Zahnärztin aus Mühlhausen arbeitet drei Wochen in Indien

Mühlhausen  Die Mühlhäuser Zahnärztin Doreen Schreiber hat drei Wochen im Norden Indiens praktiziert und will nächstes Jahr in den Anden helfen.

Doreen Schreiber arbeitete unter einfachsten Bedingungen, teils auf den Knien.

Doreen Schreiber arbeitete unter einfachsten Bedingungen, teils auf den Knien.

Foto: Doreen Schreiber

Nachdem im Frühjahr vier Himalaya-Bewohner aus der nordindischen Region Ladakh zu Besuch in Thüringen weilten, schickte der Meininger Hilfsverein „Ladakhpartners-Partnership Local Doctors“ eine Gruppe auf das Dach der Welt, um den Bewohnern der entlegenen Bergregion zu helfen. Ziel war es, einen faltbaren, transportablen Zahnarztstuhl in die Klinik des Dorfes Lingshed zu bringen. Zu der Vierer-Gruppe, die drei Wochen lang in 3000 Meter Höhe Hilfe zur Selbsthilfe bieten wollte, gehörte auch Doreen Schreiber, eine 40-jährige Zahnärztin aus Mühlhausen, die mit ihrem Lebensgefährten reiste.

Für die 40-jährige Schreiber war es nicht der erste Auslandseinsatz. Als Studentin war sie bereits in Tonga, einem polynesischen Königreich im Südpazifik, im Einsatz. Damals behandelte sie in einer Klinik, diesmal lag das Hauptaugenmerk anders: Natürlich waren auch die Probleme von etwa 50 Menschen aus der Region Ladakh zu behandeln, doch ein Schwerpunkt war auch die Prävention. „Dass man abends nach dem Zähneputzen nichts Süßes mehr isst, das wird eben nicht so gehandhabt. Da kommt es nicht nur einmal vor, dass man einem zehnjährigen Kind einen bleibenden Backenzahn ziehen muss.“

Schreiber und ihr Lebensgefährte gingen in Schulklassen, sprachen mit Lehrern und Schulleitern, die die Zahnprobleme ihrer Schüler aber nicht in jedem Fall sehen wollten. Da fühlte sich mancher persönlich angegriffen. Lehrer und Erzieher hätten aber in der Region einen großen Einfluss auf Kinder, die oft schon vor dem fünften Geburtstag in ein Internat geschickt würden, so Schreiber.

Auslandserfahrungen in Tonga gesammelt

Wichtige Multiplikatoren waren für Doreen Schreiber die Amchis, die auch die Kontrolle der Zähne übernehmen sollen. Das sind die Naturheiler des alten Königreichs im Norden Indiens. Bei einfachen Krankheiten helfen die Amchis mit Kräutern und alternativen Heilmethoden. „Sie genießen hohes Ansehen und waren auch den Methoden der modernen Zahnmedizin sehr aufgeschlossen“, sagt Schreiber. „Eine leichte Füllung bekommen sie hin und auch das Zähneziehen.“

Die Bedingungen, unter denen die Mühlhäuserin für drei Wochen in Indien als Zahnärztin arbeitete, waren nicht einfach. In einem Dorf musste sie für die Behandlungen mit einem mobilen Solarbohrer knien – sieben Stunden lang. Die Patienten lagen auf der Pritsche.

Schreiber hatte die Meininger Hilfsorganisation im Internet entdeckt. Über deren Aktivitäten im Himalaya berichtete auch die Onlineausgabe einer zahnmedizinischen Fachzeitschrift. „Ich habe einen Artikel über das Projekt gelesen und angerufen. Während meines Studiums habe ich bereits Auslandserfahrungen sammeln dürfen. Ich wollte mehr über die Naturheiler, ihre Mythen und Legenden sowie den Buddhismus im Himalaya erfahren“, sagt Schreiber, die selbst Buddhistin ist.

Es wird nicht ihr letzter Auslandseinsatz sein. Im kommenden Jahr möchte sie gerne in den Anden helfen – auch dafür fand sie ein entsprechendes Hilfsprojekt. Es ist ihre Art, Urlaub zu machen, fremden Kulturen so nah zu kommen, wie es ein normaler Tourist nicht schafft, – und dabei auch zu helfen.

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