Eisenach: Brandstifter kommt mit Bewährung davon

Eisenach.  Eine Brandstiftung im Eisenacher Goetheviertel gestand der Angeklagte, die zweite ihm vorgeworfene Zündelei nicht. Beim Gericht bleiben Zweifel.

Göttin Justitia, das Symbol der Rechtsprechung.

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Foto: Alexander Volkmann

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Wegen versuchter schwerer Brandstiftung, Sachbeschädigung und Betrugs wurde ein 26-jähriger Eisenacher am Montag von einem Schöffengericht am Amtsgericht Eisenach zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung (drei Jahre) verurteilt, überdies zur Zahlung von 500 Euro an die Freiwillige Feuerwehr Eisenach. Für ein Jahr wird ihm ein Bewährungshelfer zugeteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von drei Jahren und vier Monaten gefordert, was eine Bewährung ausgeschlossen hätte. Eingeschlossen in die Anklage war der Vorwurf einer Brandstiftung im Eisenacher Goetheviertel vom Januar 2018. Jedoch streitet der Beschuldigte diese im Gegensatz zur Tat im April des selben Jahres ab.

Die Beweise reichten nicht aus, um Philipp B. zweifelsfrei für den Brand im Januar verantwortlich zu machen. Verteidiger Wolfgang Uth betonte, dass Spekulationen in diesem Verfahren nichts zu suchen hätten und für den zweiten Vorwurf der Brandstiftung nur ein Freispruch in Frage komme. Das Schöffengericht um Richter Roland Engels folgte der Auffassung. Es bleibt aber ein Unwohlsein.

Die Brandstiftung am 1. April im Keller eines Wohnblocks im Goetheviertel hatte der Angeklagte erst eingeräumt, als ihn Bilder aus einer nach dem Brand im Januar angebrachten Kamera zeigten, allerdings nicht bei der Tat direkt. