Präsident vom Thüringer HC beklagt mangelnde Wertschätzung

Erfurt. Weil trotz sportlicher Höchstleistungen die wirtschaftlichen Sorgen nicht kleiner werden, hofft Karsten Döring auf mehr Unterstützung durch die Politik

THC-Präsident Karsten Döring bei der emotionalen Verabschiedung von Torhüterin Maike März am vergangenen Sonntag. Foto: Mario Gentzel

Foto: zgt

Eigentlich könnte Karsten Döring ein glücklicher Präsident sein. In seiner 14-jährigen Amtszeit hat er es geschafft, eine Thüringer Mannschaft in der 1. Bundesliga zu etablieren. Unter seiner Führung stürmte der THC sogar an die deutsche Spitze, wurde in den letzten vier Spielzeiten viermal Meister und zweimal Pokalsieger. Außerdem mischte das Team zuletzt Handball-Europa so richtig auf.

Stolz ist der Klubchef auch - auf seine Spielerinnen, die Leitungsgremien des Vereins und die fleißige Schar an ehrenamtlichen Helfern, ohne die dieser Erfolg nicht möglich wäre. Doch Zufriedenheit verspürt Döring nicht: "Wir sind ja keine Eintagsfliege, sondern mittlerweile jemand, der für Thüringen in Europa wirbt. Doch mir fehlt die Wertschätzung vom Land", beklagt der THC-Präsident. "Ich hätte nie gedacht, dass es nach dem vierten Meistertitel in Folge noch genauso schwer ist, das Geld zusammenzukriegen."

Ein Sponsor (Osterland) hat sein Engagement trotz des sportlichen Höhenflugs beendet. Andere Partner kommen schon länger ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nach. Da sich die Außenstände mittlerweile auf einen sechsstelligen Betrag belaufen, wird der Verein in der nächsten Woche Klage einreichen. Ungeachtet aller finanziellen Sorgen überwies der THC jedoch stets pünktlich die Gehälter.

Um dauerhaft konkurrenzfähig zu sein, wünscht sich Döring mehr Unterstützung von der Po-litik. Im Hinblick auf die Investitionen im Wintersport und Fußball sei dies nur gerecht, findet der 54-Jährige. "Manchmal würde es auch schon helfen, wenn einem bestimmte Türen in der Wirtschaft geöffnet werden."

Ein weiteres Ärgernis stellt die Dauerdebatte um die Modernisierung der Salza-Halle dar. Die Projekt-Unterlagen würden seit Jahren bereitliegen. Getan hätte sich nichts. Dabei würde die Erweiterung, deren Kosten Döring auf drei bis fünf Millionen Euro schätzt, 60 Prozent höhere Zuschauereinnahmen generieren.

Kritik am DHB und Thüringer Verband

Einmal in Rage bekamen auch die Verbände ihr Fett weg: "Der Frauenhandball spielt im DHB allenfalls die dritte Geige. Entsprechend ist die Unterstützung. Und der Thüringer Handballverband verläuft sich in personellen Querelen, statt sich um die wichtigen Dinge zu kümmern", verweist Döring auf die umstrittene Besetzung des LandestrainerPostens mit Matthias Allonge für Wolfgang Mosebach.

Während ihrem Präsidenten demnach so manches quer liegt, machen die THC-Spielerinnen noch bis Freitag den Ballermann unsicher. Weil der Großteil der Mannschaft direkt nach dem Saisonfinale am Samstag, 16 Uhr, in Leipzig zu den jeweiligen Nationalteams reist, sei kein anderer Termin für die Abschluss-Sause zu finden gewesen, sagt Herbert Müller: "Und ich denke, nach 61:1 Punkten haben sich dies die Mädels mehr als verdient."

Obwohl der THC alles versuchen wird, ungeschlagen die Saison zu beendeten, deklarierte der Trainer die Partie "zum unwichtigsten Spiel des Jahres". Anders als der Gegner, der kurzerhand den ‚Supercup‘ zwischen Pokalsieger und Meister ausrief. THC-Präsident Döring findet es übertrieben: "Der Abstand zwischen uns und dem HCL ist derzeit so groß wie noch nie." Etwa 400 Fans wollen dies vor Ort live erleben. Auswärtsrekord!

Samstag, 16 Uhr: HC Leipzig - Thüringer HC; Arena Leipzig, Am Sportforum 2

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