Einkaufen geht auch in Eisenach wieder mehr lokal

Eisenach  Diverse Händler in der Wartburgstadt bieten ihren Kunden an, Waren zu bestellen und abzuholen. Einfach ist das alles nicht .

Nachgefragt sind im Eisenacher Sporthaus bei Michael Schneider derzeit vor allem Langlauf-Skier. 

Nachgefragt sind im Eisenacher Sporthaus bei Michael Schneider derzeit vor allem Langlauf-Skier. 

Foto: Katja Schmidberger

Die Nachfrage, beim Fachhändler vor Ort einzukaufen, ist auch in Eisenach da. Michael Schneider, Geschäftsführer des Sporthauses Schwager, war anfangs eher skeptisch, ob die Kunden die Bestellmöglichkeit annehmen. Als seine Mitarbeiter ein Video zur Erklärung, wie zum Beispiel Sportbekleidung bestellt werden kann, auf Facebook teilten, war das Echo enorm. Auf Hunderten weiterer Facebook-Seiten wurde das Video geteilt und gut geklickt.

Danach habe das Telefon nicht mehr stillgestanden, erzählt ein Verkäufer. Schneider nennt aber auch die Tücken. So dürfen Kunden laut Verordnung nicht in den Verkaufsraum, sondern müssen zum Teil im Flur mal einen Skischuh anprobieren. „Gerade hier variieren die Größen, ähnlich ist es bei Skiern oder Winterbekleidung“, verdeutlicht der Sporthauschef. Das Verbot, den Verkaufsraum nicht nutzen zu dürfen, macht auch die Forderung nach kontaktlosem Bezahlen nicht einfacher, da das EC-Gerät an der Kasse steht.

Übergabe der Ware muss außerhalb der Geschäftsräume erfolgen

Bisher waren laut Corona-Verordnungen Abholungen vorab bestellter Ware an Ladengeschäften nicht erlaubt. Seit 11. Januar ist es wieder möglich. Dabei gilt aber, dass die Übergabe kontakt- und bargeldlos außerhalb der Geschäftsräume erfolgen muss.

Offenbar hält diese Hürde interessierte Kundschaft nicht ab. Sogar aus Bad Sooden-Allendorf und Bad Salzungen flatterten Bestellungen ins Sporthaus. Einen eigenen Onlineshop hat das Geschäft ebenso wie das Kaufhaus Schwager nicht. Für spezielle Kundenwünsche sei man jedoch da, sagt auch Kaufhaus-Geschäftsführer Wolfgang Grundmann. Dafür gibt es an drei Tagen spezielle Servicezeiten.

Gewerbeverein Eisenach macht auf prekäre Lage der Einzelhändler aufmerksam

Jo West, Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins und Inhaber des „deJavu by sportline“, bietet seit Jahren Waren über seinen eigenen Onlineshop an. Doch kleine Läden allgemein seien gar nicht auf einen dauerhaften Verkauf im Netz ausgerichtet, erklärt West.

Aber egal, ob mit oder ohne Online-Shop: „Je länger der Lockdown dauert, umso schwieriger wird es“, fordert der Vertreter der hiesigen Einzelhändler neben der zügigen Auszahlung der Überbrückungshilfen von der Politik auch, dass sie spezifische Fälle genauer anschaut und reguliert. Der Gewerbeverein beteiligt sich deshalb an der deutschlandweiten Internet-Aktion „Wir machen auf – merksam“, mit dem verschiedene Branchenverbände vor allem des Einzelhandels auf die durch den Corona-Lockdown prekäre Situation der Innenstadthändler hinweisen (unsere Zeitung berichtete). Dennoch akzeptiert Jo West die Notwendigkeit der Infektionsschutzmaßnahmen.

Eine eigene Runde durch die Innenstadt-Straßen belegt, in diversen Geschäften gibt es in Eisenach Bestell- und Abholmöglichkeiten. So beim Spielwarenhändler Crowson oder im Blumengeschäft Kallenbach, im Tee-Eck in der Goldschmiedenstraße, in der Buchhandlung Leselust oder im Kunstgewerbegeschäft der Familie Kneise in der Karlstraße. An vielen Fensterfronten hängen Plakate, wo Infos und Kontakte vermerkt sind.

„Bei uns funktioniert das mit dem Bestellen nicht“, sagt Holger Gimpel, Geschäftsführer der Schuh-Galerie ESA GmbH, der drei Schuhgeschäfte in der Karlstraße besitzt. Bestellen vor Ort sei für ihn nicht händelbar, erklärt Gimpel. Er hat trotzdem etwas Neues versucht und bietet seit Anfang Saisonware über Zalando an. Für ihn die einzige Möglichkeit, zurzeit vor allem die Winterware verkaufen zu können.

Schwierig ist die Lage auch bei Floristen. Eine, die schon vor zwölf Jahren ihr Ladengeschäft aufgegeben und nach Hause verlegt hat, ist Eventfloristin Bianca Stötzel. Die selbstständige Unternehmerin aus Bischofroda ist normalerweise zu 100 Prozent ausgelastet, weil ihre Auftraggeber Hotelgruppen und Unternehmen sind. Mit der Schließung der Gastronomie fielen fast alle Aufträge weg. Jetzt sind es vor allem Privatkunden, die bestellen. Stötzel wirbt mit farbenfrohen Blumensträußen auf Bestellung auf ihrer Facebook-Seite. Die Resonanz auf die Extra-Werbeaktion sei gut gewesen, schildert die Unternehmerin. Die Sträuße liefert sie selbst aus. Sie hofft trotzdem, dass ab März Gastronomie und Hotellerie wieder öffnen dürfen, damit sich die Umsätze normalisieren, um langfristig überleben zu können. „Die Hilfen sind doch auch nur begrenzt.“