Mühlhausen: Tango als das Leben

Mühlhausen  Engel und Teufel: Das Harfenduo Laura Oetzel und Daniel Mattelé musiziert in der altehrwürdigen Kirche Divi Blasii

Laura Oetzel und Daniel Mattelé boten auf ihren modernen Doppelpedalharfen einzigartige Einblicke in die Welt des argentinischen Tangos.

Laura Oetzel und Daniel Mattelé boten auf ihren modernen Doppelpedalharfen einzigartige Einblicke in die Welt des argentinischen Tangos.

Foto: Dieter Albrecht

Musik für zwei Harfen solo hört man selten; das Duo Laura Oetzel und Daniel Mattelé gehört zu den wenigen Musikern, die in dieser Besetzung öffentlich auftreten. Am frühen Sonntagabend waren sie in der Kirche Divi Blasii zu hören – mit einem Programm, das man in einer Kirche eher nicht vermuten würde: Tangos!

„Passt das zusammen, das Instrument der Engel und der leidenschaftlich-verruchte Tanz Südamerikas?“, fragen sie in ihrem Programmheft. Die Antwort der vielen Zuhörer dürfte sich mit der Meinung des Duos decken: „Es passt!“

Überhaupt dieses Programmheft: Ein Kompendium an ­Tango-Wissen, das man nach dem Konzert nicht wegwerfen, sondern zu Hause direkt neben das Lexikon stellen sollte! Es informiert allgemeinverständlich über die Sozialgeschichte und die musikalischen Eigenarten dieses außergewöhnlichen Tanzes ebenso wie über spezielle Spieltechniken, die man in diesem Konzert beobachten konnte. Dazu waren die wenigen, aber stets treffenden Zitate, die die beiden Musiker in ihr Programm einflochten, angesichts der miserablen Sprachverständlichkeit in der Kirche im Heft nachzulesen: Perfekt!

„Ángel y Diablo“ war das Konzert überschrieben – „Engel und Teufel“. Neben bekannten Namen wie Rodriguez und Piazzola tauchten weniger bekannte auf: Canaro, Pugliese, Demare, Castriota, Gardel. Da, von den historischen Anfängen abgesehen, Harfen im Tango eher selten eine Rolle spielten, dafür umso mehr Bandoneon und Gitarre, waren ausschließlich Bearbeitungen zu hören.

Laura Oetzel und Daniel Mettelé sind virtuose Könner. Gleichzeitig aber führten sie ihr Publikum mit außerordentlicher musikalischer Sensibilität in die emotionalen Untiefen dieses leidenschaftlichen südamerikanischen Tanzes. Besonders die beiden Zyklen Astor Piazzollas „Serie del Ángel“ und „Serie del Diablo“ in ihrer riesigen Spannweite von subtiler Innerlichkeit bis zu heftiger Hingabe machten deutlich, dass der Tango mehr ist als eben nur ein Tanz: Er ist das Leben selbst!

Die „teuflischen“ Tangos zum Schluss – ein Musiker wie Zuhörer herausforderndes Werk – waren der effektvolle Höhepunkt und verbanden reiche musikalische Substanz mit Ausdrucksmitteln der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts: Beim „Tango del Diablo“ mit seinen aufreizenden arpeggierten Clustern konnte einem das Blut in den Adern gefrieren, so auftrumpfend, verführerisch täuschend und kompromisslos zerstörerisch war der Eindruck auf den Hörer.

Den reichen Beifall quittierte das Duo mit dem rhythmisch wohl verzwicktesten aller Tangos – dem kraftvoll motorisch drängenden „Libertango“ von Piazzolla.

Zu den Kommentaren