Erste Trauung in den Baumwipfeln des Hainichs

Hainich  Erstmals gibt es eine freie Trauung auf dem Baumkronenpfad im Hainich. Katharina und Michael Holzheu aus Eckardtsleben besiegeln den Bund fürs Leben gleich dreifach.

Katharina und Michael Holzheu heirateten am Samstag vor rund 50 Gästen auf dem Baumkronenpfad. Die freie Zeremonie, die neuerdings im Hainich möglich ist, folgte ihrer standesamtlichen und der kirchlichen Trauung.

Katharina und Michael Holzheu heirateten am Samstag vor rund 50 Gästen auf dem Baumkronenpfad. Die freie Zeremonie, die neuerdings im Hainich möglich ist, folgte ihrer standesamtlichen und der kirchlichen Trauung.

Foto: Klaus Wuggazer (4)

Kaum irgendwo kann man im Unstrut-Hainich-Kreis dem Himmel näher sein als im Hainich. Jetzt ist auf dem Baumkronenpfad, sogar der siebte Himmel zu finden: Am Samstag gab es über den Buchenwipfeln erstmals eine Trauung. Katharina und Michael Holzheu schlossen den Bund fürs Leben. Wo sich sonst Besucher auf einer der Plattformen über den „wilden Wald“ informieren können, warteten diesmal festlich weiß eingehüllte Stühle und Sitzbänke, Stehtische, Sekt und Luftballons auf die rund 50-köpfige Hochzeitsgesellschaft.

Das Brautpaar, das in Eckardtsleben wohnt – sie ist eine gebürtige Beck und stammt aus Bad Langensalza, er aus Erfurt – heiratete auf dem Baumkronenpfad, kurioserweise zum dritten Mal: Am Vormittag hatten sich die beiden schon in der katholischen Kirche St. Marien in Bad Langensalza das Ja-Wort gegeben, vorletzten Freitag gab es die standesamtliche Zeremonie im Friederikenschlösschen.

Dass dann noch eine freie Trauung dazu kam, daran ist auch die städtische KTL als Betreiber des Höhenpfads schuld. Sie bietet neuerdings an, die Plattform für Hochzeiten zu mieten. „Für nächstes Jahr haben wir schon drei Anmeldungen“, sagte Betriebsleiter Michael Zilling.

Als man gehört habe, dass ein frisch vermähltes Paar im Forsthaus Thiemsburg feiern wolle, habe man kurzerhand Kontakt aufgenommen und die Premiere auf dieses Jahr vorgezogen, auch aus Werbegründen – sogar ein Filmteam hielt die Trauung am Samstag fest. Eva Maria Albrecht aus Erfurt hielt die Zeremonie ab. Die freie Traurednerin hat schon hunderte solcher Feiern gestaltet, die bis hin zur Rede sehr persönlich auf die Brautleute zugeschnitten sind.

Vor etwa acht Jahren sei sie als Hochzeitsplanerin auf diesen Trend aufmerksam geworden und habe sich darauf spezialisiert. Freie Traungen seien festlich, aber weit weniger förmlich als Standesamts-Zeremonien. Die Kirche sei für viele Heiratswillige keine Option. Darum gebe es immer mehr solcher freier Rituale, die im Prinzip an jedem denkbaren Ort stattfinden können

Sie nehme sich auch sehr viel Zeit mit den Brautleuten, um ihre Rede sehr persönlich zu gestalten zu können, sagte Albrecht, die inzwischen drei weitere Tauredner beschäftigt und in den letzten Jahren zunehmend Konkurrenz registriert.

Aber auch die Standesämter werden flexibler: In der und um die Vogtei kann man schon länger staatlich heiraten im Palumpaland am Stausee, am Opfermoor, auf einer Insel am Siebenmühlenbach nahe der Marktmühle Oberdorla oder in der Schauschmiede Zilling in Kammerforst. In Schlotheim werden neuerdings Trauungen im Schlosspark angeboten; und in Mühlhausen seit dem Frühjahr auch im Rathaus-Festsaal, der Ratskanzlei und auf dem Syndikatshof.

Dennoch sinkt die Zahl der Eheschließungen: 2018 gaben sich 456 Paare im Landkreis das Ja-Wort vor dem Standesbeamten, weniger waren es wie zuletzt 2006 (431). Die meisten Hochzeiten in den vergangenen 20 Jahren – 548 – gab es 2016.

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