Bänder bei Opel Eisenach stehen wieder still

Birgit Schellbach
| Lesedauer: 4 Minuten
Uwe Laubach von der IG Metall Eisenach/Gotha, Jörg Köhlinger, Leiter der IG Metall Mitte, Bernd Lösche, Betriebsratsvorsitzender von Opel Eisenach und Uwe Baum, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel (von links), haben sich im Eisenacher Opel-Werk getroffen.

Uwe Laubach von der IG Metall Eisenach/Gotha, Jörg Köhlinger, Leiter der IG Metall Mitte, Bernd Lösche, Betriebsratsvorsitzender von Opel Eisenach und Uwe Baum, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel (von links), haben sich im Eisenacher Opel-Werk getroffen.

Foto: Birgit Schellbach

Eisenach.  Betriebsräte und Gewerkschafter informierten sich über die Situation bei Opel Eisenach. Volle Auftragsbücher, und dennoch steht die Produktion. Keine guten Nachrichten gibt es von einem weiteren Zulieferer.

„Der Druck auf die Arbeitsplätze bleibt, auch wenn wir ihn aktuell nicht spüren“, sagte Opel-Gesamtbetriebsrat Uwe Baum am Dienstag nach einem Besuch im Eisenacher Werk. Die Pläne des Mutterkonzern Stellantis, seine deutsche Tochter Opel auszugliedern, sind im November letzten Jahres nach starken Protesten verworfen worden. In Eisenach hatte im Januar die Produktion des „Grandland X“ wieder begonnen.

„Die Auftragsbücher sind voll“, betonte Uwe Baum. Dennoch stehen die Bänder sowohl in Eisenach als auch Rüsselsheim erneut still. Wieder fehlen Halbleiter, also Bestandteile von Mikrochips in Autos. Zurzeit betrifft es die Instrumenten-Panels in der Armaturentafel, die nicht geliefert werden können. Auf der anderen Seite warten die Kunden auf ihr bestelltes Auto und besteht die Gefahr, dass sie zu anderen Anbietern wechseln.

„Die Werkleitung hat versichert, schnellstmöglich zu reagieren und die Produktion fortzusetzen“, sagt Bernd Lösche, Vorsitzender des Eisenacher Betriebsrats, und verweist auf tägliche Abstimmungen. Er findet es vor allem wichtig, den neu dazu gekommenen Beschäftigten zu verdeutlichen, dass sie trotz der Unterbrechung gebraucht werden.

Leiharbeiter werdenwieder eingestellt

Im Moment werden zwar nur Leiharbeiter eingestellt. „Aber es ist insgesamt ein positives Signal, dass Stellantis umgedacht hat“, so Uwe Baum. So sei keine Rede mehr von Umsetzungen aus anderen Standorten. Aktuell arbeiten bei Opel Eisenach rund 1300 Beschäftigte.

Der Besuch des Opel-Gesamtbetriebsrats und von Verantwortlichen der IG Metall am Dienstag in Eisenach hat den Hintergrund, dass am 9. März ein neuer Betriebsrat im Eisenacher Werk gewählt wird. Bernd Lösche findet, dass es ein starkes Gremium braucht angesichts der Transformationsprozesse in der Automobilindustrie. Es gehe einerseits um gute Arbeitsbedingungen und andererseits um notwendige Qualifizierungen. In Eisenach werde zwar der „Grandland X“ bereits als Hybrid-Modell gebaut, aber für die Zukunft wünscht sich der Betriebsratsvorsitzende ein komplett elektrisches Nachfolgemodell. Dann könne man die Produktion auch wieder auf 30 Fahrzeuge pro Stunde hochfahren.

Fast zeitgleich mit dem Pressegespräch der Betriebsräte und Gewerkschafter in Eisenach stellte Stellantis in Amsterdam sein Strategiekonzept für die Zukunft vor. „Wir würden gern bei diesen strategischen Entscheidungen mitwirken“, wünschte sich Uwe Baum mehr Mitsprachemöglichkeiten. Und ergänzte: „Wir wollen gemeinsam mit Stellantis an der Zukunft von Opel mitwirken.“

Keine guten Nachrichten aus dem Unternehmen Lear

Uwe Laubach, erster Bevollmächtigter der IG Metall Eisenach/Gotha, freute sich zwar, dass es bei Opel wieder besser läuft, erinnerte aber auch daran, dass in Westthüringen bereits 3300 Arbeitsplätze verloren gegangen sind, weil die hiesige Elektro- und Metallindustrie noch zu sehr vom Verbrennungsmotor abhängig ist.

Als aktuelles Beispiel nannte er das vor den Toren von Opel ansässige Unternehmen Lear, das Sitze für den Grandland und den Opel Insignia herstellt. Von der dortigen Geschäftsleitung habe man die Information erhalten, dass es keine Nachfolgeaufträge mehr von Opel geben wird.

„Wir suchen in der nächsten Woche das Gespräch“, so Laubach. Er wies außerdem darauf hin, dass im Herbst die nächste Tarifrunde beginnt. Seiner Einschätzung nach ist „so viel Druck wie schon lange nicht mehr auf dem Kessel“ – angesichts der Inflationsrate und steigender Kosten infolge des aktuellen Kriegsgeschehens.

Für Jörg Köhlinger, Leiter der IG Metall Mitte, ist es aktuell wichtig, dass möglichst viele Beschäftigte an den Betriebsratswahlen teilnehmen, die von März bis Mai überall stattfinden. Allein im Bereich Eisenach/Gotha sind es 50 Betriebe, in denen eine neue Interessenvertretung gewählt wird.

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