Bekennervideo nach Sprengstoffanschlag auf rechte Szenekneipe in Eisenach aufgetaucht

Eisenach.  Nach dem Anschlag auf die Kneipe „Bulls Eye“ am frühen Montagmorgen wurde jetzt ein Bekennerschreiben und -video einer mutmaßlich linken Gruppierung veröffentlicht.

Ein Video zeigt, wie der Sprengsatz deponiert wurde.

Ein Video zeigt, wie der Sprengsatz deponiert wurde.

Nach dem Sprengstoffanschlag auf einen Treffpunkt der rechtsextremen Szene in Eisenach scheint die politische Motivation klar. Auf der Internetplattform „de.indymedia“, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als linksextremer Verdachtsfall eingestuft wird, sind ein Video und ein Bekennerschreiben eingestellt worden.

Die Verfasser lassen keinen Zweifel an ihrer Gesinnung und kündigen an, dass das nicht der letzte Angriff auf die Kneipe „Bulls Eye“ gewesen sein könnte. „Auch wenn diese Örtlichkeit in der Vergangenheit schon Ziel von Angriffen war, ist sie für uns ein Objekt, welches es immer wieder verdient hat angegriffen zu werden, genau wie jeder andere Rückzugsort von Nazis“, wird dort formuliert. Der Beitrag endet mit „Fight Nazis Everyday“. Der Spruch war auch an die Hausfassade der rechtsextremen Szenekneipe gesprüht.

Video zeigt offenbar die Tat

Mit Handschuhen geschützte Hände deponieren einen selbstgebastelten Sprengsatz an einem Fenster, Personen sprühen den Schriftzug „Fight Nazis Everyday“ auf die Hauswand, das Ganze ist unterlegt mit Rap-Musik einer spanischen feministischen Frauenband: Das Video zeigt offenbar die Tat, die am frühen Montagmorgen zu einem Großeinsatz der Polizei in Eisenach führte.

Großeinsatz der Polizei nach Explosion in Eisenach – Sprengstoffspezialisten vor Ort

Unbekannte hatten einen Sprengsatz an der Kneipe „Bulls Eye“ in Eisenach gezündet, die als Treffpunkt rechter Personen gilt. Durch die Detonation waren Fenster und ein vor dem Haus parkendes Auto beschädigt worden, Splitter flogen bis auf das Nachbargrundstück.

Bekennerschreiben auf Indymedia veröffentlicht

„Am Morgen des 11.01.2021 haben wir als Frauen das sogenannte „Bulls Eye“, eine Fascho-Kneipe in Eisenach angegriffen“, heißt es nun in einem Bekennerschreiben, das auf der linken Internetplattform „Indymedia“ veröffentlicht wurde. Und weiter: „Wir haben die graue Fassade verschönert und einen Sprengsatz in einem seiner hässlichen Augen platziert.“

Landeskriminalamt ermittelt in dem Fall

Nach zwei Anschlägen auf die Kneipe in der Vergangenheit sitzt seit November die Leipzigerin Lina E. in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt hält sie für die Kommandoführerin einer linksextremen kriminellen Vereinigung.

Das Bulls Eye war unter anderem im Herbst 2019 Ziel eines Angriffs. Damals hatte eine Gruppe mutmaßlicher Linksextremisten das Lokal mit Reizgas und Schlagstöcken überfallen und Gäste verletzt.

Nach Informationen des MDR sind das Bekennerschreiben sowie das Video dem Landeskriminalamt und dem Thüringer Verfassungsschutz bekannt. Aus Behördenkreisen hieß es demnach, beides werde derzeit ausgewertet.

CDU warnt vor Linksterrorismus

Die Thüringer CDU will das Thema im Innenausschuss behandeln lassen. Die Täter hätten, sagt Raymond Walk, innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, billigend in Kauf genommen, dass Menschenleben gefährdet werden. Die Gaststätte befindet sich in einem Mehrfamilienhaus. Der Unionspolitiker sieht Anzeichen von Linksterrorismus.

Genau davor hatte Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan J. Kramer bereits im Oktober 2020 gewarnt. In dem Zusammenhang plädierte er deshalb dafür, dass Bewerber für den öffentlichen Dienst regulär auf Verbindungen in extremistische Kreise überprüft werden. Die CDU hatte das nur für rechtsextremistische Kreise vorgeschlagen.

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