Spitzensportler auf vier Pfoten und Trainer starten bei Deutscher Meisterschaft

Lengefeld  Zum ersten Mal fahren der Lengefelder Jürgen Peter und sein Schäferhund Ass zum Bundeswettbewerb. Fährtensuche ist Spezialgebiet des Teams.

Jürgen Peter und Schäferhund-Rüde Ass starten ab Freitag bei der Deutschen Meisterschaft, genannt Bundessiegerprüfung, in Halle.

Jürgen Peter und Schäferhund-Rüde Ass starten ab Freitag bei der Deutschen Meisterschaft, genannt Bundessiegerprüfung, in Halle.

Foto: Alexander Volkmann

Jürgen Peter aus Lengefeld in der Gemeinde Anrode und sein Schäferhund-Rüde sind ein eingespieltes Team. Ass ist ein Spitzensportler auf vier Pfoten und der 58-jährige Lengefelder dessen Trainer.

Am Wochenende treten beide zur Bundessiegerprüfung an, der Deutschen Meisterschaft im Hundesport. 100 Teams aus ganz Deutschland werden dazu in Halle erwartet. Nur vier Schäferhunde aus Thüringen haben sich Ende August bei der Landesmeisterschaft in Nordhausen qualifiziert; so wie Jürgen Peter und sein fünf Jahre alter Rüde, der eigentlich Diego von der Burg Gemen heißt.

Ab Freitag müssen sich der Lengefelder und sein Hund drei Tage lang in den Disziplinen Fährtentechnik, Unterordnung und Schutzdienst gegen ihre Konkurrenz behaupten.

Training im Urlaub und bei lauter Musik

Die Vorbereitungen auf den Wettbewerb waren intensiv. Selbst im Urlaub an der Müritz, aus dem Jürgen Peter und seine Frau Roswitha gerade zurück kamen, nutzten sie jede Gelegenheit für das Training.

Ass sei zwar solide ausgebildet, erklärt der Hundehalter, doch bei den Wettbewerben spielen auch viele andere äußere Einflüsse eine Rolle. So trainiert Jürgen Peter mit Ass auch bei lauter Musik und zwischen parkenden Autos und gewöhnt den Hund an Publikum – wie jüngst bei einer Vorführung zum Kinderfest in Lengefeld.

„Der Hund ist keine Maschine, fühlt sich auch mal unwohl oder hat einen schlechten Tag“, sagt der Lengefelder. Die Landesmeisterschaften beispielsweise fanden bei 34 Grad im Schatten statt. Da ist eine gute Kondition des Hundes wichtig, weshalb das Futter proteinreicher wird. Das Training sei arbeitsintensiv. Drei bis vier Mal pro Woche ist Jürgen Peter mit Ass unterwegs, bei Regen, Wind oder sengender Hitze.

In Halle wartet noch eine Besonderheit auf das Team, das sowohl von Ehefrau Roswitha, wie den Trainingsfreunden Evi und Daniel Männecke begleitet wird. Einige Wettbewerbe finden nämlich auf Kunstrasen statt. Und an den ist Ass nicht gewöhnt. „Wenn ich bei Sportvereinen frage, ob ich mit dem Hund auf dem Trainingsplatz üben darf, schlagen die die Hände über dem Kopf zusammen“, meint Jürgen Peter. Er hat trotzdem ein Übungsgelände gefunden, um Ass an den unbekannten Untergrund zu gewöhnen.

Für das Erkunden des Wettbewerbsgeländes in Halle dagegen bleiben jedem Team am Donnerstag nur vier Minuten Zeit. Am Abend wird die Startreihenfolge ausgelost, Freitag ab 6.40 Uhr geht es los.

Das Steckenpferd von Ass und seinem Trainer ist die Fährtensuche. Am Wochenende sieht das dann wohl so aus: Ein Fährtenleger schreitet vor dem Wettbewerb eine Strecke von etwa 400 Meter ab und legt dabei an drei Stellen kleine, sechs mal 1,5 Zentimeter große Gegenstände ab. Erst eine Stunde später legt der Hund los, muss exakt der Fährte folgen und die Objekte aus Holz, Filz und Leder aufspüren. Seinen Hund hält Jürgen Peter dabei an einer zehn Meter langen Leine.

Punktabzug gibt es unter anderem, wenn der Hund seine beiden Pfoten nicht genau rechts und links neben dem Gegenstand ablegt oder von der Fährte abweicht. Das Gelände: ein Acker. Je nachdem, wie das Wetter wird, könnten Regen oder Wind die Suche erschweren. „Hunde sind bekannt für ihre gute Nase, die tausend Mal besser als die der Menschen ist“, weiß Jürgen Peter. Schon 1974, da war er erst 13 Jahre alt, nahm er an der DDR-Jugendmeisterschaft teil. So lange hat Peter schon Schäferhunde, er ist Mitglied der Ortsgruppe Berlingerode (Eichsfeld) im Verein für Deutsche Schäferhunde. Landesmeisterschaften sind ihm nicht neu, aber der Wettkampf jetzt sei eine andere Liga. Mehr als 6000 Besucher werden in Halle erwartet.

Jürgen Peter weiß, was es bedeutet, einen Hund zu besitzen. „Das Tier will beschäftigt werden, seinen Trieb befriedigen.“ Nicht selten seien Hundebesitzer damit überfordert. Davon profitierten im günstigen Fall Hundeschulen. Oft bekämen aber Tierheime die Folgen zu spüren. Jürgen Peter ist deshalb für eine Art Führerschein für Hundehalter. Außerdem könne dabei ein Wesenstest bei den Hunden deren Sozialverhalten überprüfen.

Welchen Platz das Team am Wochenende belegt, wird sich am Sonntagabend bei der Siegerehrung zeigen. Jürgen Peter hofft auf einen vorderen Platz in Halle neben mehrfachen Deutschen und Weltmeistern. „Für mich ist das deshalb wie Olympia; dabei sein ist alles.“ Für Schäferhund Ass sei das Bällchen die schönste Belohnung.

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