Jahrelanger Verfall fordert Tribut: Diese Villa in Eisenach stürzt ein

Eisenach.  Die Bornemannsche Villa in Eisenach kann nur noch abgerissen werden: Das Dach ist eingebrochen, in den Wänden klaffen große Löcher, Balkone und Erker sind eingestürzt.

Die Bornemannsche Villa am alten Hotel Fürstenhof (linkes Gebäude) ist nicht mehr zu erhalten.

Die Bornemannsche Villa am alten Hotel Fürstenhof (linkes Gebäude) ist nicht mehr zu erhalten.

Foto: Birgit Schellbach

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Der bauliche Zustand der zum früheren Hotel Fürstenhof gehörenden Bornemannschen Villa hat sich deutlich verschlechtert. Das Dach ist eingebrochen, in den Wänden klaffen große Löcher, Balkone und Erker sind eingestürzt.

Jahrelanger Leerstand fordert seinen Tribut

Nach Auskunft der Stadtverwaltung ist das Gebäude nicht mehr zu erhalten. Die Ruine ist das Ergebnis von jahrelangem Leerstand ohne Notsicherung. Im Rathaus wird zwar immer noch das Ziel formuliert, wenigstens das Hauptgebäude mit dem Schriftzug Fürstenhof und das ehemalige Casino zu erhalten. Doch wenn es so wie in den letzten Jahren weitergeht, bleibt auch für diese Bauten nur noch der Abriss.

Nach dem Willen des Eigentümers sollte ohnehin der gesamte Fürstenhof-Komplex abgebrochen werden. Für einige Gebäudeteile hat er eine Abrissgenehmigung bekommen mit dem Ziel, vier Stadtvillen neu zu errichten. Ausgenommen waren die Bornemannsche Villa, das Hauptgebäude und das Casino. Für diese drei hatte die Stadtverwaltung auf den Erhalt bestanden.

Inzwischen, so heißt es auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Rathaus, befindet man sich im gerichtlichen Verfahren. Dieses stoppt offensichtlich auch Überlegungen, wonach die Stadt das Fürstenhof-Areal vom derzeitigen Besitzer erwerben wollte.

Hotel mit Festsaal für 1800 Personen

Die Bornemannsche Villa ist das älteste Gebäude, ein Sommerhaus, das den Grundstock des späteren Hotelkomplexes bildete. Sie wurde 1861 vom Geologen und Bergbauunternehmer Johann Georg Bornemann gekauft und schrittweise durch Anbauten ergänzt. Es entstand die Villa Bornemann, die nach dem Tod des Unternehmers weiter veräußert wurde.

1902 wurde erneut umgebaut und erweitert. Am 15. Mai 1902 öffnete das Kurhaus Hotel Fürstenhof. Der Festsaal für 1800 Personen war zu dieser Zeit der größte Veranstaltungssaal in Thüringen. Die Hoteleröffnung stand im Zusammenhang mit den Bestrebungen Eisenachs Kurstadt zu werden. Davon zeugt auch die benachbarte Wandelhalle. Das Casino ist in den 1920er Jahren errichtet worden.

Im Rathaus geht man davon aus, dass es keine Auswirkung auf den öffentlichen Verkehrsraum hat, wenn auf dem Grundstück des Fürstenhofes Gebäudeteile einzustürzen drohen. Deshalb seien auch für die Bornemannschen Villa „derzeit keine bauaufsichtlichen Auflagen oder Bescheide erforderlich“, heißt es in der Antwort.

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