300. Geburtstag des „Wohltemperierten Claviers“

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Vier Bachbüsten im Eisenacher Bachhaus, entstanden 1843, 1874, 1925 und 2001

Vier Bachbüsten im Eisenacher Bachhaus, entstanden 1843, 1874, 1925 und 2001

Foto: Peter Rossbach

Eisenach .  Bachhaus widmet dem Jubiläum des Werkes von Johann Sebastian Bach eine Sonderausstellung.

Es ist wohl das musikgeschichtlich einflussreichste Werk, das Johann Sebastian Bach hinterlassen hat. Vor 300 Jahren schuf der Komponist das „Wohltemperierte Clavier“. Diesem Jubiläum widmet das Eisenacher Bachhaus ab 1. Juli eine Kabinett-Ausstellung.

„Verfertiget von Johann Sebastian Bach [...] 1722“, steht unter Bachs wohl bedeutendstem Werk. Strenggenommen gilt das Jubiläum „300 Jahre“ nur für den ersten Teil, denn 20 Jahre später verfasste Bach noch einen zweiten, der weitere 48 Präludien und Fugen in allen 24 Dur- und Moll- Tonarten enthielt. Begonnen, so berichtete Bachhaus-Chef Jörg Hansen, haben soll Bach das Werk, glaubt man dem Bericht des Musiklexikographen Ernst Ludwig Gerber, „an einem Orte, wo ihm Unmuth, lange Weile und Mangel an jeder Art von musikalischen Instrumenten diesen Zeitvertreib abnöthigte“. Dafür komme, so Hansen, am ehesten eine Zeit in Bachs Leben in Betracht: Bachs vierwöchiger Arrest in einer Weimarer Gefängniszelle. Zunächst als Unterrichtsmaterial gedacht, verbreitete es sich nach Bachs Tod durchzahlreiche Abschriften.

1801 lieferten sich drei Verlage einen regelrechten Wettlauf um den Erstdruck. Komponisten der Klassik und Romantik wie Mozart, Beethoven, Mendelssohn,Schumann, Liszt und Chopin studierten es in ihrer Jugend, griffen Bachs Ideen in eigenen Werken auf und verwendeten es ihrerseits wieder bei ihren Schülern. Der Pianist und Komponist Hans von Bülow nannte es gar „das Alte Testament des Klavierspielers“. Keine Komposition dürfte die heutige abendländische Vorstellung von der Zahl und Geschlossenheit der Tonarten so sehr beeinflusst haben, wie dieses Werk, meint Hansen.

In der zweiteiligen Ausstellung im Bachhaus geht es zunächst um das Problem der Stimmung, denn auf den Tasteninstrumenten der Bach-Zeit waren gewöhnlich – das heißt in der damals üblichen mitteltönigen Stimmung – nur 14 Tonarten halbwegs spielbar. Alleanderen klangen schief. 1691 waren aber durch den erst Quedlinburger, dann Halberstädter Organisten Andreas Werckmeister neue Stimmungen vorgeschlagen worden, die dieser„wohltemperiert“ nannte, und in denen alle Tonarten spielbar waren.

Die Idee, für alle Tonarten zu komponieren, war nicht ganz neu, doch erst Bach lieferte einen Satz brillanter Kompositionen für alle Tonarten, die dieser Idee zum Durchbruch verhalf.

„Das Alte Testament der Klavierspieler – 300 Jahre Bachs Wohltemperiertes Klavier“, 1. Juli – 6. November im Bachhaus Eisenach.