"Krokodil" aus Südafrika beißt im letzten Sprung noch mal zu

Bad Langensalza. In Bad Langensalza zu gewinnen, bleibt für einen Weitspringer etwas ganz Besonderes. Nach der 20. Auflage bleibt James Beckford aus Jamaik, der einzige Athlet, dem das Kunststück drei Mal gelang. "Dafür musste er aber auch 8,60 Meter und zweimal 8,40 Meter springen", sagte Meetingdirektor Konstantin Krause, der in seiner Heimatstadt trotz starker Bestleistung von 8,27 m im Jahr 1997 nie ganz oben stand.

Südafrikas Godfrey Mokoena flog als letzter Springer noch hauchdünn zum Sieg. Platz zwei ging an Leverkusens Alyn Camara, der mit 8,29 m zum Abschluss noch Bestleistung schaffte. Ebenfalls im finalen Durchgang des verrückten Springens segelte Christian Reif als Dritter auf 8,28 m. Foto: Alexander Volkmann

Südafrikas Godfrey Mokoena flog als letzter Springer noch hauchdünn zum Sieg. Platz zwei ging an Leverkusens Alyn Camara, der mit 8,29 m zum Abschluss noch Bestleistung schaffte. Ebenfalls im finalen Durchgang des verrückten Springens segelte Christian Reif als Dritter auf 8,28 m. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Christian Reif, Europameister 2010, scheiterte am Samstag bei seinem Vorhaben, zum dritten Mal in Folge im Salza-Park zu gewinnen, obwohl auch Vorgänger Beckford ihn lautstark anfeuerte. Reif, der die WM-Norm von stattlichen 8,25 m schon in der Tasche hatte, plagten Schmerzen in der Kniekehle. Er wurde ständig behandelt.

"Ich habe meinem Körper zu wenig vertraut, wollte mich nicht verletzten", sagte Reif, der vor dem letzten Durchgang mit 8,02 m nur auf Rang fünf lag. Doch dann meinte Reif: "Entweder du bist ein Killer oder nicht."

8,27 m - Reif und die rund 900 Fans auf der Anlage jubelten. Platz zwei. Nur einen Zentimeter hinter dem Olympiazweiten von 2008, Godfrey Khotso Mokoena aus Südafrika.

Doch dieser Tag war einer der verrücktesten in der Bad Lan-gensalzaer Meeting-Geschichte. Plötzlich landete der Leverkusener Alyn Camara weit in der Grube. 8,29 m - Platz eins, Bestleistung, WM-Norm - Gefühle des Glücks brachen sich beim gebürtigen Deutschen mit senegalesischem Vater Bahn.

Doch dann kam Mokoena, dessen Name in der Sprache des Stammes der Sotho "Krokodil" bedeutet, und biss noch einmal zu. 8,30 m. Der Sieg ging an den Mann aus Pretoria, der in seiner Heimat zum Spaß auch schon mal über eine paar der gefährlichen Echsen gesprungen ist.

Glück für die Springer mit starkem Rückenwind

"Danke Gott. Danke, dass der Wind nicht zu stark war, Danke für die WM-Norm, die mir ja noch fehlte", so Mokoena leise.

Der Wind war auch die große Hoffnung und Angst von Sosthene Moguenara aus Wattenscheid. Das Mädchen aus dem Tschad, dass mit neun Jahren von ihren Adoptiveltern nach Deutschland geholt wurde, flog - natürlich auch im letzten Versuch - weit. Auf 6,79 m. Sieg und vor allem WM-Norm. Doch Moguenara zitterte vor der Windmessung und jubelte, als 1,7 Meter pro Sekunde angezeigt wurden. Die Grenze für die Anerkennung liegt bei 2,0 m/s.

Zuvor hatte sie Xenia Aschkinadze, die mit elf Jahren aus der Nähe von Sotschi nach Deutschland kam, wach gerüttelt. Die Gelnhäuserin flog auf 6,69 m und ärgerte sich ein wenig, weil zur WM sechs Zentimeter fehlten. Allerdings wehte auch der Wind etwas zu stark.

Am Ende lächelten aber alle. Auch Christian Reif. "Ich bin mit meiner Weite sehr zufrieden. Da stört es überhaupt nicht, dass Alyn zwei Zentimeter weiter war. Das kann ich bei den deutschen Meisterschaften in zwei Wochen in Ulm ja alles wieder geraderücken", befand Reif.

Sebastian Beyer ist noch keine Konkurrenz für Reif und Camara. Der Europameister hüpfte in Göteborg nur 7,70 m. Auch Hochspringerin Ariane Friedrich enttäuschte mit 1,88 m. Dafür flog Stabhochspringerin Carolin Hingst über 4,71 m. Kugelstoßer David Storl hatte in Stettin keinen gültigen Versuch. Dafür glänzte Hammerwerferin Betty Heidler mit Jahresweltbestleistung mit 76,48 m.

Stark präsentierten sich auch die Mehrkämpfer in Ratingen. Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch mit 8514 Punkten und Siebenkämpferin Julia Mächtig mit 6430 Zählern sind die Nummer eins in der Welt.

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