Kleingartenanlage feiert 100. Geburtstag und kämpft weiter um ihren Erhalt

Bad Langensalza  Die drohende Umwandlung in Bauland ist Thema bei Jubiläumsfest „Am Volkspark“. Der Bürgermeister rechnet mit einer Entscheidung inzwischen nicht vor Mitte 2020.

Seit 100 Jahren ist eine Parzelle in der Hand einer Familie: Brigitte Stephan (rechts) übernahm sie 1970 von ihrer Mutter. Ihre Großeltern hatten sie seit Gründung der Anlage 1919 bewirtschaftet. Ihr Sohn Carsten ist auch gerne hier. In der Mitte: Die Vereinsvorsitzende Ruth Fraaß.   

Seit 100 Jahren ist eine Parzelle in der Hand einer Familie: Brigitte Stephan (rechts) übernahm sie 1970 von ihrer Mutter. Ihre Großeltern hatten sie seit Gründung der Anlage 1919 bewirtschaftet. Ihr Sohn Carsten ist auch gerne hier. In der Mitte: Die Vereinsvorsitzende Ruth Fraaß.   

Foto: Klaus Wuggazer

Überwältigt waren die Vereinsvorsitzende Ruth Fraaß und ihr Schatzmeister Hans Schuller vom Zuspruch, den das Jubiläumsfest zum 100-jährigen Bestehen der Bad Langensalzaer Kleingartenanlage „Am Volkspark“ am Samstag erfuhr. „Mit 80 Gästen haben wir aus der Erfahrung heraus gerechnet“, sagte Schuller – doch weit über 100 wurden es.

Auf sie warteten Essen und Trinken, Musik – sogar der Fanfarenzug schaute für ein Ständchen vorbei – und Angebote für Kinder. Vielleicht waren auch Interessenten für eine der freien Parzellen unter den Besuchern, hofft Fraaß. Zehn der 135 Gärten stünden zur Zeit leer.

Zerwürfnisse und Zuversicht

Etliche Gäste kamen auch aus Solidarität mit der Anlage, deren Zukunft offen ist. Dass das Gelände hinter dem Kultur- und Kongresszentrum im Entwurf des Flächennutzungsplans für Bad Langensalza als potenzielles Bauland ausgewiesen ist, war Thema vieler Gespräche. „Die drohende Schließung ist unser Handicap, deswegen haben schon manche aufgegeben“, sagte die Vorsitzende, die seit Mai im Amt ist. Auch innerhalb der Anlage und im Vorstand hat die Debatte für Zerwürfnisse gesorgt. „Aber wir sind hier alle mit Leib und Seele Kleingärtner.“

Wie geht es weiter? Bisher hatte es von Seiten der Stadt geheißen, dass der Plan im Herbst dieses Jahres beschlossen werden solle. Das stellt sich mittlerweile anders dar. Wie Bürgermeister Matthias Reinz (parteilos) auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, „ist es unwahrscheinlich, dass der Flächennutzungsplan vor Mitte des nächsten Jahres zur Abstimmung kommt“.

Leerstandsliste ist angefordert

Zunächst habe man die Kleingartenverbände gebeten, eine Auflistung des Leerstands zu übermitteln. Auf Grundlage dieser und weiterer fachlicher Ergebnisse würden Fachausschüsse und Stadtrat in die Diskussion eintreten.

Wegen der Debatten in Politik und Verwaltung werde es „zu mehreren Auslegungen kommen“, sprich: Die Debatte und Beteiligung der Öffentlichkeit wird fortgesetzt. So ein mehrstufiges Verfahren ist nötig, wenn der ursprüngliche Entwurf im Lauf der Debatte deutlich verändert wird oder sich neue Aspekte ergeben. Hält Reinz am Plan fest, aus den Gärten perspektivisch Bauland zu machen? „Unser Interesse gilt einem gemeinsamen Konsens zum Wohle und der Weiterentwicklung der Stadt. Dabei müssen allen voran die Fakten sowie die realen Gegebenheiten analysiert werden“, lautet diplomatisch die schriftliche Antwort.

Die Gartenanlage selbst und der Kreisverband der Kleingärtner sind entschlossen, die Pläne „mit allen Mitteln“ zu verhindern, wie der Kreisvorsitzende Heiko Willmann sagte. Aber man setze zunächst auf Gespräche und sei auch schon aktiv im Dialog, war von ihm als auch vom Bürgermeister zu hören.

Parzellen für verwundete Soldaten

Wie traditionsreich die Anlage am Volkspark ist, betonten die Vorstandsvertreter am Samstag erneut. 1919 entstanden die Parzellen, die für Kriegsversehrte gedacht waren. Die Großeltern von Brigitte Stephan gehörten zu den ersten Nutzern.

Ihr Garten ist damit seit 100 Jahren in Hand der Familie, auch wenn die 85-jährige für schwerere Arbeiten Hilfe von ihren Nachbarn braucht. „Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre weitermachen kann“, sagte sie am Samstag, auch wenn sie persönlich in der Debatte eine etwa andere Meinung habe als die Vorsitzende.

Noch viele weitere Jahre wünschten der Anlage auch Landrat Harald Zanker (SPD), der 1000 Euro mitbrachte, SPD-Landtagskandidat Jörg Klupak sowie Dagmar Kleemann und Ronny Thomas von der Stadtrats-SPD – alles entschiedene Gegner der Bauplatz-Pläne.

Der Vorstand der Anlage verwies auch auf die Verwurzelung in der Stadt und Region, auch wenn der Altersschnitt er Pächter jenseits der 60 liege. Unter anderem hat der Verein eine Art Patenschaft mit dem Kinderheim Altengottern, ist Schulgarten des Förderzentrums und der „Zwiwel“-Verein als Pächter bringt hier regelmäßig Kinder für Projekte zusammen.

Für das Fest gab es, neben der Hilfe vieler Mitglieder, die alleine 20 Kuchen buken, auch kräftige Unterstützung von mehreren heimischen Firmen, ist Schuller dankbar. Ganz besonders freute man sich über eine große Geburtstagstorte, die die Bäckerei Bonsack stiftete.

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