Wagen 43 rollt auf alter Strecke ins zweite Leben

Mühlhausen  Gastbeitrag Per Tieflader wird ein historischer Wagen durch Mühlhausen transportiert

Der Wagen 43 auf dem Untermarkt in Mühlhausen.

Der Wagen 43 auf dem Untermarkt in Mühlhausen.

Foto: Archiv Ludwig Pölitz

An einem frischen Morgen eines Samstags im Oktober stand ein Autokran bereit unserem „Hässlichen Entlein“ zu einer Zukunft als „Hübscher Schwan“ zu verhelfen. Auf ging es in schwindelhafte Höhen. An den Trossen nach oben schwebte seine Majestät „Wagen 43“ und wurde, mit Gefühl, auf einen bereitstehenden Sattelschlepper gesenkt. Der Wagen stand nach seiner Abwrackung einige Zeit im Garten der Familie Seifert als historisch wertvolle Umkleidekabine und Laube.

Los ging die wilde Jagd mit Unterstützung durch eine Zugmaschine. Stadteinwärts auf bekannten imaginären Gleisen – sogar der Bastmarkt wurde nicht ausgelassen, vorbei am E-Werk und der ersten Wagenhalle. An bekannter Stelle überquerte die 43 den Blobach – die Täuschung war perfekt, dort gab es ein Verbindungsgleis zwischen Ober- und Unterstadt. Ein bisschen störten die modernen Fahrzeuge und die 1968 noch nicht vorhandenen Laternenmasten.

Für eine Anbindung an das nördliche Stadtgebiet gab es ja einige Pläne für eine neue Linienführung. Görmar- und General-Fuchs-Kaserne und die erschlossenen Siedlungsgebiete Windebergerstrasse sollten angebunden werden. Unter der Bahnunterführung bei Giebe (Cottana) sollten die Gleise über die Unstrut geführt werden. Außer einer zeitweiligen Buslinie haben sich durch den Krieg alle Pläne totgelaufen. Ob sich Wagen 43 daran erinnerte, als er über die Ammerbrücken Huckepack fuhr?

Sei es drum, seine neue Herberge bekam er im ehemaligen Lokschuppen der blauen Kleinlokomotive V 15 der Mühlhäuser Straßenbahn am Wendewehr. Die Lok war als Verschiebelokomotive zwischen den Gleisen der DR und der Anschlussindustriebahn bis zum Gaswerk in der Thomas-Münzer-Straße eingesetzt. Sie ist übrigens vom ehemaligen Orthopädie-Schumacher Giese in den 60er Jahren gefahren worden.

Unter fachkundiger Anteilnahme der Mühlhäuser schiebt die Zugmaschine den Wagenkasten unter das Dach des Schuppens und übergibt ihn in die Obhut der Kollegen vom Traditionsverein des Mühlhäuser Handwerks. Junge Leute haben im Rahmen einer Berufsfindungsmaßnahme unter kundiger Anleitung von Fachleuten versucht ihn nun in den alten Zustand zurückzuversetzen. Großes Lob – es ist ihnen gelungen. Äußerlich und innerlich.

Bei der Zeugnisausgabe der „Fachkräfte für den Fahrbetrieb“ konnte sich jeder davon überzeugen. Diese jungen Fachkräfte sind während der Ausbildung befähigt worden sowohl im Straßenbahn- als auch im Buslinienverkehr Verantwortung zu übernehmen.

Voller Stolz tragen sie zur Zeugnisübergabe die Dienstleistung ihrer Verkehrsbetriebe in Erfurt, Bad Langensalza, Mühlhausen, Ebeleben und Sondershausen. Ihre Gesichter gehören nun zum täglichen Betrieb auf unseren Straßen.

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