Eine Revolution nach Feierabend

Eisenach.  Im Theater geht es am 18. November auch um Erinnerungen, die von der DDR übrig blieben. Gelesen wird aus dem Tagebuch von Margot Friedrich.

Juliane Stückrad (Mitte) probt mit  Schauspieler Alexander Beisel und Bühnensprecherin Anne Schuch-Greiff für die szenische Lesung aus dem Revolutionstagebuch von Margot Friedrich.

Juliane Stückrad (Mitte) probt mit Schauspieler Alexander Beisel und Bühnensprecherin Anne Schuch-Greiff für die szenische Lesung aus dem Revolutionstagebuch von Margot Friedrich.

Foto: Katja Schmidberger

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„Was für eine Zeit! Manchmal denke ich, eine Epoche beginnt zu schwanken.“ Dieser Satz steht in Margot Friedrichs Eisenacher Tagebuch einer Revolution. Für die Kulturwissenschaftlerin Juliane Stückrad sind die meist am Ende eines Tages kurz zusammengefassten Notizen der Schriftstellerin und Journalistin zwischen dem 29. September 1989 und dem 18. März 1990 auch heute 30 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenze aktuell geblieben. Sie sei zutiefst beeindruckt von Friedrichs Weitsichtigkeit, betont Stückrad. Die Kulturwissenschaftlerin organisiert in Eisenach am 18. November im Landestheater einen Abend im Rahmen einer vierteiligen Veranstaltungsreihe des Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und des Heimatbundes Thüringen.

Publikum ist Mitakteurdes Abends

Es geht an den vier Terminen über das Leben im real-existierenden Sozialismus, vor allem auch um die eigenen Erinnerungen, die von der DDR übrig geblieben sind. In musikalischen und szenischen Lesungen wird neben Eisenach in Saalfeld, Altenburg und Nordhausen in die Zeit von einst, aber auch ins Heute geblickt. In Eisenach werden im Foyer des Landestheaters der Schauspieler Alexander Beisel sowie Bühnensprecherin und Regisseurin Annekatrin Schuch-Greiff Stellen aus dem Tagebuch von Margot Friedrich lesen, zwischen den Abschnitten will Stückrad, die den Abend moderiert, mit Gästen über ihre eigenen Erinnerungen ins Gespräch kommen. Das Publikum soll Mitakteur des Abends sein, beschreibt sie.
Zeit, das Tagebuch in Gänze vorzulesen, gibt es natürlich nicht. Widergespiegelt werden aber die Zeit vor der Maueröffnung, die Maueröffnung selbst, die Gründung des Demokratischen Aufbruchs mit ihrem Gründungsmitglied Margot Friedrich und ihre spätere Distanzierung dazu. „Ich habe auch darauf geachtet, was ist für uns heute aus der Perspektive noch interessant, weil da schon Dinge angelegt waren, mit den wir uns heute noch sehr beschäftigen“, betont die Kulturwissenschaftlerin.

Annekatrin Schuch-Greiff kam am 1. November 1989 nach Eisenach, weil sie am hiesigen Theater zu arbeiten. Zuvor war sie in Zeitz Regieassistentin und hat dort die Zeit vor dem Mauerfall erlebt. „Ich habe das sehr bewusst erlebt als junger Mensch, war im Neuen Forum und in Kirchenkreisen aktiv“, sagt die heutige Regisseurin. Die Theaterfrau bekennt, dass sie ihre gesamte Professionalität in diese Lesung einbringen muss, um selbst nicht zu emotional auf das Niedergeschriebene zu reagieren, vor allem die Vorwendezeit habe sie genauso in Zeitz erlebt. Für Alexander Beisel hingegen war vieles in dem Revolutionstagebuch neu. Das Tagebuch verschaffe ihm einen leichteren Zugang zur Geschichte, zu Eisenach und fülle viele Lücken wieder auf.

Juliane Stückrad bewegten vor allem die Erinnerungen an diese Euphorie. Friedrich habe viel mehr gesehen als andere ihrer Zeit. Sie habe damals schon erkannt, dass diese Revolution einen Weg geht, über den heute viel geklagt wird. Und sehr schnell Wehmut empfunden, dass die Dinge uns zu schnell aus der Hand genommen werden, verdeutlicht die Kulturwissenschaftlerin. „Ich staune, wie sie das an ausgewählten Situationen bereits wahrnahm und interpretierte“, zeigt sich Stückrad beeindruckt. Das mache dieses Buch so unglaublich aktuell.

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