Lärm, Staub und überlange Wartezeiten: Baustelle am „Tor zur Stadt“ in Eisenach

Eisenach  Die Arbeiten für das Fachmarktzentrum „Tor zur Stadt“ belasten Anrainer der Bahnhofstraße. Baufirma zeigt Verständnis

Das Fachmarktzentrum „Tor zur Stadt" wächst an der Bahnhofstraße empor. Die Belastungen wollen die Bauleute so gering wie möglich halten.

Das Fachmarktzentrum „Tor zur Stadt" wächst an der Bahnhofstraße empor. Die Belastungen wollen die Bauleute so gering wie möglich halten.

Foto: Norman Meißner

Autofahrer und Fußgänger müssen derzeit in der Eisenacher Bahnhofstraße Lärm, Staub und überlange Wartezeiten an Ampeln und eingeengten Fahrspuren schlucken. Aktuell ist der östliche Bereich zwischen Hauptbahnhof und Bahnunterführung komplett gesperrt. Die Belastungen wegen der Baustelle „Tor zur Stadt“ sorgen für viel Ärger. Wer kann, meidet die Bahnhofstraße und macht einen großen Bogen. Ein solcher Umweg gelingt aber Anwohnern, Geschäftstreibenden und Angestellten nur schwerlich.

„Wir haben rundherum von vier Seiten Baustelle“, verdeutlicht Ulrich Schindewolf von der Firma Orthopädie-Technik Schindewolf+Schneider das Inseldasein seines Unternehmens. Diese Situation bestehe schon seit einiger Zeit und verschrecke meist gehbehinderte Kunden, die nicht wissen, wo sie ihr Auto abstellen sollen.

„Etwa 60 bis 70 Prozent unserer Kundschaft ist aber auf das Auto angewiesen“, betont Mitarbeiterin Katja Wildner. Aufgrund der Bautätigkeit am Kreisverkehr in der Bahnhofstraße und des Bau der Lieferanten-Zufahrt für das entstehende Einkaufszentrum in der Waldhausstraße erreichten Kunden des Sanitätshauses im Frühjahr für ganze elf Wochen nicht den rückwärtigen Kundenparkplatz. Den eingerichteten Behelfsparkplatz wiederum hätten viele Kunden verfehlt, mussten dann wegen der Einbahnstraßenregelung weiter fahren und standen schnell wieder im alltäglichen Stau der Clemens- und der Altstadtstraße. Die Ausschilderung im Baustellenbereich mit Verkehrszeichen trage kaum zur Orientierung bei.

Banner wirbt für gut erreichbaren Kundenparkplatz

„Wir haben schon viele Schilder gekauft“, führt Ulrich Schindewolf vom Sanitätshaus an. Jetzt brachten Handwerker ein unübersehbares Banner am Vorderhaus an, um für den wieder gut erreichbaren Kundenparkplatz am Hinterhaus zu werben. Ständig wechselnde Verkehrsführungen zum Parkplatz verwirren die Kunden teilweise sehr. „Dieses Jahr haben wir es besonders hier im Haupthaus bemerkt“, spricht Ulrich Schindewolf den etwa 15-prozentigen Umsatzrückgang an.

Zbigniew Dabrowski vom Kinderfachgeschäft „Steppke“ beziffert seinen Kunden- und Umsatzrückgang sogar mit „über 60 Prozent“. Für ihn sind die Begleiterscheinungen der Baustelle inzwischen eine Existenzfrage. Der Ärger ruht nicht nur auf ausbleibender Kundschaft. Rüttelplatten verrichteten über Wochen unumgängliche Verdichtungsarbeiten. „Im ganzen Haus hat es gewackelt – man dachte, es fällt bald zusammen“, ist Ulrich Schindewolf dennoch froh, dass bislang keine Risse aufgetreten sind. Erst kürzlich hieß es für die Mitarbeiter an den Computerarbeitsplätzen „Däumchen drehen“, weil bei den Bauarbeiten ein Internetkabel in Mitleidenschaft geraten ist.

Ein Kabel der Stromversorgung ereilte Wochen zuvor das gleiche Schicksal. Dennoch schüttet Ulrich Schindewolf über die Bauleute keinen Schimpf aus: „Wir stimmen uns gut ab – sie gehen auf uns ein.“ Es sei ein gutes Geben und Nehmen. „Es ist absolut unerträglich: Gestank durch Diesel, ständig Stau, Risse im Haus und pausenlos Lärm auch bei geschlossenen Türen und Fenstern“, klagt hingegen Einzelhändler Zbigniew Dabrowski. Der Baustellenlärm vom Tage klinge noch nachts im Ohr und lasse ihn kaum schlafen. Solch enorme Belastungen habe sich Zbigniew Dabrowski zuvor nicht ausgemalt. „Das geht schon seit acht Jahren so – erst wird der Fahrbahnbelag erneuert, dann die Kreuzung zur Müllerstraße gemacht, dann der Zentrale Busbahnhof gebaut und nun das Tor zu Stadt“, gibt er einen Rückblick.

„Das Geschäft geht kaputt, der Umsatz geht runter“

„Ja, jetzt ist es deutlich lauter, aber man kann halt nicht leise bauen“, zeigt Dagmar Larkin, Apothekerin in der Georgen-Apotheke „Am Bahnhof“ Verständnis. Für die Mitarbeiter vom Geschäft „Haarpflege GmbH“ halten sich die Belastungen ebenfalls im Rahmen. „Man ist ja froh, dass etwas passiert – wenn es zu laut wird, machen wir halt die Tür zu“, sagt eine der Friseurinnen.

Als „starke Belastung“ empfindet das Team vom „Beirut Grill“, der an der Einmündung zur Gabelsberger Straße gelegen ist, das aktuelle Baugeschehen. Es gebe oft Stau und viel Dreck vor der Tür. „Es sollte öfters mal sauber gemacht werden – das Geschäft geht kaputt, der Umsatz geht runter“, klagt Imbiss-Inhaber Maria Ghadban.

„In vier, fünf Wochen wird es deutlich ruhiger auf der Baustelle, dann sind die Fassadenplatten dran“, sagt Ronny Harnisch, Oberbauleiter der Firma Hundhausen.

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