Eine Kulisse wie aus den 1920er-Jahren

Eisenach.  Humor und bitterer Ernst liegen beim politischen Aschermittwoch der Thüringer Grünen am Mittwochabend in Eisenach eng beieinander.

Politischer Aschermittwoch der Thüringer Grünen im Kunst-Pavillon in Eisenach: Die Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling (links) fühlt die Strahlungen der Glaskugel.

Politischer Aschermittwoch der Thüringer Grünen im Kunst-Pavillon in Eisenach: Die Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling (links) fühlt die Strahlungen der Glaskugel.

Foto: Jensen Zlotowicz

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Noch kein politischer Aschermittwoch der Thüringer Bündnisgrünen in Eisenach hatte je mit einer Schweigeminute begonnen. Am Mittwoch gedachten die Gäste der Veranstaltung im Kunst-Pavillon zum Auftakt der Opfer von Hanau. Nicht nur vor diesem Hintergrund lagen Humor, Spott gegen politische Mitbewerber, Ernsthaftigkeit und Mahnung eng beieinander.

Etwa so: Die FDP sei auf dem richtigen Weg, nämlich in die Bedeutungslosigkeit. Beim politischen Aschermittwoch nahmen weder die neue Sprecherin der Partei, Ann-Sophie Bohm-Eisenbrand, noch Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling und auch nicht Landtags-Fraktionsvorsitzender Dirk Adams ein Blatt vor den Mund. Verpackt in eine Kulisse der 1920er-Jahre und Erich Kästners Bestseller „Emil und die Detektive“, malten die Grünen den Teufel an die Wand: die AfD und deren Steigbügelhalter FDP und CDU.

Auch die neuwahlverliebte Thüringer SPD bekam ihre Hiebe ab und ebenso Die Linke. Bodo (Ex-Ministerpräsident Ramelow) solle eine Solokarriere starten, vielleicht eine eigene Partei gründen. Die Gelegenheit sei günstig bei solcher Popularität.

Die Bündnisgrünen analysierten Wahlergebnisse im Alkoholgehalts-Schema, wo man sich doch manches Szenario im Freistaat nur nur noch schön saufen könne. Obgleich die AfD und „Faschist Höcke“ selbst durch Alkohol nicht besser würden.

Die FDP, propagierte Henfling sei wie dieser Typ auf der Party, den jeder kenne: Erst kommt er uneingeladen, schießt sich dann noch vor Mitternacht ab, kotzt darauf die Bude voll und haut dann einfach ab – getreu ihrem kürzlichen Wahlspruch „Wir sind dann mal weg“. Zum Schutz gegen Unbilden bekamen die Gäste des politischen Aschermittwochs am Einlass ein grünes Kreuz auf die Stirn.

Was ist, wenn nach den 1920er die 1930er-Jahre kommen? Erst fallen Worte, dann Schüsse, mahnte Madeleine Henfling. Ein Credo: Nein zu Rassismus. „Wir müssen lernen, häufiger Nein zu sagen.“ Der gesellschaftliche Kitt, wie ihn die AfD mit System auflöse, müsse erneuert werden.

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