Der Planer von der Hörselschule

Eisenach.  Schulleiter Rauschenberg hat bis zu den Sommerferien für alle Klassen geplant, um Eltern verlässliche Termine zu geben

Die zweiten Klassen kehrten erstmals wieder in ihre Schule zurück. Sie wurden in mehrere Gruppen aufgeteilt.

Die zweiten Klassen kehrten erstmals wieder in ihre Schule zurück. Sie wurden in mehrere Gruppen aufgeteilt.

Foto: Katja Schmidberger

Statt Leere parken Autos. Betrieb herrscht an diesem Dienstag, kurz nach halb acht, vor dem Tor der Hörselschule. Hier im Westen der Stadt, im Wohnviertel Stedtfelder Straße, dürfen heute die Zweitklässler nach der Schließung der Grundschule am 17. März erstmals wieder zurück. Endlich wieder mal die Klassenlehrerin sehen, die Freunde. Heute darf niemand die Schultreppen hinaufrennen, am Schultor steht Schulleiter Rainer Rauschenberg und weist ein, wer sich wo aufstellen soll. Anders als sonst stehen die Kinder schüchtern, abwartend da, mehr schauend, was der Nebenmann macht.

„Du musst hier rüber“, ruft ein Mädchen seiner Klassenkameradin zu. „Dann macht gleich die doppelte Armbreite, so habt ihr 1,50 Meter Abstand zueinander“, ruft Rauschenberg ihnen zu. „So wie wir es im Sport auch machen“, ergänzt er und lächelt seinen Schülern zu.

Rauschenberg ist seit 15 Jahren Schulleiter. Er fühle für jedes Kind, für die Eltern und selbstverständlich die Kollegen Verantwortung, betont er öfter an diesem Morgen. Eine große Schule leiten, das war sein Traum. So eine Situation wie jetzt hat er noch nie erlebt. „Ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen.“ Vor dem Schultor treffen immer mehr Kinder ein. Da wird der Mundschutz mit dem Spiderman-Motiv aus der Hosentasche gekramt, viele haben ihn gleich aufgesetzt. Eltern begleiten und warten auf neue Informationen.

Auch für sie hat der Schulleiter an diesem Morgen ein offenes Ohr. Er weiß, dass jeder Lehrer in seiner Schule anders mit den Kindern arbeitet. Es gibt Pädagoginnen, die haben kleine Videos für ihre Schüler gedreht, andere haben die Arbeitspläne ausgereicht. „In der Pause machen wir Bewegung“, berichtet er. „Zum Glück haben wir ein großes Freigelände, das teilen wir auf.“

Schulleiter haben in diesen Zeiten auch mal andere Aufgaben. Rauschenberg übernimmt die Aufsicht in den Pausen, die Einweisung zu Beginn, den Bewegungsspaß in der Pause. Viel Zeit nimmt auch die Planung ein. „Dabei bin ich gut im Planen“, sagt der Direktor. Scheint so. Rauschenberg hat für alle Klassen bis zu den Sommerferien erarbeitet, wann sie Präsenzunterricht haben werden. Die Kinder kommen in Blöcken immer im selben Rhythmus. Rund 90 Schüler sind das pro Klassenstufe.

Kinder mit spezieller Förderung und die in der Notbetreuung sind fünf Mal die Woche da, Dritt- und Viertklässler haben künftig zwei Mal die Woche vormittags Unterricht, Zweit- und Erstklässler haben drei Tage Unterricht alle zwei Wochen.

Die erste Stunde läuft.

Bei Ines Mascher-Hentrich dürfen die Kinder erzählen, wie das mit dem Lernen zu Hause geklappt hat. Henrik berichtet, dass sein kleiner Bruder ihn oft mal gestört hat. Jetzt kann er endlich in der Schule konzentriert lernen. Bei Lehrerin Grit Geyer stellen die Kinder ihre zu Hause gestalteten Plakate vor. Lina erzählt von Delfinen, wie sie leben, wie sie atmen. Für den tollen Vortrag gibt es eine Überraschung von der Lehrerin.

Geyer steckt auch dem Schulleiter eine davon zu. Für all die Tage, an denen Rainer Rauschenberg den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen managt. Jetzt ist der Schulleiter kurz in seinem Büro. „Wenn einer der Lehrer ausfällt, dann wird es schwierig“, hofft er, seinen Plan nicht allzu oft ändern zu müssen.