Langensalzaer Carneval-Club löst sich auf: Stadt und Narren wollen Fasching retten

Bad Langensalza  Der Verein wird abgewickelt. Bürgermeister Reinz lädt Vorsitzende zu Gesprächen ein. Rathaussturm und Umzug stehen auf der Kippe. Dennoch: Stadt und Narren wollen den Fasching retten.

Der Karnevalsumzug des LCC im März dieses Jahres. In der Bildmitte ist der Vereinsvorsitzende Nils Kuhlmann.

Der Karnevalsumzug des LCC im März dieses Jahres. In der Bildmitte ist der Vereinsvorsitzende Nils Kuhlmann.

Foto: Daniel Volkmann

Der Fasching in Bad Langensalza steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Der Langensalzaer Carneval Club (LCC) löst sich auf. Das bestätigte der Vereinsvorsitzende Nils Kuhlmann am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Bereits im September habe er die Vereinsauflösung in die Wege geleitet. Dem war ein entsprechender Beschluss der Vereinsmitglieder vorausgegangen. Die Auflösung war bisher nur in der Gemeinde der Karnevalisten bekannt, an die Öffentlichkeit drang bis dato nichts.

„Es hat sich niemand mehr gefunden, der sich auf Vorstandsebene in den Verein einbringen will. Ich kann das schlichtweg nicht alleine machen“, begründete Nils Kuhlmann diesen Schritt. Eine Vereinsauflösung werde nicht von heute auf morgen vollzogen. Es gebe eine Art Scheidungsjahr, in dem Formalitäten geklärt und die Organisation abgewickelt werde.

Volker Pöhler, selbst viele Jahre beim LCC aktiv, unter anderem als stellvertretender Vorsitzender, sagte, dass mehrere Mitglieder den Vorstand verlassen hätten. Es habe keine Einigkeit mehr geherrscht. „Die Jugend wollte einen Generationenwechsel, das haben wir unterstützt. Nils Kuhlmann hat sich aufgeopfert und viel geleistet, das verdient Anerkennung“, sagte Volker Pöhler.

2020 wäre das 50-Jährige gefeiert worden

Der LCC prägt seit Jahrzehnten die Aktivitäten zur fünften Jahreszeit in Bad Langensalza. Laut dem Facebook-Profil – die offizielle Webseite ist nicht mehr erreichbar – wurde der LCC im Januar 1970 gegründet. Eigentlich sei der Verein schon älter, allerdings habe es zwischendurch eine Pause gegeben, fügte Volker Pöhler hinzu.

2016 verkündeten die Langensalzaer Narren einen Neustart. Das Ansehen des Vereins hatte nach der Session 2015 Kratzer bekommen, als die Karnevalisten am 11.11. in schäbiger Kleidung und mit Plastiktüten als Flüchtlinge das Rathaus stürmten. Es gab später Befürworter in der Stadt ebenso wie beschämte Stimmen aus den LCC-Reihen. Ausverkaufte Prunksitzungen im Kultur- und Kongresszentrum waren zuletzt keine Selbstverständlichkeit.

Weniger Politik, mehr Spaß und eine stärkere Kooperation mit den Ortsteilen waren die Ziele, die der neue junge Vorstand vor drei Jahren ausrief. Und nun das Ende.

Dass es ein definitives Ende des LCC ist, betonte Volker Pöhler am Donnerstag. Der Verein in seiner jetzigen Form sei Geschichte, man wolle keine Hoffnungen wecken.

Doch mit dem Fasching in Bad Langensalza soll es weitergehen – allerdings in anderer Form. Nils Kuhlmann sagte, dass es die Tanzgruppen des LCC – unter anderem die Rot-Weißen-Funken, die Spatzen, das Männerballett – weiter geben soll. Nur eben nicht mehr unter dem Dach des Vereins und wohl unter anderen Namen.

Nach Informationen unserer Zeitung hat Bürgermeister Matthias Reinz (parteilos) für Montag, 28. Oktober, Vertreter der verschiedenen Karnevalsvereine der Stadt ins Rathaus eingeladen. Fasching wird gefeiert in Illeben (Illeber Carnevals Verein), Merxleben (Merxlebener Carnevalsverein), Thamsbrück (Thamsbrücker Carneval Club) , Großwelsbach (Welsbacher Carneval Club) und Zimmern (Närrische Holzböck).

Ob die Erstürmung des Rathauses am 11. November kurzerhand von den Vereinen der Ortsteile übernommen werden kann? „Als einzelner, kleiner Verein nicht. So etwas muss organisiert werden, braucht Vorlaufzeit. Zumal ist der 11. dieses Jahr ein Montag, viele Vereinsmitglieder werden arbeiten“, sagte Carmen Diehl, Vorsitzende des Illeber Carneval Vereins. Allerdings: Die Gemeinschaft aller Narren könnte die Tradition aus ihrer Sicht auch in der Kernstadt fortführen.

Ähnlich sieht es Markus Hof, Vorsitzender des Merxlebener Carnevalvereins. „Grundsätzlich stehen wir dem offen gegenüber. Für mich hat aber die Fortsetzung des Umzugs im Februar Priorität“, sagte er. An dem Umzug beteiligen sich Hunderte Narren aus der Region. Zuletzt zog sich im Frühjahr ein Tross von 24 Bildern und Hunderten Teilnehmern durch die Stadt.

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