Nur mit Zuzug kann Bad Langensalza dem Bevölkerungsrückgang begegnen

Bad Langensalza  Das Stadtentwicklungskonzept erklärt (2): Wie sich die Einwohnerzahl entwickelt und was die Planer daraus schlussfolgern.

Nicht immer ist es so leer in Bad Langensalza. Aber die Zahl der Einwohner wird weiter abnehmen.

Nicht immer ist es so leer in Bad Langensalza. Aber die Zahl der Einwohner wird weiter abnehmen.

Foto: Daniel Volkmann

Wie entwickelt sich die Einwohnerzahl in Bad Langensalza und welche Bevölkerungsstruktur wird es künftig in der Stadt geben? Diese Frage spielt eine zentrale Rolle im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek), das der Stadtrat beschlossen hat. Denn sie wirkt sich auf viele Bereiche aus, etwa auf den Wohnungsbau und die soziale Infrastruktur.

Grundsätzlich geht es der Kur- und Rosenstadt nicht anders als vielen anderen Kommunen. Seit 1994 – so weit reichen die Zahlen des Landesamts für Statistik zurück – sank die Einwohnerzahl Jahr für Jahr, mit wenigen Ausnahmen.

Vor 25 Jahren waren es 20.992 Bürgerinnen und Bürger, 2004 dann 18.814 und Ende 2018 noch 17.234. Das ist ein Rückgang um 3750. Im Schnitt verlor die Stadt pro Jahr also gut 150 Einwohner. Die Vorausberechnung der Statistiker geht von einem weiteren Rückgang bis 2036 aus. Dann sollen noch 15.531 Menschen in der Stadt leben.

Ein jährlicher Verlust von 100 Leuten

Rechnet man Geburten und Sterbefälle zusammen, ergibt sich in Bad Langensalza ein jährlicher Verlust von rund 100 Menschen. Dies und diejenigen, die von hier wegziehen, können durch Zuzüge nicht komplett ausgeglichen werden. Wobei zumindest seit 2014 der „Wanderungssaldo“ der Stadt positiv ist, also mehr Menschen kommen als gehen. Der Anteil von Ausländern an der Stadtbevölkerung liegt derzeit bei etwa 3,5 Prozent – ohne sie wäre laut dem Konzept auch der Wanderungssaldo weiter negativ.

Gleichzeitig wandelt sich die Altersstruktur in der Stadt: Die Zahl der über 65-jährigen steigt an. Sie machen mittlerweile ein Viertel der Bevölkerung aus und es wird noch mehr werden. Am stärksten vertreten sind in der Stadt jedoch die 40- bis 60-jährigen. Laut dem Konzept betrug der Altersschnitt in der Stadt 2016 exakt 45,9 Jahre. In 17 Jahren werden es laut der Prognose fast 48 Jahre sein.

Der Einwohnerrückgang, den die Statistiker voraus berechnet haben, betrifft laut dem Konzept auch alle Ortsteile, wenn auch unterschiedlich. Während Eckardtsleben demnach bis 2036 fast ein Viertel seiner Einwohner verlieren wird, sollen es in Nägelstedt nur sechs, in Aschara acht Prozent sein.

Familiengründer und Eigentumsbildner

Welche Schlüsse werden daraus im Isek gezogen? Eine Erkenntnis ist, dass die Stadt sich um „einen verstärkten Zuzug“ bemühen muss. Besonderes Augenmerk soll dabei auf „Familiengründer und Eigentumsbildner“ gelegt werden, womit 29 bis 40-jährige gemeint sind.

16- bis 27-jährige hingegen werden wohl weiter abwandern, vor allem zur Ausbildung. Möglichkeiten, Zuzug speziell in den Ortsteilen zu fördern, wären „die gezielte Lenkung von Zuwanderung durch ein besonderes Angebot an Bauland, die Unterstützung von Bestandssanierung in bestimmten Gebieten etc.“

Trotz abnehmender Bevölkerung stieg in den vergangenen Jahren die bebaute Siedlungs- und Verkehrsfläche in der Stadt an, ist eine weitere Erkenntnis des Konzepts. Das liegt daran, dass es viel Einfamilienhaus-Neubau gab, der viel Fläche verbraucht – so wurden 2016 zum Beispiel 68 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt.

Ebenso wächst die Zahl der Haushalte, insbesondere die, in denen nur eine Person lebt. Sie machen mehr als ein Drittel aller Haushalte aus, „ein sehr hoher Wert“, so die Planer. Und auch die genutzte Wohnfläche pro Kopf nimmt weiter zu.

9600 Wohnungen gibt es laut Isek in der Stadt. Der Wohnungsmarkt ist geprägt von Einfamilienhäusern im weiteren Sinne. Sie machen zwei Drittel des gesamten Bestandes aus, Mehrfamilienhäuser bis hin zum Geschosswohnungsbau dagegen weniger als ein Zehntel.

Entscheidend für die weitere Entwicklung werde es sein, „bedarfsgerechten Wohnraum in den gut erschlossenen Lagen anzubieten und vorzuhalten“, so ein Fazit des Konzepts.

Es nennt als Zielstellung den Neubau von 15 Ein- oder Zweifamilienhäusern im Jahr, den etappenweisen Rückbau von 160 Geschosswohnungen und in geringem Maß die Zusammenlegung von zwei Wohnungen zu einer.

Eigenheime gefragt, aber Bauplätze sind rar

Grund sei vor allem die Nachfrage nach Eigenheimbau und das schwindende Interesse am Wohnen im Plattenbau. Bauplätze in der Innenstadt seien jedoch nur noch wenige vorhanden, die Neubaugebiete gut ausgelastet. Potenzial gebe es momentan nur in Nägelstedt (gut 60 Plätze) und Wiegleben (20).

Ausdrücklich verweist das Isek auch auf den noch nicht beschlossenen Flächennutzungsplan (FNP), der unter anderem Flächen für Neubauten ausweist – auch die umstrittene in der Kleingartenanlage „Am Volkspark“. Ansonsten gebe es im Moment nur kleinteilige Innenentwicklungspotenziale, auch zur „Nachverdichtung“ , die im FNP auch detailliert aufgelistet sind.

Eben so steigen wird laut Isek der Bedarf an altersgerechten Wohnungen und entsprechender Infrastruktur, etwa der guten Anbindung an den Nahverkehr. Bereits jetzt wird ein Viertel aller Haushalte in der Kernstadt von Bad Langensalza von Senioren bewohnt, in Eckardtsleben sind es sogar 29 Prozent.

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