Landwirte ziehen mit Drohnen gegen Mais-Schädling zu Felde

Henningsleben  Die Aschara Landwirtschaftsgesellschaft setzt auf moderne Technik und Schlupfwespen, um den Mais vorm Befall durch Schmetterlingsraupen zu schützen. Durch den Maiszünsler werden Ertragsausfälle bis 30 Prozent beklagt.

Die Aschara Landwirtschaftsgesellschaft GmbH kooperiert mit dem Unternehmen Farm Facts, um gegen Maiszünsler vorzugehen. Die Schmetterlinge befallen mit Vorliebe Maisfelder. Mit einer Drohne werden Zellstoffkügelchen mit Schlupfwespen-Eiern über dem Feld abgeworfen. Im Bild sind Martin Fischer und Sascha Schuster von Farm Facts und Landwirt Thomas Wilhelm (von links).

Die Aschara Landwirtschaftsgesellschaft GmbH kooperiert mit dem Unternehmen Farm Facts, um gegen Maiszünsler vorzugehen. Die Schmetterlinge befallen mit Vorliebe Maisfelder. Mit einer Drohne werden Zellstoffkügelchen mit Schlupfwespen-Eiern über dem Feld abgeworfen. Im Bild sind Martin Fischer und Sascha Schuster von Farm Facts und Landwirt Thomas Wilhelm (von links).

Foto: Friedemann Mertin

Schmetterlinge dürften die meisten Menschen als hübsch anzuschauende, fragile Tierchen einordnen. Dass Schmetterlinge auch ganze Felder leerfressen können, dürfte weniger bekannt sein.

Der Maiszünsler ist ein Kleinschmetterling, der sich mit Vorliebe über Maispflanzen hermacht. Gegen diesen Schädling geht die Aschara Landwirtschaftsgesellschaft mit Sitz in Henningsleben nun mit moderner Technik und biologischen Mitteln vor. Mit Drohnen, also ferngesteuerten Mini-Helikoptern, werden die Eier von Schlupfwespen über dem Feld abgeworfen. Die Wespen nisten sich in den Gelegen des Maiszünslers ein und zerstören sie.

„Der Maiszünsler legt seine Eier an der Blattunterseite ab. Die Larven sitzen in der Pflanze, fressen Blüten, Fruchtstände und das Mark. An den Schlupflöchern bilden sich Pilze, die die Weiterverarbeitung als Viehfutter nicht möglich machen. Das ist so, als würden wir schimmliges Brot essen“, erklärt Thomas Wilhelm. Der Landwirt ist der Leiter der Abteilung Pflanzenbau in Henningsleben. Auf 400 Hektar baue das Unternehmen zur Zeit Mais an. Wilhelm schätzt die Ertragseinbußen durch den Schädling auf etwa ein Drittel.

Ein rein biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel

„Bisher laufen wir die Felder ab, suchen nach Gelegen und Schadstellen und fahren, wo es nötig ist, mit der Spritze raus“, so Thomas Wilhelm. Dieses Prozedere sei nicht nur aufwendig, sondern vermittle Beobachtern auch den Eindruck, dass grundsätzlich mit Pestiziden gearbeitet werde. Dabei sollen diese wenn nötig vermieden werden.

Das Angebot der Firma Farm Facts mit Sitz in Hessen könnte eine Alternative darstellen, denn die abgeworfenen Wespen sind praktisch ein rein biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel.

In kleinen Zellulosekapseln werden die Eier transportiert – gekühlt, damit die Tiere erst auf dem Feld schlüpfen. „In jeder Kapsel sitzen Tausende Eier. Die Kapseln schützen die Wespen noch einige Tage vor Regen, ehe sie sich zersetzen. Es ist ein natürliches Material“, sagt Sascha Schuster, Projektmanager bei Farm Facts. Er und sein Kollege Martin Fischer steuerten am Donnerstag zwei Drohnen über einem Maisfeld bei Burgtonna. Wobei die eigentliche Steuerung schon vorher am Computer erledigt wird. Die Flugroute wird programmiert, alle zehn Meter wird eine Kugel abgeworfen. Pro Arbeitstag können 120 Hektar abgeflogen werden. Die Piloten überwachen den Flug, achten auf Strommasten, Grundstücksgrenzen und andere Hindernisse.

Spezieller Führerschein für Drohnenflüge

Den beiden Männern ist es wichtig zu betonen, dass die Drohnenflüge nicht in Wildwest-Manier stattfinden. Es brauche einen speziellen Führerschein sowie eine jährlich zu erneuernde Aufstiegserlaubnis und entsprechende Genehmigungen, um nahe an Häuser und Straßen zu fliegen. Anders sei die Schädlingsbekämpfung kaum effektiv möglich, denn Felder grenzen nun mal mitunter an Straßen und bebaute Grundstücke.

Es gebe viel Misstrauen gegenüber Drohnenflügen, auch unter Polizeischutz hätten sie schon arbeiten müssen, berichten sie.

Für Landwirt Thomas Wilhelm ist das Projekt buchstäblich ein Feldversuch. Er ist überzeugt, dass in der Drohnentechnik noch viele weitere Vorteile für die Landwirtschaft liegen.

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