Kastanie in der Bad Tennstedter Herrenstraße wird gefällt

Bad Tennstedt  Bei der Abstimmung im Bad Tennstedter Stadtrat gibt es eine Patt-Situation. Der Beschluss für den Erhalt des Baums ist damit abgelehnt

Die mehr als hundert Jahre alte Kastanie wird gefällt, ein Ginkgobaum soll nun dort hin.

Die mehr als hundert Jahre alte Kastanie wird gefällt, ein Ginkgobaum soll nun dort hin.

Foto: Sabine Spitzer

Eine Niederlage erlitten hat die Bürgerinitiative der Herrenstraße in Bad Tennstedt. Der Kastanienbaum, dessen Erhalt sie 2018 erstritt, wird jetzt doch gefällt.

Weil die Kosten für die Sicherung des Baums um rund 47.000 Euro gestiegen waren, wurden die Stadträte am Donnerstagabend zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Bürgermeister Jens Weimann (CDU) sah die Schmerzgrenze erreicht. Denn die Kosten für den Erhalt summieren sich damit auf insgesamt fast 70.000 Euro. „Das ist nicht verantwortbar“, sagte er. Er richtete daher einen Appell an die Stadträte, sie mögen im Sinne der Anwohner beziehungsweise der Steuerzahler entscheiden. Letztere müssten laut Weimann dafür bezahlen, wenn das geplante Gesetz zum Wegfall der Straßenausbaugebühren nicht verabschiedet werde.

Die Herrenstraße wird derzeit saniert. Michael Boller vom zuständigen Planungsbüro erklärte das Problem: Bei den Bauarbeiten sei festgestellt worden, dass die Wurzeln des Baums massiver sind als gedacht. Die Sicherungsmaßnahmen verursachen die Mehrkosten.

Der Vorschlag von Matthias Preuß (SPD) und Bruno Henning (CDU), den Wurzelschutz zur Kostensenkung wegzulassen bekam Applaus von Anwohnern. Laut Weimann sei das keine Option, weil möglicherweise Fördermittel zurückgezahlt werden müssten. Jörg Klupak (SPD) meinte: „Es wurden schon mutigere Entscheidungen in Bad Tennstedt getroffen, auch gegen den Rat der Experten.“

Bei namentlicher Abstimmung gab es mit sieben zu sieben Stimmen einen Patt. Damit war der Beschluss für Erhalt und Mehrausgaben abgelehnt – von Linke-Fraktion (Gabriele Méresse und Wolfgang Spaar), Interessengemeinschaft (Patrick Leibing, Lutz Pickart und Dirk Blankenburg) und zwei CDU-Stimmen von Hartmut Keil und Bürgermeister Weimann.

Ungeklärt blieb allerdings eins: Laut Preuß waren vergangene Woche, als die Sache bekannt wurde, die Bauarbeiten in einem Teil des Problembereichs bereits fertig. Hätte sich der Stadtrat für den Erhalt entschieden, hätte dieser Bereich wieder aufgerissen werden müssen.

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