Taxifahrer im Unstrut-Hainich-Kreis zwischen Frust und Fahrfreude

Unstrut-Hainich-Kreis.  Taxi-Firmen kämpfen im Unstrut-Hainich-Kreis mit Fachkräftemangel, hohen Kosten und Kundenrückgang.

Christian Schneider betreibt gemeinsam mit seinem Vater die Firma UH-Salza-Taxi in Bad Langensalza.

Christian Schneider betreibt gemeinsam mit seinem Vater die Firma UH-Salza-Taxi in Bad Langensalza.

Foto: Daniel Volkmann

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„Es gibt Tage, da will ich den Bettel hinschmeißen. Aber der Job macht mir Freude. Taxifahren ist mehr, als nur Leute von A nach B zu bringen“, sagt Jörg Lange. Er ist Vorsitzender der Taxigenossenschaft Mühlhausen, zu der sich fünf Taxifirmen zusammengeschlossen haben. Er spricht aus, was einige seiner Kollegen in Abwandlungen wiederholen.

Viele Taxiunternehmen stehen zwischen Baum und Borke. Sie leiden unter hohen Spritpreisen, strengen rechtlichen Vorgaben, Fachkräftemangel und ausbleibender Kundschaft – schwierige Verhältnisse für jeden Wirtschaftsbetrieb. Zugleich sind Taxis Teil des öffentlichen Personennahverkehrs, doch finanzielle Unterstützung vom Staat gibt es nicht.

Festpreise für Diesel und Sprit?

Christian Schneider, Inhaber der UH-Salza-Taxi GmbH in Bad Langensalza, nennt ein Beispiel: „Mal angenommen, ich will mir Elektrofahrzeuge zulegen. Dann ist das mein eigenes unternehmerisches Risiko. Es gibt keine Fördertöpfe.“ Elektrobusse hingegen fördert das Bundesumweltministerium zuletzt mit 300 Millionen Euro.

In unregelmäßigen Abständen werde auch über die Subventionierung der Spritpreise für Taxifirmen diskutiert. Wenn diese den Festpreis von 1 Euro pro Liter Diesel zahlen müssten, wäre viel erreicht, meint Christian Schneider. Doch geschehen ist bisher nichts.

Kurz vor Weihnachten brachte Martin Kammer, Hauptgeschäftsführer des Thüringer Landesverbandes des Verkehrsgewerbes, höhere Taxipreise ins Gespräch (diese Zeitung am 21. Dezember). Ab Januar in Nordhausen, weitere Anpassungen könnten folgen. „Fast überall sind wir an der Grenze zur Unwirtschaftlichkeit, manche bangen um ihre Existenz“, sagte er.

Der aktuelle Taxitarif im Unstrut-Hainich-Kreis

Das Entgelt ergibt sich aus Mindestfahrpreis, Kilometerpreis pro Fahrt, gegebenenfalls Anfahrtsgebühr und Zuschlägen.

  • Mindestfahrpreis: 4,30 Euro
  • Kilometerpreis: 2,70 Euro für den ersten und zweiten Kilometer
  • Danach von Montag bis Samstag zwischen 6 und 22 Uhr 2,40 Euro pro Kilometer; nachts sowie an Feiertagen 2,60 Euro pro Kilometer
  • Anfahrtsgebühr pro Kilometer von Montag bis Samstag zwischen 6 und 22 Uhr: 2,40 Euro;
  • am Wochenende und an Feiertagen 2,60 Euro
  • Zuschläge für Großraumtaxen ab vier Fahrgästen (8,20 Euro pro Fahrt), Wartezeit (35 Euro pro Stunde)

Quelle: Verordnung über Beförderungsentgelte für den Verkehr mit Taxen im UH-Kreis in der gültigen Fassung von 2018

Taxipreise im Unstrut-Hainich-Kreis sollen nicht steigen

Die Taxipreise können die Betriebe nicht frei gestalten. Es gilt die Tarifordnung, festgelegt von Städten und Landkreisen. Die Taxibetriebe können Bedarf für Preiserhöhungen anmelden. Eine Erhöhung in diesem Jahr im Unstrut-Hainich-Kreis sieht Jörg Lange derzeit nicht. Erst 2018 habe es die letzte Anpassung gegeben.

Zudem würden Erhöhungen die Spirale verstärken. Es würden noch weniger Kunden das klassische Taxi nutzen. „Schon jetzt gucken viele Fahrgäste verwundert auf das Taxameter. Noch bevor sie eingestiegen sind, stehen dort 5 Euro auf der Uhr. Bei uns sind 80 Prozent der Fahrten mittlerweile Krankentransporte“, erklärt Volkmar Löser. Vor fünf Jahren machte er sich mit seiner Lebensgefährtin in Bad Langensalza selbstständig.

Seine Aussagen bestätigen Christian Schneider und Jörg Lange. Das Bargeldgeschäft sei drastisch geschrumpft. Ohne die Beförderung von Patienten oder die Schülerbeförderung könnten die Taxifirmen nicht existieren. Christian Schneiders Firma übernimmt abends als Sub-Unternehmer der Regionalbusgesellschaft Linienfahrten.

Nächtliche Taxifahrt vorbestellen

Wer nachts im Unstrut-Hainich-Kreis spontan ein Taxi braucht, muss Glück haben. Selbst wenn es genügend Personal gäbe, würde sich eine 24-Stunden-Bereitschaft sieben Tage die Woche nicht rentieren, sagen die Firmen. Selten gehe unter der Woche abends oder nachts ein Anruf ein – egal ob aus Mühlhausen, Bad Langensalza oder den Dörfern. An Wochenenden sehe es noch etwas besser aus. Vorbestellungen seien aber kein Problem. Wer wenigstens einen Tag vorher weiß, dass er nachts ein Taxi brauche, bekomme auch eins.

Trotz der widrigen Umstände klingt bei manchen die Freude am Job durch. „Ich bin mit Rädern groß geworden. Mit fünf Jahren bin ich schon Trecker gefahren, später in der LPG. Dann war ich Baggerfahrer und im Fernverkehr unterwegs“, berichtet Volkmar Löser. Jörg Lange sagt, Taxifahrer seien auch ein Stück Seelsorger, die die Lebens- und Leidensgeschichten viele ihrer Fahrgäste kennen.

Der aktuelle Taxi-Tarif im Unstrut-Hainich-Kreis

Das Entgelt ergibt sich aus Mindestfahrpreis, Kilometerpreis pro Fahrt, gegebenenfalls Anfahrtsgebühr und Zuschlägen.

Mindestfahrpreis: 4,30 Euro

Kilometerpreis: 2,70 Euro für den ersten und zweiten Kilometer

Danach von Montag bis Samstag zwischen 6 und 22 Uhr 2,40 Euro pro Kilometer; nachts sowie an Feiertagen 2,60 Euro pro Kilometer

Anfahrtsgebühr pro Kilometer von Montag bis Samstag zwischen 6 und 22 Uhr: 2,40 Euro; am Wochenende und an Feiertagen 2,60 Euro

Zuschläge für Großraumtaxen ab vier Fahrgästen (8,20 Euro pro Fahrt), Wartezeit (35 Euro pro Stunde)

Quelle: Verordnung über Beförderungsentgelte für den Verkehr mit Taxen im UH-Kreis in der gültigen Fassung von 2018

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