Wanderwochen: Erdkunde entlang des Hainich-Rundwegs

Hainich  Der Hainich-Rundweg bietet viel Abwechslung. Der Wanderer läuft über Magerrasen, erlebt Kunstwerke im Skulpturenpark, sieht Wildkatzen und genießt Fernblicke.

Nur wenige Schritte oberhalb der Himmelsleiter befinden ­sich in Richtung Turnerbank diese aufgeschichteten Steine.

Nur wenige Schritte oberhalb der Himmelsleiter befinden ­sich in Richtung Turnerbank diese aufgeschichteten Steine.

Foto: Norman Meißner

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Noch vor drei Jahrzehnten dominieren der Lärm rasselnder Panzerketten, zerberstender Panzergranaten und das Rattern von Maschinengewehr-Salven am Südrand des Hainichs. Die Geräuschkulisse am einstigen Militärübungsplatz der Roten Armee hat längst gewechselt, sie ist sanfter, den Ohren gefälliger geworden. Heute röhren Hirsche majestätisch, grunzen die Wildschweine hungrig, kreischt der Grünspecht Aufmerksamkeit erheischend oder das Laub webt in Baumwipfeln einen rauschenden Klangteppich.

Um mit nur einer Wanderung möglichst viel vom Facettenreichtum der Flora und Fauna im Hainich zu erleben, bietet Nationalpark-Führer Jürgen Dawo seit Jahren seinen 21 Kilometer langen „Hainich-Rundwanderweg“ für interessierte Wanderfreunde an. Die grüne Pracht ließ in diesem Jahr gehörig Federn, oder genauer: Laub. Immer wieder zeigt der Hainich-Kenner auf braun-schwarze, oft ovale Flecken auf der Rinde von Buchenstämmen. „Die haben das Zeitliche gesegnet - die treiben nächstes Jahr nicht wieder aus“, spricht er über pilz- und bakterienbesiedelte Schleimflussflecken, auch Buchenrinden-Nekrose genannt.

Beginnend am Skulpturenpark am Herrenhaus in Hütscheroda führt die Tour über den „Wildkatzenpfad“ auf ausgetretenem Rasen leicht ansteigend zum Generalsblick, an dem seit 2011 der hölzerne, 20 Meter hohe Aussichtsturm „Hainichblick“ trainierten Treppensteigern mit einem tollen Fernblick bis zu Inselsberg, Hörselbergen und Wartburg belohnt. Im Fuß des Turmes finden sich reichhaltige Informationen zum Hainich. „In den alten Panzerlöchern suhlen sich die Wildschweine gern“, zeigt Jürgen Dawo auf ein verwuchertes Wasser-Reservoir in der Nähe.

Eine Wildkatze zu erblicken ist wie ein Sechser im Lotto

Die Chancen für Frühaufsteher stehen sehr gut, Hirsch, Reh und Wildschwein vor die Nase zu bekommen, nur bei der Wildkatze schüttelt der Wanderführer den Kopf: „Das wäre wie ein Sechser im Lotto!“ An der alten Eiche, die den Sowjet-Generälen als Anhaltspunkt für Schießübungen der Panzer diente, geht es nach links auf dem „Hainichlandweg“ zunächst bergan und dann hinab Berka/Hainich entgegen. Der Wanderweg zwischen Berka und der Wüstung Hesswinkel besaß einst auf ganzer Länge prächtiges Straßenpflaster, bis Steindiebe sich bedienten. Beiderseits des Weges halten Schafe den Weidewuchs kurz. Nur die Wilde Möhre, die längst verblüht, weiter stolz den Blütenkopf gen Himmel streckt, verschmähen die mähenden Wollknäule.

Vor dem Orteingang Berka nimmt man rechter Hand den befestigten Weg zur Mallinde und weiter bis ins Lange Tal. Bevor sich das Blätterdach im Tal richtig schließt, begrüßen mannshohe Kanadische Goldrute, Wilde Karde, Fuchskreuzkraut, aber auch viel Beifuß die Wanderer. Am Gedenkstein für Forstmann Rudi Mäurer verlässt man den Fahrweg, um weiter das Lange Tal zu durchstreifen.

Im Frühjahr rollt die Natur in dem Tal ungeheuer große Märzenbecher-Blütenteppiche aus Viele „haltlose“ Bäume machen dort die Passage zum Hürdenlauf und wenig später auf dem Weltnaturerbe-Pfad die 100 Stufen der „Himmelsleiter“ zum Kraftakt. Knorrige Wurzel-Stolperfallen fordern vom Wanderer einen gesenkten Bodenblick.

Am „Sperbergsgrundweg“ lohnt der Abstecher nach rechts zum etwa 400 Meter entfernten Wartburgblick und an der Sitzraufe „Turnerbank“ zur Stärkung zur „Hainichbaude“ am Craulaer Kreuz. Während der Tour in diesen Herbsttagen lässt sich der Wanderproviant bestens auffüllen: Die Natur des Hainichs schenkt dem Hungrigen jetzt die vitaminreichen Schlehen, die blaublühende, heilsame Wegwarte, die gesunden Blätter der Brennnessel oder wildwachsende Zwetschgen, die allesamt sofort im Mund verschwinden können.

Über den Rennstieg geht es zum „Alten Berg“, der mit 494 Metern der höchste Punkt der Tour ist, und weiter zur Förstersteinhütte. Dort biegt man nach rechts auf einem grasbewachsenen Weg der tausendjährigen Eibe und der Wüstung Heßwinkel entgegen. Die letzten Meter bis zum Wildkatzengehege und dem Ort Hütscheroda säumen Skulpturen den Wegesrand.

Eckdaten zur Tour Hainich-Rundwanderweg

  • Start und Ziel: das Wildkatzendorf Hütscheroda (Hörselberg-Hainich)
  • Länge: 21 Kilometer
  • Höhenunterschied:421 Meter
  • Schwierigkeitsgrad: mittel bis anspruchsvoll
  • Wegbeschaffenheit: Rasenwege, Laubwege, Schotterwege, Pfade, Bitumen- und Pflasterstraße, Treppe aus Holzbohlenstufen und im Langen Tal müssen derzeit einige querliegende Bäume überstiegen werden
  • Ausschilderung: Der Hainich-Rundwanderweg, der zum 117. Deutschen Wandertag angeboten wurde, besitzt bislang keine eigene Ausschilderung. Der Wanderer geht vom Herrenhaus Hütscheroda durch den angrenzenden Skulpturenpark in östlicher Richtung und folgt den Ausschilderungen „Wildkatzenpfad“, „Aussichtsturm Hainichblick“. Auf dem „Hainichlandweg“ folgt man den Schildern „Berka v.d.H.“, dann „Mallinde“, dann „Langes Tal“ und „Weltnaturerbepfad“, dann „Rennstieg“, „Alter Berg“, und „Wüstung Hesswinkel“
  • Anbindung: Den Ausgangspunkt Hütscheroda erreicht man mit Auto über die B84 und mit der Buslinie 150 (Hainich-Wanderbus) von Eisenach und von Bad Langensalza aus.
  • Sehenswertes an der Strecke: Skulpturenpark, Aussichtsturm am Generalsblick, Mallinde, Gedenksteine für Forstmann Rudi Mäurer und für den verunglückten Waldarbeiter Karl Martin Hübschmann
  • Möglichkeiten zur Einkehr/Rast: Herrenhaus Hütscheroda, Gaststätte „Zur Post“ Berka, Hainich-Baude Craulaer Kreuz
  • Für Kinder:Besuch des Wildkatzengeheges ist sehr empfehlenswert

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