Kalihalde Menteroda: Auf dem Berg ist noch lang nicht Schluss

Menteroda  Das Unternehmen Menteroda Recycling hofft auf eine Verlängerung des Betriebsplanes. Eine Laugenleitung wird gebaut. Ein Nachnutzungskonzept ist noch immer nicht gefunden – Industrie oder Tourismus?

Diether Trautvetter ist Geschäftsführer der Menteroda Recycling.

Diether Trautvetter ist Geschäftsführer der Menteroda Recycling.

Foto: Alexander Volkmann

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Dutzende Lastwagen steuern täglich die Kali-Abraumhalde in Menteroda an. Mit großen Radladern und Baggern wird das Material bewegt, der Berg geformt. Mit 510 Metern ist der Kaliberg die höchste Erhebung im Unstrut-Hainich-Kreis.

Seit dem Jahr 1991 kümmert sich die Menteroda-Recycling GmbH um die Rekultivierung der Halde. Das bedeutet, dass seither mehr als 9,1 Millionen Tonnen Bauschutt, Straßenkehricht, geringe Mengen Klärschlamm und vor allem aber Erde den Salzberg bedecken und damit eine Art Schwamm für Niederschläge schaffen, die sonst erhebliche Mengen umweltschädliche Salzlauge ausspülen würden.

Immer noch kommen hier etwa 30.000 Tonnen monatlich drauf, erklärt Diether Trautvetter. Er ist Chef der Menteroda Recycling GmbH. Wie lange das noch so geht, vermag so richtig niemand zu sagen. Zwar ist die geplante Höhe erreicht, doch auf dem Plateau ist noch Platz.

Salzberg soll eine grüne Decke erhalten

Halde und Areal drumherum gehören der Menteroda Recycling, die im Auftrag des Landes die Rekultivierung voran treibt. Seit 2013 gilt der Sonderbetriebsplan für die Arbeiten, doch er läuft Mitte 2020 aus. „Aber fertig sind wir noch nicht“, sagt Trautvetter. Er hofft auf die Verlängerung der geltenden Genehmigung, ansonsten müsste ein neuer Antrag gestellt werden. Dabei sollen die Arbeiten weitergehen, wie bisher.

Ziel ist es, dem Salzberg eine grüne Decke zu verpassen. Schon jetzt wachsen hier Sträucher und Bäume an den Hängen. Rehe und Wildscheine ziehen sich hierhin zurück. Die Halde steht unter Kontrolle des ehemaligen Landesbergamtes, heute Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz. Regelmäßig fliegen die Kontrolleure über die Halde, um sich den Stand anzusehen.

Vielleicht noch fünf Jahre lang kann Material oben aufgeschüttet werden, so eine der letzten vagen Schätzungen. Dann muss ein Nachnutzungskonzept her. Es gibt Überlegungen für eine touristische Nutzung der Halde (unsere Zeitung am 17. März 2017) . Trautvetter schwebt eher eine industrielle Nutzung vor.

Bakterien „fressen“ Schadstoffe im Boden

Bereits jetzt ist die Menteroda Recycling in der Aufbereitung kontaminierter Böden tätig – ein aufwendiges Verfahren, für das man Platz und Zeit braucht. Unter regelmäßiger Zugabe von Kompost zersetzen Bakterien die Schadstoffe, wie Öl, nach und nach, erklärt Trautvetter. Eine Fläche von viereinhalb Hektar am Fuß der Halde ist mit einer Photovoltaikanlage bestückt, die in diesem Jahr in Betrieb ging.

Besonders für die Baubranche, speziell Containerdienste im Landkreis, könnte das Ende der Rekultivierung wirtschaftliche Folgen haben. Bisher galt die Halde als nahe Verwertungsstelle. Die nächste Halde, auf der Bauschutt gelagert werden kann, ist bei Sondershausen, bei Bleicherode oder die Deponie in Nentzelsrode und damit also deutlich weiter weg.

Lauge fließt in alte Bergbauschächte

Auch nach der fertigen Begrünung wird weiter Kalilauge am Fuß des Berges austreten, allerdings in deutlich geringerer Menge als früher. Seit 1996 wird die Lauge in die stillgelegten Kalischächte Pöthen I und II sowie Volkenroda geleitet. Damaligen Berechnungen zufolge reicht der verbliebene Hohlraum noch bis etwa 2020, so die Lausitzer Mitteldeutsche Bergbau Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in einer Erklärung. So lässt die LMBV gerade eine 13,5 Kilometer lange Leitung für den Laugentransport von Menteroda zum Stapelbecken Wipperdorf (Landkreis Nordhausen) bauen. Die Bauarbeiten laufen, die Trasse, die 2020 in Betrieb sein soll, führt durch die Gemarkungen Menteroda, Holzthaleben, Keula, Friedrichsrode, Rehungen, Obergebra und Sollstedt.

Am 30. Juni 1990 wurde die Förderung von Kalisalz im Werk Volkenroda eingestellt. Nachnutzungskonzepte sind auch Thema der Nordthüringer Zukunftsforen, die das Regionalmanagement organisiert. Eines findet am Mittwoch, 11. September, in Menteroda statt.

Der Salzberg von Menteroda

  • Seit 1991 ist die Menteroda-Recycling GmbH mit der Rekultivierung der Kalihalde beauftragt.
  • 9,1 Millionen Tonnen Erde, Bauschutt, Straßenkehricht, Klärschlamm bedecken den Berg.
  • Jeden Monat kommen 30.000 Tonnen dazu.
  • Die Halde steht unter Kontrolle des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.
  • Vagen Schätztungen zufolge könnte noch fünf Jahre lang Material aufgebracht werden, dann müsste ein touristisches und oder industrielles Nachnutzungskonzept her.
  • Am Fuß der Halde sammelt sich weiterhin Kalilauge. Seit 1996 wird diese Lauge in die stillgelegten Schächte eingeleitet.
  • Derzeit wird eine 13,5 Kilometer lange Leitung für den Laugentransport von Menteroda zum Stapelbecken Wipperdorf (Landkreis Nordhausen) gebaut.
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