Mühlhausen: Idee eines Bürgerentscheids zur Straßenbahn

Mühlhausen  Es braucht zum Zustandekommen der Abstimmung gut 2100 Unterschriften. Die Kosten für den Neubau einer Linie innerhalb des Stadtzentrums sind weiterhin unklar. Ab Aue werden sie auf 1,5 Millionen Euro pro Kilometer geschätzt.

Die Naumburger Straßenbahn GmbH mit Geschäftsführer Andreas Plehn könnte Vorbild für die Reaktivierung der Mühlhäuser Straßenbahn werden. Plehn soll nach Mühlhausen eingeladen werden.

Die Naumburger Straßenbahn GmbH mit Geschäftsführer Andreas Plehn könnte Vorbild für die Reaktivierung der Mühlhäuser Straßenbahn werden. Plehn soll nach Mühlhausen eingeladen werden.

Foto: Alexander Volkmann

Der Verein zur Förderung handwerklicher Traditionen in Mühlhausen, der im Frühsommer die Idee zur Reaktivierung einer Straßenbahn angeschoben hat, will das Votum der Mühlhäuser abfragen.

Das ist Ergebnis der zweiten Ideenbörse am Dienstagabend im Lokschuppen am Wendewehr. Dazu soll es eine große Informationsveranstaltung geben, im Anschluss – eventuell – ein Bürgerentscheid. Damit der zustande kommt, müssen sieben Prozent der stimmberechtigten Mühlhäuser innerhalb von vier Monaten unterschreiben. Mühlhausen hat rund 30.200 Wahlberechtigte. Das heißt: Es braucht bis zum Zustandekommen der Abstimmung gut 2100 Unterschriften.

Vereinsvorsitzender Hans-Jörg Adamaschek, der für die Bürgerliste im Stadtrat sitzt, hat in der Bevölkerung ein großes Interesse an der Wiederbelebung der seit 50 Jahren nicht mehr fahrenden Straßenbahn ausgemacht. Noch nicht ermittelt sei, was es kostet, die Straßenbahn zwischen dem Bahnhof und dem Stadtwald wieder fahren zu lassen. Die Kosten für den Abschnitt Bahnhof – Aue lassen sich laut Adamaschek nicht seriös ermitteln. Der Grund: Mit der Sanierung des Steinwegs verschwanden nicht nur die Schienen, in den freien Bereich im Erdreich kamen die Medien, Strom, Gas, Telefon. „Der finanzielle Aufwand ist nicht abschätzbar“, sagt Adamaschek. Für den Bereich Aue – Stadtwald/Bratwurstmuseum werden sie auf 1,5 Millionen Euro pro Kilometer geschätzt.

Problem: Querung der Bundesstraße

Kritik kam von Iven Görbig, Vorsitzender der Kreistagsfraktion der AfD. „In der Stadt- und Kreispolitik scheint die Idee einer Straßenbahn für Mühlhausen keine Rolle mehr zu spielen.“ Seine Einladung zu einer Fahrt nach Naumburg sei auf keine Resonanz gestoßen. An der Saale waren es vor allem junge Menschen um den heutigen Geschäftsführer Andreas Plehn , die sich für den Erhalt des Netzes einsetzten. 1994 gründeten sie das erste private Straßenbahnunternehmen in Deutschland – und das aktuell kleinste. Kurze Zeit später traf die erste sanierte und betriebsfähige Straßenbahn ein und nahm den Gelegenheitsverkehr auf.

Das Naumburger Modell könnte Vorbild für eine Mühlhäuser Straßenbahn sein.

Sven König von der Straßenverkehrsbehörde vertrat in der Runde die Stadtverwaltung. Diese habe „akutes Interesse“ an einer Straßenbahn, „weil sich die Bevölkerung dafür einsetzt“. Die Kosten, die man ermittelt habe, trügen „nur eine gewisse Verbindlichkeit“. Für die Errichtung einer Bahnlinie zwischen Aue und Bratwurstmuseum, das im Mai des kommenden Jahres öffnen will, sowie eine Halle zum Unterstellen der Bahn und der Hänger sowie einer kleinen Werkstatt rechnet die Verwaltung nach Aussage von König mit Kosten von 7,5 bis 8 Millionen Euro. „Die Kosten für Bau und Betrieb kann eine Stadt wie Mühlhausen nicht aus der Tasche hauen.“ Für eines der größten Probleme hält er es, dass eine Straßenbahn auf dem Weg zum Bahnhof an die Aue eine Bundesstraße queren muss. Dort seien täglich 40.000 Fahrzeuge unterwegs.

Adamaschek will nun die Eckpunkte eines Straßenbahnkonzepts erarbeiten und dann in die Fraktionen von Stadtrat und Kreistag tragen. Die sollen schließlich die entsprechenden Beschlussvorlagen für die beiden kommunalen Parlamente einbringen. Auch autark fahrende Bahnen, für deren Betrieb nicht ins Erdreich eingegriffen werden muss, hält er für möglich – auch angesichts der Bedingungen auf dem m Steinweg.

Auch Bernd Rehling kann der Idee einer Straßenbahn in Mühlhausen Positives abgewinnen, sagte er am Dienstagabend: „Unsere Hoteliers brauchen Möglichkeiten, die Gäste länger in der Stadt zu halten.“ Noch zwei Tagen hätten sie bisher – mehr oder weniger gründlich – die Sehenswürdigkeiten in der Stadt besucht.

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