Abfallzweckverband ringt mit Mihla um Flächen an Deponie

Wartburgregion.  Wirtschaftlich steht der Abfallzweckverband Wartburgregion - Stadt Eisenach auf soliden Füßen. Mit der Gemeinde Mihla liegt er aber im Clinch.

Auf der Deponie Mihla wird Schlackeasche aus Müllverbrennungsanlagen aufgearbeitet.

Auf der Deponie Mihla wird Schlackeasche aus Müllverbrennungsanlagen aufgearbeitet.

Foto: Jensen Zlotowicz

Dass die Gemeinde Mihla derzeit keine Flächen an den Abfallwirtschaftszweckverband (AZV) Wartburgkreis-Stadt Eisenach verkauft – es geht um Wegeparzellen –, hemmt die Pläne des Verbands zur Erweiterung der Deponie Buchenau immens. Dabei brennt dem Verband die Erweiterung der Anlage nahe Mihla auf den Nägeln. Die Entsorgung von Bauschutt wird mangels ausreichender Aufnahmekapazitäten in der Region immer mehr zum Problem. Nun habe auch eine Anlage im Harz angekündigt, mittelfristig die Annahme einzustellen.

Die Kapazität der Deponie bei Mihla sei in etwa drei Jahren erschöpft, hieß es in der AZV-Versammlung am Donnerstag. Geschäftsführer Dieter Trümper hofft, die Mihlaer noch von der Sinnhaftigkeit der Ziele des Verbandes überzeugen zu können. Vier, vielleicht auch fünf Jahre, könnten laut Trümper und Landrat Reinhard Krebs (CDU) bis zur Genehmigung der Erweiterung ins Land gehen.

Die Gemeinde Mihla hatte sich übrigens schriftlich an den AZV-Vorsitzenden und Landrat Krebs mit der Kritik am schlechten Zustand der Zufahrt zur Deponie gewandt. Sinngemäße Antwort: Man werde sich je nach Entwicklung der Deponieerweiterung der Sache annehmen, berichtet Mihlas Bauausschussvorsitzender Andreas Böhme.

Ungeachtet dessen hat der AZV im Wirtschaftsplan für das Jahr 2020 100.000 Euro für den Anlauf von Flächen in Mihla festgeschrieben, zudem Planungsleistungen von knapp 180.000 Euro. Dieser Brocken ist so groß, dass er europaweit ausgeschrieben werden muss.

Im Wirtschafts- und Finanzplan, den die Versammlung einstimmig (bei Enthaltung der Stadt Eisenach) beschloss, stehen knapp 3,3 Millionen Euro für die Rekultivierung der Deponie Mihla, und das ist nur für den ersten Bauabschnitt. Finanziell kann der Verband wie eh und je aus dem Vollen schöpfen. Seine Rücklagen erfüllen alle Standards.

Das liegt nur nicht daran, dass die Erlöse, also die Abfallgebühren, gleichbleibend bei etwa elf bis zwölf Millionen Euro liegen, sondern der AZV auch andere komfortable Einnahmequellen besitzt. Geld fließt aus Beteiligungen wie an der Umweltservice Wartburgregion (USW) oder Einnahmen aus der Aufarbeitung von Schlacke aus Müllverbrennungsanlagen an der Deponie Mihla oder dem Müllsammelsystem Grüner Punkt (Duales System Deutschland). Im Plan 2020 sind etwa 14,5 Millionen Euro Gesamteinnahmen notiert.

Da kann es der Verband verschmerzen, dass der Preis beim Papier (blaue Tonne) verfällt, von 86 Euro/Tonne auf gut 50 Euro. Ebenso verkraftbar ist: Der Zinsertrag der angelegten Millionen wird immer kleiner (im Plan etwa 423.400 Euro). Der wohlhabende AZV verdient aber auch anderweitig Geld, nämlich mit Darlehen. Ein solches gewährt er der Entsorgungsgesellschaft Wartburgregion (EWA) für den Bau einer Photovoltaikanlage auf der Fläche der ehemaligen Mülldeponie in Vacha. 2,5 Prozent Zinsen zahlt die EWA für diesen Kredit. Es ist nicht die erste Photovoltaikanlage, die der Zweckverband finanziell anschiebt.

Geld gibt der AZV neben dem Kerngeschäft Müllentsorgung freilich auch aus, zum Beispiel für die Grünschnittsammelstellen, die Digitalisierung der Verwaltung (180.000 Euro), ein neues Dienstfahrzeug oder das Personal (etwa 1,3 Millionen) Euro, das wegen tariflicher Erhöhungen im nächsten Jahr insgesamt knapp 80.000 Euro mehr Geld bekommt.