THC-Handballerin Lýdia Jakubisová: Das Kreuz mit dem Kreuzband

Erfurt  Erfurt. Mehr Pech gibt‘s kaum. Drei schwere Verletzungen in vier Jahren, und wieder das Knie. THC-Handballerin Lýdia Jakubisová denkt aber nicht ans Aufgeben

Unsanft gefallen ist Lýdia Jakubisová in ihre Laufbahn mehrfach, aber immer wieder aufgestanden. Sie sei eine Kämpferin, sagt sie. Archiv-Foto: Marco Kneise

Unsanft gefallen ist Lýdia Jakubisová in ihre Laufbahn mehrfach, aber immer wieder aufgestanden. Sie sei eine Kämpferin, sagt sie. Archiv-Foto: Marco Kneise

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Warum schon wieder? Wieso nur ich? Lýdia Jakubisová hat sich solche Fragen gestellt. Vielleicht erst am Sonntag wieder. Auch wenn das Knie abgeschwollen war, fieberte die Slowakin mit. Dass ihr Thüringer HC beim 27:27 gegen Fleury Loiret einen Punkt holte, freute sie auf der einen Seite. Dass ein Tick mehr drin gewesen war, schmerzte auf der anderen. Wie immer seit dem schicksalhaften Samstag in Oldenburg wäre sie gern selbst tätig geworden. Doch ist die Außenspielerin an die Zuschauerrolle gebunden. Wieder hat sie das Verletzungspech eingeholt.

„Gesund bleiben, dann kommt der Erfolg von allein.“ Was ihr Lebensmotto darstellt, daran ist momentan gar nicht so einfach festzuhalten. Gerade erst war sie wieder in Form und ist vom dritten Kreuzbandriss zurückgeworfen worden. Die Saison, sie ist für die aus Bojnice stammende Handballerin Geschichte. Am Dienstag wurde sie operiert. Eine Rückkehr aufs Feld ist frühestens im Juni nächsten Jahres zu erwarten. „Der Arzt sagt acht, neun Monate Pause“, erklärt Jakubisová und fügt an: „Das ist schon ein bisschen hart.“

Traurigkeit liegt in ihrer Stimme, Ehrgeiz ebenso, aber auch Ungewissheit: Es ist ihre dritte Knieverletzung dieser schweren Art in vier Jahren. 2011 – damals im Nationalmannschaftstrikot der Slowakei gegen Brasilien – riss das Kreuzband erstmals im linken Knie, 2013 in Blomberg im rechten und am 19. September in Oldenburg nun wieder links. Erneut war sie nach dem Sprung weggeknickt. Doch diesmal ist es nicht dasselbe wie vor vier Jahren. Die Behandlung ist komplizierter. Statt aus der Oberschenkelsehne wie bisher wurden Teile der Patellasehne eingesetzt. Der Heilungsverlauf hänge auch ein wenig mit dem Alter zusammen, denkt Lýdia Jakubisová. Vor neun Tagen ist sie 34 geworden. Sie muss sich vom Pech verfolgt fühlen.

Die an die Psyche belastende Frage nach dem Warum hat sie sich in schlaflosen Nächten gestellt. „Aber man darf gar nicht darüber nachdenken“, sagt die im Leben stehende Frau. Sie kann gar nicht anders. Sie ist Mutter einer Tochter (Liliana/9 Jahre). Seit Wochen denkt sie nach vorn: „Ich versuche wieder fit zu werden. Ich bin von der Einstellung ohnehin ein Kämpfer.“

Dass das Kreuzband zweimal reißt, ist für einen Sportler dramatisch. Dass es dreimal reißt, ist an Tragik schwer zu übertreffen. Und das nicht nur für Lýdia Jakubisová selbst; auch für den deutschen Meister. Gerade auf Rechtsaußen fehlt eine Wechsel-Option. Umso mehr dann, wenn Svenja Huber mit ihren Würfen mal keinen Erfolg hat.

Auf ihr lastet nun die gesamte Verantwortung. „Aber sie kann das“, glaubt die Slowakin an die Teamgefährtin, die heute runde 30 wird (Glückwunsch). „Es ist tragisch und für sie deutlich schlimmer als für uns“, sagte Svenja Huber kürzlich.

Wie die gesamte Mannschaft leidet auch sie mit „Nemo“ mit. Den Spitznamen aus dem Animationsfilm hat sich Lýdia Jakubisová gegeben, nachdem sie vor Jahren während einer Länderspieltour in Ungarn von der slowakischen Nationalmannschaft vergessen worden ist. Sie sei nach dem Essen kurz auf Toilette gewesen, da war der Bus bereits fort. Mit Freundin Zuzana Porvaznikova, die sich dann mit der Truppe auf die Suche nach der verschollenen Gefährtin ge­macht haben und auch wieder fanden.

In den Reihen wollte auch der THC die Linkshänderin wieder haben. Als Frohnatur, wie sie ist, und vor allem auch als Spielerin. „Sie hat etwas, was keine andere hat. Es gibt bestimmte Formen, die spielst du nur mit ´Nemo´. Trainer Herbert Müller schätzt ihr Können und vor allem das Auge, mit dem sie Lücken erkennt. Als Teamspielerin ist der Verlust umso größer. Gerade in einem Jahr, in dem der THC so viel Verletzungspech wie in mehreren zusammen zu haben scheint.

Nach der in dem Fall wenigstens frohen Kunde, dass Lucia Hruscakova ein Baby erwartet und vorläufig keinen Handball mehr spielt, folgte am Mittwoch ein weiterer Rückschlag. Durch einen ausgekugelten Daumen der Wurfhand fällt mit Anouk van de Wiel die siebte Spielerin aus. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Müller und flüchtet sich in Galgenhumor: „So, das war‘s jetzt. Es kann eh nichts mehr kommen. Wie erklären 2016 zum verletzungsfreien Jahr.“

Doch hart wird zunächst dieses Kalenderjahr mit den vollen Wochen bis Ende November. Dass ihr THC der Verletzungsmisere trotzt, davon ist Lýdia Jakubisová überzeugt. Sie glaubt an die Truppe. „Auch wenn wir mal mit sechs Toren hinten liegen. Wir geben nie auf“, weiß sie.

Sie selbst zeichnet das aus.

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