Verkehrswacht und Fahrlehrer sind für Prüfung

Landkreis  Die Idee des Bundesverkehrsministers, Autofahrer ohne Prüfung auch leichte Motorräder fahren zu lassen, findet in der Region wenig Gefallen. Die Kritik geht mit der Sorge einher, dass die Zahl an Unfällen steige.

Ein im Juni bekannt gewordener Verordnungsentwurf des Bundesverkehrsministeriums sieht vor, dass Autofahrer unter bestimmten Voraussetzungen auch sogenannte Leichtkrafträder steuern dürfen.

Ein im Juni bekannt gewordener Verordnungsentwurf des Bundesverkehrsministeriums sieht vor, dass Autofahrer unter bestimmten Voraussetzungen auch sogenannte Leichtkrafträder steuern dürfen.

Foto: Thomas Frey/DPA

Autofahrer sollen künftig auch sogenannte leichte Motorräder fahren dürfen, ohne vorher eine Prüfung abzulegen. Das sieht ein Verordnungsentwurf des Bundesverkehrsministeriums vor. Dabei geht es um Motorräder der Führerscheinklasse A1 mit einem Hubraum bis 125 Kubikzentimeter und ei­ner Motorleistung von 15 PS.

Trotzdem können die Krafträder bis zu 130 Kilometer pro Stunde schnell werden, weiß Uwe Rücker von der Verkehrswacht Mühlhausen. Er ist sich sicher: Sollte der Entwurf im Bundestag durchgesetzt werden, steigen die Unfallzahlen.

Autofahrer, die mindestens 25 Jahre alt sind und ihren Autoführerschein nicht weniger als fünf Jahre besitzen, sollen nach einer 90-minütigen Theorieeinheit und sechs Fahrstunden mit ei­nem Fahrlehrer die Erlaubnis bekommen, Leichtkrafträder zu fahren. So sieht es der Entwurf von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) vor. Die Praxisfahrstunden müssen allerdings nicht im öffentlichen Verkehrsraum stattfinden, sondern können auch auf Privatgelände geleistet werden.

Ob sechs Fahrstunden reichen, um ein Motorrad im normalen Straßenverkehr fahren zu können, das sieht Uwe Rücker kritisch. „Die Verkehrsregeln sind die gleichen. Abgesehen davon hat Motorradfahren mit Au­tofahren wenig zu tun“, sagt der einstige Fahrlehrer. Die Zweiräder beschleunigen viel schneller, der Fahrer muss stärker abbremsen. Besonders müsse das Verhalten der Maschine in Kurven geübt werden.

Polizei rechnet mit steigender Zahl von Unfällen

Auch die Nordthüringer Polizei steht der Idee des Bundesverkehrsministeriums kritisch ge­genüber. Dort werde, falls die Idee gesetzlich verankert wird, damit gerechnet, dass die Anzahl der Unfälle, an denen Zweiräder beteiligt sind, steigt – und damit auch die Zahl der Verletzten und Toten. „Die Unfallfolgen bei beteiligten Zweiradfahrern sind immer schwerwiegender“, so eine Sprecherin der Landespolizeiinspektion Nordhausen.

Allerdings gebe es auch einen positiven Aspekt: Mit der geplanten Neuregelung werden die Menschen mobiler. Das sieht auch Fahrlehrerin Sarah Luhn von der Fahrschule Warschun in Bad Langensalza so.

In letzter Zeit sei die Zahl der Motorrad-Fahrschüler deutlich gestiegen. Und nicht nur die 16-Jährigen, sondern auch ältere Fahrschüler fangen mit der Klasse A1 an. Vor allem auf dem Dorf sei ein zusätzlicher Motorradführerschein praktisch, auch wenn er nur für Leichtkrafträder gelte. Luhn hoffe allerdings, dass der Entwurf des Verkehrsministeriums nicht durchgesetzt wird. „Es ist einfach zu gefährlich. Motorradfahrer müssen im Verkehr oft schnell und instinktiv reagieren, das muss geübt werden. Dafür reichen sechs Fahrstunden auf einem Übungsplatz niemals aus“, so die Fahrlehrerin.

Eine Prüfung sei nach ihrer Meinung wichtig. Denn bei ei­nem Motorradführerschein gebe es weit mehr Grundfahraufgaben als beim Autoführerschein. „Für eventuelle Gefahrensituationen muss jede Reaktion geübt sein. Ich finde, das sollte sich am Ende einer Fahrausbildung noch mal ein unabhängiger Dritter anschauen“, meint Sarah Luhn.

Zahlen & Fakten

Laut Statistik der Landespolizeiinspektion Nordthüringen gab es von 2016 bis 2018 insgesamt 104 Verkehrsunfälle, an denen Zweiräder beteiligt waren.

Bei diesen Unfällen kamen im Kreis drei Menschen ums Leben. 66 Menschen auf Zweirädern wurden zwischen 2016 und 2018 verletzt, 31 davon schwer.

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