Aus alten Joghurtbechern entstehen Lineale für die Schule

Eisenach.  Das Kunststoff-Recycling-Mobil der „Save Nature Group“ plant eine Tour durch die Schulen der Wartburgregion.

Die Mitglieder des Vereins „Save Nature Group“, Hannah Uphaus (von links), Georg Lesser und Lola Plachy, vermitteln den Schülern, wie aus Plastikmüll neue Produkte entstehen können.

Die Mitglieder des Vereins „Save Nature Group“, Hannah Uphaus (von links), Georg Lesser und Lola Plachy, vermitteln den Schülern, wie aus Plastikmüll neue Produkte entstehen können.

Foto: Verein Save Nature Group

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Die Weltmeere „ertrinken“ förmlich in Plastikmüll, und auch wenn Menschen kein Meerwasser schlucken, weisen Humanmediziner inzwischen in immer mehr Patienten kleinste Plastikpartikel nach. Für einen nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen kämpft in Thüringen der Verein „Save Nature Group“. „Plastik ist ein Rohstoff und kein Müll, der in die Natur fliegen darf“, betont Vereinsmitglied Georg Lesser. Der Eisenacher entwickelte mit Ingenieur Johannes Leeder im vorigen Jahr ein rollendes Klassenzimmer nach einer Idee des Holländers Dave Hakkens, um Schüler verschiedener Altersstufen für einen verantwortlichen Umgang mit Kunststoffen zu sensibilisieren. Das fahrende Klassenzimmer, das meistens auf dem Schulhof parkt, ist ein Kunststoff-Recycling-Mobil – ein Schmelzofen und gleichzeitig ein kleines Trimm-Dich-Studio mit Schredder-Funktion sowie ein Forschungslabor.

Während der Projekttage erfahren die Schüler Wissenswertes zu Verfahren, um Kunststoffe unterscheiden und trennen zu können. Georg Lesser informiert aber auch zu Wiederaufbereitung, zu Mülltrennung und zu Kunststoff-Alternativen. Während der Projekttage sammeln Schüler in ihrem Umfeld Müll oder angeln sich zu Hause aus dem gelben Sack entsprechende Kunststoffe. Bereits kurze Zeit später halten die jungen Forscher aus diesem Material beispielsweise eine Pflanzklammer oder ein Lineal für den Unterricht in der Hand.

Dafür zerkleinern die Schüler ihre Fundstücke aus Polypropylen zuvor mit eigener Muskelkraft durch kräftige Tritte in Fahrradpedale. Der zerstückelte Kunststoff schmilzt anschließend und lässt neue Produkte entstehen. Jedes so entstandene Lineal ist in gewisser Weise einzigartig. Je nachdem, welche Farben die verwendeten Plastikreste besitzen, entsteht eine unterschiedliche Marmorierung.

An der Station Upcycling verwandeln die Schüler gebrauchte Tetrapack-Behälter und Fahrradschläuche in Geldbörsen und in Gürtel. Im Labor erkennen die Schüler mithilfe des Mikroskops, dass ihre eigene Bekleidung immer häufiger aus Kunststoff-Fasern besteht. In einer Innovationswerkstatt erarbeiten die Schüler selbst Lösungen, wie sich Kunststoff-Konsum minimieren lässt. Georg Lesser wünscht sich, dass der Besuch des Mobils Spuren hinterlässt, bestenfalls sogar Arbeitsgemeinschaften zum Thema an den Schulen entstehen.

„Unser Schulprogramm eignet sich für Kinder von der 3. Klasse bis zur 12. Klasse – wir haben ein flexibles Programm, das wir dem Alter anpassen“, erzählt Georg Lesser, der mit Johannes Leeder das Projekt koordiniert. Im vergangenen Jahr rollte das Recycling-Mobil thüringenweit zu 36 Schulen. Mit dem Start in die mildere Jahreszeit sollen in diesem Jahr 50 weitere Schulklassen mit jeweils bis zu 30 Kindern hinzukommen. „Wir wollen in Eisenach und der Wartburgregion starten – der April ist leider schon fast ausgebucht“, so Georg Lesser. Freie Termine sind auf der Internet-Präsenz einsehbar. Finanzielle Unterstützung erfährt das Recycling-Mobil von Thüringens Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz.

Weitere Informationen unter: mobil-recyceln.de/ oder info@save-nature-group.de

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