumentationszentren in- und außerhalb Thüringens ja sogar außerhalb Deutschlands lagern.

Um die Kosten zu schultern, hat laut Antwort aus dem Rathaus der Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein einen Fördermittelantrag bei der Thüringer Staatskanzlei gestellt. Erst wenn der Bewilligungsbescheid vorliegt, werde feststehen, welche Kosten auf die Stadt zukommen. Der Verein wolle zusätzlich private Förderer gewinnen und städtische Mittel beantragen. Über die Höhe ist noch nichts bekannt. Die Ergebnisse der Forschung soll dann in geeigneter Form der Mühlhäuser Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Kühler, inzwischen kein Stadtrat mehr, wollte dann auch noch einmal wissen, warum die Diskussion um den Standort, die selbst in den USA geführt wurde, die Stadtverwaltung derart kalt erwischt hat. In dem von Thomas Kaiser aus dem Bereich Stadtentwicklung unterzeichneten Antwortschreiben heißt es, dass die Geschichte des Geländes vor Ende Januar 2019 nur in ihren Grundzügen bekannt gewesen sei, „mit Blick auf die Organisation des sogenannten B-Lagers von September 1944 bis Februar 1945 als Außenlager des KZ-Buchenwald aber nicht in vollem Umfang bewusst.“

In die Standortentscheidung sei der Fachbereich Stadtarchiv/Stadtbibliothek nicht eingebunden gewesen.

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