Der Berg als Metapher für den Ausbruch aus der Meinungsflut

Eisenach.  Die Ausstellung von Johann Bärenklau in der Predigerkirche gibt Startschuss für ein Ganzjahres-Projekt.

Johann Bärenklau stellt seine Werke, darunter zwölf Collagen, unter dem Titel „Auf meinem Berg" in der Predigerkirche aus.

Johann Bärenklau stellt seine Werke, darunter zwölf Collagen, unter dem Titel „Auf meinem Berg" in der Predigerkirche aus.

Foto: Peter Rossbach

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Sie tragen Namen wie Chrysotil, Sehnsucht oder Schönheit. Sie spielen in der Natur, nehmen an den Wänden wenig Platz weg, wirken dadurch aber umso stärker und leuchten in den Raum. Der Raum ist die Sonderausstellungsfläche in der Eisenacher Predigerkirche, die Kunstwerke stammen von Johann Bärenklau. Die Ausstellung „Auf meinem Berg“ gibt den Startschuss für ein ganzjähriges Kunst- und Gesellschaftsprojekt von Kunstverein und Thüringer Museum mit dem Titel „Offline“.

In diesem Projekt geht es um die Frage, was passiert, wenn Menschen mal ein längere Zeit ohne ihr Handy, ohne Internet, ohne soziale Medien auskommen müssen (dürfen). „Ich gestehe, ich habe zunächst gezögert, als mich im vergangenen Oktober per Telefon die Frage erreichte, ob ich dazu eine Ausstellung gestalten könne“, sagt Johann Bärenklau zur Vernissage der Exposition in der Predigerkirche. Doch dann sei ihm der Songtitel „Ich bin auf meinem Berg“ der Band „Einstürzende Neubauten“ eingefallen.

Das Thema Rückzug in die Enklave, freiwilliger Verzicht und „Zur-Ruhe-Kommen“ beschäftige ihn seinen Arbeiten schon länger und so gebe es eben auch Werke, die genau in den Kontext des großen Projektes passen. Da sind zunächst einmal zwölf Collagen, die sich mit dem Themas „Auf meinem Berg“ beschäftigen. Da geht es jetzt um keinen konkreten Berg (für einen Eisenacher hätte es ja der Wartburg-Berg sein können), sondern der Berg steht da als Metapher für gewollte Einsamkeit, Entschleunigung und Enklave, „steht für den Ausbruch aus der Überflutung mit Meinung und Information“, so Bärenklau.

Die zwölf Collagen sind klein-formatig als Siebdrucke auf hauchzartem Büttenpapier in Holzumrahmung entstanden. Als Besonderheit hängen sie aber nicht einfach an der Wand, sondern sie werden von hinten mit LED-Licht durchleuchtet. Ergänzt werden die Collagen durch Werke aus seiner Reihe „Konterfei“ die 2019 entstanden sind, und einige bearbeitete Dias, die schon ein wenig älter sind, aber aus Sicht des Künstlers genau ins Thema passen.

Johann Bärenklau ist noch ein junger Mann. Geboren 1999 in Friedrichroda, wuchs er in Eisenach auf und absolviert derzeit sein Studium der Bildenden Kunst in Dresden. Trotz seiner Jugend hat er schon reichlich Erfahrung was Ausstellungen angeht. So waren Arbeiten von ihm natürlich bei Ausstellungen des Eisenacher Kunstvereins zu sehen oder in der „Kaffeemühle“ in Wutha. Malerei, Grafik, Druck und Sounds von Johann Bärenklau gab es aber zudem schon in Leipzig, Berlin und Paris zu erleben. Im Mai hat er mit einer Ausstellung in Genua Vernissage.

Hartmut Sommer vom Förderverein des Thüringer Museums lobte wie auch Museums-Chefin Annika Johannsen freuten sich zur Eröffnung, dass man Johann Bärenklau für diesen Start des Projektes habe gewinnen können. Besonderes Lob ging neben den rührigen Museumsmitarbeitern insgesamt vor allem an die Ideengeberin Christina Arnold für deren unermüdlichen Einsatz.

Die Ausstellung „Auf meinem Berg“ von Johann Bärenklau ist noch bis 15. April in der Predigerkirche zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und den Thüringer Feiertagen jeweils 10 bis 13 Uhr. Am 12. und 19. März gibt es jeweils ab 19.30 Uhr Führung und Kunstgespräch mit dem Künstler selbst.

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