Verbauter Charme: Ein Rundgang durch das Schloss von Ballhausen

Kleinballhausen (Unstrut-Hainich-Kreis). Ein vernachlässigter Schatz in traumhafter Lage: Das einst prächtige Rittergut wurde zu DDR-Zeiten ruiniert. Fördermittel zur Renovierung des Gebäudes immer abgelehnt.

So sah das Anwesen in Kleinballhausen früher aus. Heute stehen nur noch die Seitenflügel des Gebäudes. Der Mittelteil verfiel mit der Zeit und wurde ersetzt. Foto: Gemeinde.

So sah das Anwesen in Kleinballhausen früher aus. Heute stehen nur noch die Seitenflügel des Gebäudes. Der Mittelteil verfiel mit der Zeit und wurde ersetzt. Foto: Gemeinde.

Foto: zgt

"Wie ruiniert man ein historisches Gebäude? Kommen Sie nach Ballhausen und schauen Sie es sich an", sagt Uwe-Karsten Saalfeld nur halb im Scherz. Der Bürgermeister von Ballhausen steht in einem der Treppenhäuser des Schlosses im Ortsteil Kleinballhausen. In dem Flur erinnert nichts mehr an die Pracht des ehemaligen Rittergutes. Statt knarrender Holztreppen und schmiedeeiserner Handläufe dominiert der Charme eines DDR-Plattenbaus.

Die weiten Räume des Anwesens sind in sozialistischen Zeiten zu Wohnungen umfunktioniert worden. Mit Plattenbau-Versatzstücken wurden Wände eingezogen, wo bis dato keine waren. Die hohen Holzdecken wurden unter einfachen Zwischendecken verborgen. In die Fassade wurden Fenster eingesetzt, die nicht zur Form des Mauerwerks passen. Die steinernen Zierelemente der Fensternischen wurden mit Gipskartonplatten abgedichtet. Uwe-Karsten Saalfeld schließt die Tür zu einer leer stehenden Wohnung auf. Sie ist 100 Quadratmeter groß, verfügt über drei Räume, einen langen Flur, eine Küche und ein Badezimmer.

Toller Ausblick neben hässlichen Rohren

Der Blick aus den großen Erkerfenstern ist traumhaft. Das Schloss ist umgeben von einer weiten Parkanlage. Dennoch fallen an allen Ecken die schnell und mangelhaft durchgeführten Sanierungen früherer Zeiten auf. Dicke Heizungsrohre verlaufen in weiten Bögen an den Wänden entlang. "Das ist alles sehr russisch, niemand würde das heute noch so machen", bringt es Uwe-Karsten Saalfeld auf den Punkt. "Die Miete ist mit 300 Euro für 100 Quadratmeter günstig. Aber es kommen noch einmal 300 Euro für die Nebenkosten dazu. Die Räume sind sehr heizintensiv", erklärt er.

Im Bereich des Erkers endet die Zwischendecke und gibt den Blick auf die dunkle Holzvertäfelung in etwa vier Metern Höhe frei. "Das ist bestimmt noch original erhalten", vermutet Saalfeld. Der Bürgermeister schließt die Wohnung ab, verlässt den Hausflur im rechten Seitenflügel des Gebäudes und tritt vor das Haus. Der Hauptteil des Anwesens - das Mittelstück - existiert nur noch zur Hälfte. Es wurde zu DDR-Zeiten durch einen Neubau ersetzt.

Die Fassade ist nur halb verputzt. Etwa in der Mitte endet der alte Putz und gibt den Blick frei auf Backsteinwände. Das verleiht dem Gebäude ein merkwürdiges Gepräge. Heute sind es die Seitenflügel - die ursprünglich nur Anbauten an das Mittelstück waren - die dem Haus noch ein herrschaftliches Ansehen geben.

