Eigene Geschichte bewusst machen, um sich selbst zu formen

Eisenach  Schüler präsentierten zum Abschluss des Reformationsjahres ein Ost-West-Tandem-Projekt in der Eisenacher Nikolaikirche.

Schüler des Gymnasiums Ernestinum in Gotha und des Gymnasiums Casimirianum in Coburg präsentierten in der Nikolaikirche das ,was sie über Luther wissen und denken.

Schüler des Gymnasiums Ernestinum in Gotha und des Gymnasiums Casimirianum in Coburg präsentierten in der Nikolaikirche das ,was sie über Luther wissen und denken.

Foto: Katja Schmidberger

„Danke Luther“, ruft Studienleiter Axel Große spontan Freitagvormittag in den Kirchenraum, als er erklärt, dass der Reformationstag in diesem Jahr auch im Westen der Repu­blik ein Feiertag ist. Zustimmung gibt es von den Kirchenbänken.

Große ist stolz, dass er bei der Umsetzung des größten Jugendbildungsprojektes in der Reformationsdekade mit Gymnasien aus Coburg und Gotha ein Ost-West-Tandemprojekt umsetzen konnte. Das Projekt der Evangelischen Akademie Thüringen, die es mit der Akademie in Sachsen-Anhalt in den vergangenen drei Jahren verfolgt hat, heißt „Denk-Wege zu Luther“.

Zum dritten Mal hatten sich – diesmal in Eisenach – Jugendliche aus den beiden Schulen getroffen, suchten gemeinsam nach Spuren der Reformation, diskutierten, philosophierten und lernten sich kennen.

Am Freitag präsentierten die Schüler der Oberstufe des Ernestinum Gotha und des Casimirianum Coburg in gemischten Gruppen nach einer Woche Denk-Arbeit in der Bildungsstätte „Junker Jörg“ die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit Luther, der Reformation und mit dem, was die Lehre Luthers uns heute mit dem auf den Weg gibt. Unter dem Motto „Entscheide dich! Die Qual der Wahl – Schwierigkeiten mit der Freiheit“, zeigten die Schüler aus Coburg und Gotha ganz unterschiedliche Denkansätze, manche lobten Luthers Entscheidungen, andere von ihnen hinterfragten sich selbst, überlegten dabei, vor welchen Entscheidungen sie zukünftig persönlich stehen. Sie nannten den Berufswunsch ebenso wie die Frage, ob man später heiraten will.

Eine Gruppe analysierte, wer eigentlich Gott ist, und ob Martin Luther wirklich ein Antisemit war. Aus ihrer Schüler-Sicht sei der Reformator eher ein Antijudaist, erklärten sie. Die Gymnasiasten suchten auch Antworten darauf, wie man entscheiden kann, ob man sonntags in die Kirche geht oder lieber zu Hause bleibt. Wie Große berichtete, besuchten die Gymnasiasten in Eisenach auch das Lutherhaus und die Nationale Sonderausstellung auf der Wartburg. Begeistert hätten sich die Gruppen vom Lutherhaus gezeigt.

Für Katharina Passolt vom Bildungsdezernat der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die zur Präsentation nach Eisenach gekommen war, ist mit den Projekten „ein Brückenschlag gelungen von historischen Personen und schwierigen Schriften hin zum Alltagsleben“. Es sei wichtig, dass sich junge Menschen reflektieren, um gebildete Menschen zu werden, meinte sie. Bundestagsabgeordneter Christian Hirte (CDU) betonte, dass nicht nur Kenntnisse wichtig sind, sondern auch das prüfende Betrachten. So erhalte man Wissen und Weisheit. Das Projekt „Denk-Wege“ habe Schülern die Gelegenheit gegeben, sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. „Es ist spannend, sich die Geschichte bewusst zu machen, zu verstehen, wo man herkommt.“ Diese Auseinandersetzung könne auch helfen bei privaten Entscheidungen.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.