Verhängnisvoller Vorfahrtsfehler: Familie des Unfallopfers sucht Ersthelfer

Mühlhausen  Angehörige von Mario Bahr wollen sich bedanken. Und sie kritisieren rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, die durch die Unfallstelle auf der Bundesstraße zwischen Eigenrieden und Mühlhausen fuhren.

Die Familie des am Sonntag verunglückten Motorradfahrers – die Brüder Roy Freiberg (links) und Torsten Knabe sowie die Lebengefährtin des Schwerstverletzten Anke Richardt – sucht die Ersthelfer. Ohne deren Eingreifen wäre Mario Bahr wohl tot, sagen sie am Freitag vor dem Klinikum.

Die Familie des am Sonntag verunglückten Motorradfahrers – die Brüder Roy Freiberg (links) und Torsten Knabe sowie die Lebengefährtin des Schwerstverletzten Anke Richardt – sucht die Ersthelfer. Ohne deren Eingreifen wäre Mario Bahr wohl tot, sagen sie am Freitag vor dem Klinikum.

Foto: Daniel Volkmann

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Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr so wie vorher. Mario Bahr (48) aus Krauthausen verunglückt am Sonntag vor einer Woche, am Nachmittag des 18. August, auf der Bundesstraße zwischen Eigenrieden und Mühlhausen schwer.

Er ist mit seinem Motorrad auf seiner Feierabendrunde. So nennen die Brüder die Strecke zwischen Krauthausen und Lauchröden, wo sie leben, Treffurt, Wanfried, Mühlhausen, der Vogtei und Mihla. Diesmal ist Mario allein unterwegs. Wenige Meter, nachdem er Peterhof passiert hat, wird er, aus Richtung Eigenrieden kommend, von einem Auto erfasst. Dessen Fahrer (84) will gerade von der Bundesstraße nach links auf einen Waldweg abbiegen. „Nach unseren Informationen hat er noch ein vor Mario fahrendes Auto durchgelassen und ist dann losgefahren. Er muss ihn nicht gesehen haben“, sagt Roy Freiberg, einer der ebenfalls motorradfahrenden Brüder.

Polizist reanimiert das Unfallopfer

Mario Bahr fährt in die Beifahrerseite des Autos, knallt auf ein zweites Auto. Die Verletzungen sind schwer. Ein Polizist, der auf seinem Heimweg ist und zu den Entgegenkommenden zählt, kann ihn reanimieren. Später dann muss dies auch der Notarzt tun. „Ohne diese beiden Helfer wäre Mario nicht mehr am Leben“, glaubt Torsten Knabe, ein weiterer Bruder.

Er begibt sich in diesen Tagen auf die Suche nach den Ersthelfern. Die anderen haben abgesagt. „Es ist uns ein Herzensbedürfnis, allen, die geholfen haben, danke zu sagen, auch wenn die, die dies tun, wahrscheinlich gar nicht wollen.“ Mit einigen hatte er schon Kontakt, mit anderen möchte er noch reden. Auch mit jenem jungen Mann, der an der Unfallstelle bis zur Selbstaufgabe hilft und später selbst behandelt werden muss.

Noch immer bangt die Familie aus dem Wartburgkreis um das Leben des Bruders und Lebensgefährten, der seit Sonntag im künstlichen Koma liegt. Sie wechseln sich ab mit den Besuchen im Hufeland-Klinikum.

Anke Richardt, die Partnerin, war zu Hause von einer Polizistin über den Unfall informiert worden. Allein nach Mühlhausen, ins Krankenhaus, fahren, das kann sie nicht. Noch immer kann sie sich nicht selbst ans Steuer setzen, noch immer ist sie, wie die Brüder ihres Lebensgefährten, nicht arbeitsfähig.

Über 200 Meter verteilt lagen die Trümmerteile

Die Familie will nicht nur danken. Es ist ein nicht weniger großes Anliegen, auf etwas anderes hinzuweisen: auf die teilweise Rücksichtslosigkeit am Unfallort. Über 200 Meter verteilt lagen die Trümmerteile. „Da sind Autofahrer Schlängellinien durchgefahren, um ja nicht warten zu müssen, wenn die Rettungskräfte dann die Straße komplett sperren. Ich kann und will es nicht verstehen,“ sagt Knabe. Er malt das Szenarium von einem Autofahrer, der einen Helfenden schwer verletzt oder einen der Rettungswagen so sehr beschädigt, dass er den um sein Leben Ringenden nicht mehr in die Klinik fahren kann.

Die Gedanken drehen sich um Arztgespräche und um weitere Operationen. Allein in den ersten fünf Tagen nach dem Unfall ist Mario Bahr dreimal operiert worden. Sie wissen: Weitere Operationen werden folgen und trotzdem wird nichts mehr so sein, wie es bisher war.

Der Unfall des Sonntagnachmittags habe die Familie noch enger zusammenrücken lassen. „Wir helfen einander. Allein wäre es psychisch auch nicht auszuhalten“, sagt Anke Richardt.

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