Fassade hätte bei Sanierung Priorität

"Das erste was gemacht werden müsste, ist die Fassade. Die muss komplett verputzt werden", sagt Uwe-Karsten Saalfeld. Danach seien die Fenster dran. Einige der Wohnungen haben bereits moderne Fenster, in anderen zieht es durch alte DDR-Fenster. Dringend nötig wäre auch eine Überholung der gesamten Heizanlage. Hier dominiert noch immer DDR-Technik.

Der Bürgermeister betritt den linken Flügel. Dieser Hausflur ist besser erhalten. Hier sind sie noch, die knarrenden Holzstufen und schmiedeeisernen Handläufe. Saalfeld läuft zur ehemaligen Küche des Anwesens. Heute ist dort eine Werkstatt untergebracht, in der Gemeindearbeiter gerade Parkbänke lackieren. Die Küche ist ein hoher Raum mit alten Fließen auf dem Boden und an den Wänden. Die Bleiglasfenster sind zwar verschmutzt aber noch gut erhalten. Sie fügen sich perfekt in die kleeblattförmigen Öffnungen im Mauerwerk ein. "Das war alles mal richtig schön", sagt Saalfeld. In der Etage über der Küche befinden sich zwei weitere Wohnungen. Der Flur, der zu den Wohnungen führt, endet in einem spitzen Winkel. Die beiden Eingangstüren liegen diagonal zueinander.

Die rechte Wohnung steht leer. Uwe-Karsten Saalfeld schließt die Tür auf. In einem kleinen Vorzimmer führt eine Holztreppe nach oben in den eigentlichen Wohnbereich. Auch hier sind aus einem großen Raum einst zwei Wohnungen gemacht worden. Die Unterseite der Treppe führt an der Decke der gegenüberliegenden Wohnung weiter, erklärt Saalfeld. Wenn er könnte, wie er wollte, würde er die Zwischenwand einreißen und den ursprünglichen Zustand wieder herstellen.

Saalfeld steigt die Treppe hoch und öffnet eine kleine Gattertür in dem Geländer, das den Aufgang umgibt. "Ich bin erst vor kurzem das erste Mal hier oben gewesen. Diese Wohnung ist verrückt, aber sie hat auch was", sagt er. Die Wohnung befindet sich im Dachgeschoss des Seitenflügels. Auch hier regiert die Improvisation: Moderne Holzpanele an den Wänden, dunkle Plastikfenster mit Rollos, ein schmales Bad, mitten im Raum der steile Treppenaufgang. Der Blick aus dem Dachgeschoss fällt auf die rückseitige Fassade. Hier wurde zu DDR-Zeiten eine schmucklose Betonbühne angesetzt. An den Fenstern hängen Satellitenschüsseln der Mieter. "Ich verstehe nicht, was hier früher gemacht wurde. Andere Schlösser in der Umgebung sind viel besser in Schuss", sagt Saalfeld.

Die Aufgabe scheint zu groß zu sein

Seit 2010 ist er Bürgermeister der Gemeinde. Das Schloss ist ihm eine Herzensangelegenheit. Mehrfach schon stellte die Gemeinde Anträge auf Fördermittel - die wurden abgelehnt. Eine komplette Sanierung ist Wunschdenken, dessen ist sich Saalfeld bewusst. "Es bräuchte einen reichen Investor", sagt Uwe-Karsten Saalfeld und lacht trocken. Viele im Ort verfolgen die Ambitionen des Bürgermeisters mit Stirnrunzeln. Die Aufgabe scheint zu groß zu sein, um sie ernsthaft anzugehen.

Auch Saalfeld verfolgt andere Ziele. 2014 stehe wichtigeres auf der Agenda.

Das Dach eines ehemaligen Gutgebäudes in der Grünstraße muss dringend saniert werden. "Bisher sieht es im Haushalt ganz gut aus. Die Renovierung werden wir angehen", sagt Saalfeld und fügt hinzu: "Nicht dass wieder alle denken, ich würde mich nur mit dem Schloss beschäftigen."

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