Das Ziel lautet: Vorurteile abbauen und das Gespräch ermöglichen

Eisenach  Eine Aktion in Eisenach lenkt die Aufmerksamkeit auf Bedürfnisse und Fähigkeiten behinderter Menschen in der Arbeitswelt. Ein Rollstuhl-Ballett macht staunen.

Eine Rollstuhltanzgruppe sorgte im Foyer der Werner-Aßmann-Halle für Schwung.

Eine Rollstuhltanzgruppe sorgte im Foyer der Werner-Aßmann-Halle für Schwung.

Foto: Peter Rossbach

In der Aßmannhalle geht es ja meist sportlich zu, aber einen solch schwungvollen Auftritt einer Rollstuhltanzgruppe im Foyer hat es dort wohl noch nicht gegeben. Die jungen Frauen und Mädchen kamen aus Mühlhausen angereist und haben noch eine Besonderheit: Sie sind alle anders als ihre Trainerin nicht gehandicapt, brauchen die Rollstühle nicht, sondern sind in der Gruppe, um am eigenen Leib zu spüren, was es heißt, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, aber auch um zu zeigen, was alles möglich ist.

Und dieser Ansatz verband den Auftritt der Gruppe mit dem Ansinnen des Netzwerkes Inklusion, das gemeinsam mit dem Verein „Aktiv im Leben mit Behinderung“ Wartburgkreis und dem Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft zu diesem „Aktionstag Fachkräfte“ in die Sporthalle geladen hatte. „Wir wollen Vorurteile abbauen, Barrieren überwinden“, sagte Sarina Funk vom Bildungswerk.

Menschen mit Handicap sind Potenzial

Das Ziel sei es, den Unternehmen zu zeigen, welches Potenzial für die Wirtschaft gerade auch Menschen mit Behinderung darstellten. Eingeladen waren Arbeitgeber, Personalverantwortliche in Betrieben oder auch Fachkräfte für Arbeitssicherheit zum Austausch mit Kostenträgern, Arbeitsamt, Verbänden, Selbsthilfegruppen wie Eisenacher Schwerhörigenverein und Hilfsmittelanbietern.

Dabei ging es um Fragen wie: Welche besonderen Anforderungen hat ein Arbeitsplatz für einen Menschen mit Handicap? Welche Möglichkeiten der Förderung gibt es? Wo sind Anträge dafür zu stellen?

In einem Workshop wurde den Unternehmern vermittelt, wie man eine barrierefreie Homepage für den Betrieb gestaltet mit einfacher und leicht verständlicher Sprache. „Wir wollen das Gespräch auf Augenhöhe zwischen den Arbeitgebern und den anderen Akteuren vermitteln“, erklärte Funk.

Wer wollte, konnte aber auch gleich einen Hörtest machen; erleben, wie es ist, mit dem Blindenstock seine Umgebung zu ertasten; eine Rollstuhl-Hindernisstrecke durchfahren oder sich beim intuitiven Bogenschießen versuchen.

Das Netzwerk Inklusion organisiert seit etwa fünf Jahren Vorträge und Kurse alle mit diesem Ziel, die Inklusion in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. In Eisenach war es der erste große Aktionstag des Netzwerkes. Finanziert werden die Aktionen übrigens mit dem Geld, das Firmen, die nicht die per Gesetz geforderte Anzahl an Behinderten einstellen, als Ausgleichszahlungen leisten.

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