Neue Therapien für Brustkrebs am Hufeland-Klinikum

Bad Langensalza  Drei Verfahren sollen die Diagnose, Behandlung und Nachsorge verbessern und die Belastung der Patientinnen mildern.

Oumar Camara ist Chefarzt an der Klinik für Gynäkologie und Frauenheilkunde in Bad Langensalza. Er will künftig neue Verfahren zur Krebstherapie anwenden. Foto: J. König

Oumar Camara ist Chefarzt an der Klinik für Gynäkologie und Frauenheilkunde in Bad Langensalza. Er will künftig neue Verfahren zur Krebstherapie anwenden. Foto: J. König

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Die Diagnose Brustkrebs ist für Frauen eine enorme psychische und physische Belastung. Zu den Brandmarken am eigenen Körper und der Angst, ob der Krebs besiegt werden kann, kommen mitunter Folgebeschwerden, die teilweise langwierig zu behandeln sind. Am Hufeland-Klinikum sollen ab sofort neue Diagnose- und Behandlungsmethoden Linderung verschaffen.

PD Dr. med. Oumar Camara ist Chefarzt an der Klinik für Gynäkologie und Frauenheilkunde am Standort Bad Langensalza. Er erklärt die Grundlagen der Krebsdiagnose: „Um herauszufinden, ob der Brustkrebs in die Armachsel gestreut hat, ist eine Markierung mit radioaktiven Markern nötig. Auch in geringer Dosis stellen diese radioaktiven Stoffe allerdings eine Belastung für den Körper dar, dessen Immunsystem durch die Erkrankung ohnehin geschwächt ist.“

Ab dieser Woche steht ein alternativer Weg zur Verfügung, diese Streuung zu erkennen. Der Fachbegriff dafür lautet Indocyaningrün-Fluoreszenznavigation. Den Patientinnen wird zwischen die Fingerknöchel ein fluoreszierender Farbstoff gespritzt. „Damit können wir feststellen, wie der Transport über die Lymphbahnen funktioniert. Nach wenigen Minuten sollte der Farbstoff die Schulter erreicht haben. Damit wird eine funktionelle Lymphödemdiagnostik vorgenommen. Die Wächter-Lmyphknoten werden sichtbar. Außerdem können schlecht durchblutete Bereiche während einer Operation erkannt werden “, erklärt Camara.

So können die Ärzte erkennen, wo es Verschlüsse gibt und ob Eingriffe wirklich nötig sind. Dies sei ein deutlicher Fortschritt zur bisherigen Therapie. Denn jahrzehntelang galt als Standard, dass während der Brust-OP neben dem Tumor möglichst viele Lymphknoten mit entfernt wurden, welche die Krebszellen eventuell mit befallen hatten. Das ist heute nicht mehr nötig. Bei der heute überwiegend angewandten Methode werden nur die Wächterknoten entfernt. Dabei sei das eigentliche Ziel, gar keine Lymphknoten entfernen zu müssen, sagt Oumar Camara.

Auch nach einer Brust-OP können Beschwerden auftreten. Eine dieser Komplikationen ist das Lymphödem. Dann staut sich die Gewebeflüssigkeit und kann nicht mehr abfließen. Am häufigsten treten Ödeme am Arm, den Beinen und am Unterleib auf. Die gängige Therapie sind Lymphdrainage und Kompressionsstrümpfe sowie Krankengymnastik.

Hier will das Hufeland-Klinikum ebenfalls neue Wege gehen. Wenn die konservative Behandlung ausgeschöpft ist, könnte überschüssiges Fettgewebe am Arm abgesaugt werden, um den Druck zu verringern. Das Ziel sei hier, das Volumen des kranken Arms an das des gesunden anzugleichen, erklärt Camara. Die Patientinnen werden entlastet, weil weniger Lymphdrainagen pro Woche nötig sind und sich die Schmerzen verringern.

Im Februar dieses Jahres reiste Oumar Camara mit zwei Mitarbeitern der OP-Abteilung und einer Physiotherapeutin nachSchweden, um dort diese Methode zu erlernen. Camara ist sich sicher, dass dies das Verfahren der Zukunft ist.

Auch im Bereich der Brust-Rekonstruktion soll künftig eine neue Methode zum Einsatz kommen – der Transfer von körpereigenem Fett. „Der Gewebeersatz durch Eigenfett hat sich in den vergangenen Jahren etabliert. Es bietet viele Möglichkeiten – vom Aufbau einer Brust nach einer OP, als Volumenersatz nach Entfernung von Implantaten bis hin zur kompletten Rekonstruktion“, so Camara.