Überraschungsfund in Mühlhausen

Mühlhausen  Museumspädagogin Steffi Maass bewirbt sich mit der Idee einer Gedenktafel für den Künstler um das „Bürgerprojekt 2019“

Museumspädagogin Steffi Maass (rechts) und der Fachreferent Kunst, Friedrich Staemmler, stehen neben der Vitrine mit dem Gipsabguss.

Museumspädagogin Steffi Maass (rechts) und der Fachreferent Kunst, Friedrich Staemmler, stehen neben der Vitrine mit dem Gipsabguss.

Foto: Heidi Zengerling

Im Zuge von Sortierungs- und Aufräumarbeiten im Außendepot der Mühlhäuser Museen, die aufgrund des Umzugs in das sanierte Depot mit erweiterten Möglichkeiten notwendig waren, entdeckte Museumspädagogin Steffi Maass von den Mühlhäuser Museen eine Holzkiste, die ihr in Bezug auf den Mühlhäuser Maler Carl Gottfried Pfannschmidt intuitiv interessant erschien.

Schließlich wurden die Nägel der Holzkiste gelöst. Zum Vorschein kam – zwischen Stroh gelagert – ein originaler Gipsabguss mit dem Brustbild Pfannschmidts. Er ist in einem hervorragenden Zustand und ermöglicht eine Reproduktion einer Tafel, die fünf Jahre nach dem Tod des Malers auf Anregung kunstinteressierter Bürger, wie des Diakonus Clüver oder des Rektors Knauth an dessen Geburtshaus in der Linsenstraße 30 angebracht worden war.

Wiedersehen mit einem Verschollenen

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges befand sich die Tafel an besagter Hauswand. Über den weiteren Verbleib gibt es keine Informationen, sie gilt als verschollen. Möglicherweise wurde sie eingeschmolzen.

Dieter Fechner hatte sich vor Jahren in seiner Publikation „Mühlhäuser Denkmäler, Gedenksteine, und -tafeln (erschienen im Verlag Rockstuhl) mit dieser Tafel beschäftigt. Die Inschrift im Abguss zeigte das Jahr 1892 sowie die Signatur F.R. Pfannschmidt mit den Buchstaben FEC (lateinisch für: hat gemacht).

Der wiederentdeckte Abguss ist in der aktuellen Sonderausstellung „Diener der Schönheit“ zum 200. Geburtstag Carl Gottfried Pfannschmidts noch bis zum 15. Dezember im Kulturhistorischen Museum zu bestaunen. Er zeigt das Brustbild Pfannschmidts, vermutlich nach einem historischen Foto geschaffen. Das Relief präsentiert den Künstler im Stil eines Nazareners mit wallendem Bart sowie einem Herrenanzug, bestehend aus Sakko, Weste und Hemd.

Sein Markenzeichen, die „Raffaelkappe“, wurde ebenfalls vom Schöpfer des Abgusses, dem 7. Kind Carl Gottfrieds, Friedrich J. Pfannschmidt, eingearbeitet. Bekannt ist der Bildhauer Friedrich Johannes Pfannschmidt durch sein in der Divi-BlasiiKirche befindliches Lutherstandbild. Im Jahresheft 42 der Mühlhäuser Beiträge wird es dazu eine Abfassung des Fachreferenten Kunst, Friedrich Staemmler, geben.

Das Gipsmedaillon kann als ein Überraschungsfund bezeichnet werden. Es ist nun möglich, diesen berühmten Sohn der Stadt wieder ins Gedächtnis zu rufen und Touristen einen Hinweis auf die Herkunft des Künstlers zu geben. Um der Idee einer Tafel am Geburtshaus Pfannschmidts zur Umsetzung zu verhelfen hat Steffi Maass sämtliche Unterlagen bei der Stadtverwaltung eingereicht und sich für das Bürgerprojekt 2019 beworben, welches zum zweiten Mal ausgeschrieben wurde. Sieben Projekte wurden eingereicht, darunter die Änderung von Straßennamen, ein Faltblatt für Still- und Wickelorte innerhalb Mühlhausens oder ein Memoryspiel. Nun bleibt zu hoffen, dass die Jury den Vorschlag der Museumspädagogin für interessant und umsetzungswürdig befindet. Am Dienstag 15. Oktober wird in der Jurysitzung darüber befunden und die Entscheidung gefällt. Angedacht ist, einen Künstler zu beauftragen, der die Gestaltung einer möglichen Tafel modern umsetzt.

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