Spektakuläre Reise eines Windrads durch Thüringen

Ammern  Am Mittwoch startet der erste Spezialtransport von drei Transporten eines Windrads durch den Unstrut-Hainich-Kreis. Probleme bereiteten die Engstelle in Ammern und die Serpentine bei Schröterode.

Am Mittwochnachmittag startete der Spezialtransport mit dem ersten Flügel an der Langen Mark zwischen der Lengefelder Warte und Ammern. 15 Tonnen schwer ist der Flügel, der auf einem selbstfahrenden Transporter mit zehn Achsen bewegt wird.

Am Mittwochnachmittag startete der Spezialtransport mit dem ersten Flügel an der Langen Mark zwischen der Lengefelder Warte und Ammern. 15 Tonnen schwer ist der Flügel, der auf einem selbstfahrenden Transporter mit zehn Achsen bewegt wird.

Foto: Alexander Volkmann

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Nachmittag bei spätsommerlichen Temperaturen auf der Terrasse und fünfzehn Meter über Ihnen schwebt die rot gestreifte graue Flügelspitze eines extrem großen Windrades. So dürfte es am Mittwoch einigen Menschen in Ammern gegangen sein, die überrascht gen Himmel blickten. Andere hatten von dem Schwerlasttransport erfahren und sich mit Handys an der Kreuzung in Ammern in Richtung Reiser postiert – dem vermutlichen Nadelöhr der spektakulären Reise.

Es gleicht einer logistischen Meisterleistung, die da auf die Beine gestellt wurde, um demnächst zwei neue Windkraftanlagen im Windpark bei Keula zu errichten. In der Nacht zu Mittwoch, gegen drei Uhr, waren die ersten drei Flügel über die A38 bei Leinefelde an der Umladestelle an der Langen Mark bei Dachrieden angekommen.

Den Vormittag über hatten etwa 20 Mitarbeiter des Transportunternehmens Schwandner aus Bayern und des Herstellers Vestas einen Flügel auf den sogenannten Bladelifter umgeladen – mit zwei Schwerlast-Kränen, denn so ein Flügel bringt 15 Tonnen auf die Waage.

An einer Halterung auf dem zehnachsigen Bladelifter wird der Flügel befestigt, der mit der Maschine bei Bedarf bis zu 60 Grad nach oben geschwenkt oder um die eigene Achse gedreht werden kann, wie Transportleiter Manuel Deistler erklärt, der den Bladelifter mit einer Fernbedienung steuert. So sei es möglich gewesen, den etwa 74 Meter langen Flügel durch die Engstelle in Ammern zu manövrieren – zwischen Ampeln hindurch, über Hausdächer, an parkenden Autos und Bäumen vorbei.

„Mit einem normalen Transport hätten auch Bäume gefällt und mehr Verkehrsanlagen abgebaut werden müssen“, ist Transportchef Deistler sicher.

Ein Windradflügel geht auf Reisen
Ein Windradflügel geht auf Reisen

Um 13.50 Uhr hatte sich der Konvoi an der Langen Mark in Bewegung gesetzt und passierte unter den Augen von Zeitmanager Sten Riedel von Vestas Ammern, den Bahnübergang bei Reiser und rollte dann mit bis zu 15 Stundenkilometern Richtung Windeberg und Keula. Die Serpentine bei Schröterode war ebenfalls noch etwas knifflig. Aber Manuel Deistler und seine Kollegen haben Routine mit dem 530 PS starken Gefährt. Seit 2015 sind sie mit der Maschine europaweit im Einsatz. Etwa dreieinhalb Stunden später erreichten sie den Windpark.

Am Donnerstag- und Freitagvormittag werden die anderen beiden Flügel auf die gleiche Weise transportiert. Drei weitere Transporte sind für Anfang kommender Woche geplant. Die Flügel müssen aufgrund der Technik und der notwendigen Sicht tagsüber transportiert werden, erklärt Deistler.

Die Flügel wurden jeweils auf einem Laster mit Teleskop-Anhänger von Cuxhaven über die A2, A14 und A38 bis zur Abfahrt Leinefelde transportiert. Von Dachrieden aus fährt der Flügel-Spezial-Transport dann die 17 Kilometer bis nach Keula.

„Wir wollen den Straßenverkehr so wenig wie möglich behindern“, sagt Deistler und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Verkehrsbehörde des Kreises. Trotzdem kam es zeitweise zu Behinderungen.

Weitere Transporte führen voraussichtlich am 17. und 18. September nachts durch Mühlhausen. Dann werden die Stahlteile für die Türme der Windräder angeliefert, die weniger lang aber schwerer sind. Die neue Generation von Windrädern, die V 150, hat einen Rotordurchmesser von 150 Meter und liefert eine Leistung von 4,2 Megawatt. Die Gesamthöhe beträgt stattliche 241 Meter.

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