Weichen für Erhalt des Naturdenkmals in Bruchstedt sind gestellt

Bruchstedt  Der Förderverein für das Erosionsgebiets hat sich am Freitag gegründet. Er will Fördergelder für die Sanierung des Gebietes akquirieren und die Anlage als Lehr- und Schauobjekt etablieren.

Im Vorstand des Fördervereins sind (von links): Thomas Harant, Eberhard Rost, Babette Stange, Walter Montag und Olaf Bellstedt, es fehlt: Norbert Weiß.

Im Vorstand des Fördervereins sind (von links): Thomas Harant, Eberhard Rost, Babette Stange, Walter Montag und Olaf Bellstedt, es fehlt: Norbert Weiß.

Foto: Sabine Spitzer

Ein Förderverein ist für das Erosionsgebiet in Bruchstedt gegründet worden. Er will das in Deutschland einzigartige Naturdenkmal wieder instand setzen und auch weiter entwickeln. Entstanden war das Gebiet einst als Muster-Anlage für den Hochwasserschutz.

Seine Geburtsstunde hatte der „Förderverein Erosionsgebiet Bruchstedt“ mit 13 Gründungsmitgliedern am Freitagabend kurz nach 19 Uhr im Kulturhaus. Als Vorsitzender einstimmig gewählt wurde der Gartenbauingenieur Olaf Bellstedt. Der Weimarer erforscht schon seit einigen Jahren das Naturdenkmal und leitete dort Projekte zum Erhalt. Zweiter Vorsitzender ist Vize-Bürgermeister Walter Montag (Freie Wählergemeinschaft Bürgerinitiative für Bruchstedt).

„Durch den Verein haben wird nun gute Chancen, Fördergelder zu bekommen“, sagte Bellstedt. Diese sind auch nötig. Denn einer Kalkulation aus dem Jahr 2014 zufolge kostet die Wiederherstellung des Erosionsgebiets rund 400.000 Euro.

Die Anlage ist ein einzigartiges Zeugnis der Landschaftsgestaltung. In Deutschland gibt es keine vergleichbare. Angelegt worden war das Gebiet nach dem verheerenden Hochwasser 1950 in Bruchstedt als Hochwasserschutz – und zur Versorgung der Bürger. Jahrzehnte hatte es im Dornröschenschlaf gelegen, vor wenigen Jahren wurde es dann wiederentdeckt.

2017 war begonnen worden, das zugewucherte Areal mit Bundesfreiwilligen wieder herzustellen. Doch die Arbeiten gerieten bald ins Stocken, weil sich für dieses Jahr trotz europaweiter Ausschreibung niemand mehr für die Stellen fand.

Gemeinde beginnt mit Sanierung der Staustufen

Auch war Ende vergangenen Jahres eine Debatte über die Zukunft des Erosionsgebiets entbrannt. Die Stiftung Landleben mit Sitz in Kirchheilingen hatte ein Konzept mit „Sozialer Landwirtschaft“ erstellt und der Gemeinde Bruchstedt die Umsetzung angeboten.

Allerdings sollte das Gebiet dazu in die Stiftung eingebracht werden. Das lehnte der Gemeinderat ab, worauf sich die Stiftung zurückzog. Zuletzt hatte dann die Gemeinde die Gründung eines Fördervereins beschlossen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Bad Tennstedt Thomas Frey. Auch seiner Meinung nach muss das Naturdenkmal erhalten werden. Das sehe er nicht nur als VG-Chef so, sondern auch privat. Gerade vor dem Hintergrund der drastischen Zunahme von Naturkatastrophen sei es nötig, das Hochwasserschutzgebiet zu bewahren.

Schatzmeister im neuen Förderverein ist Dominik Gary. Als Schriftführerin wurde Babette Stange gewählt. Die 24-Jährige, die seit der Wahl im Mai für die Bürgerinitiative Mitglied im Gemeinderat ist, hat 2015 das Erosionsgebiet in ihrer Diplomarbeit zum Thema „Historische Park- und Gartenanlagen als Kulturdenkmale beleuchtet. Beisitzer im Förderverein sind Norbert Weiß, Eberhardt Rost und Thomas Harant (ebenfalls im Gemeinderat für die Bürgerinitiative).

Kassenprüfer sind Cordula Eger aus Herbsleben und Jörg Klupak aus Bad Tennstedt, die Kandidaten für die Landtagswahl am 27. Oktober sind.

„Jetzt sind die Weichen gestellt“, sagte Bellstedt. Perspektivisch sei es Ziel, die Anlage als Lehr- und Schauobjekt herzurichten. „Das Besondere ist, dass das Gebiet Teil der Natur ist, damit hat es wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung“, sagte er.

„Als Gemeinde sind wir in der Verantwortung“, verwies Vize-Bürgermeister und neuer stellvertretender Vorsitzender im Förderverein, Walter Montag, noch einmal auf das Vermächtnis, dass die Erosionsgebiets-Väter Kurt Apel und Günther Wuttke Bruchstedt hinterlassen haben.

Jetzt wird zunächst ein Teil der ersten von acht Staustufen des Erosionsgebiets saniert. Die Gemeinde stellt dafür 10.000 Euro bereit, die ursprünglich für das Kulturhaus-Gutachten im Haushalt eingeplant waren und nun aus dem Fördertopf der Dorferneuerung beantragt werden sollen. Weitere 7000 Euro für das Erosionsgebiet kommen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Die Ausschreibungen für die Sanierungsarbeiten laufen. Die Gemeinde hat auch für die kommenden Jahre Geld zur Sanierung des Gebietes zugesagt.

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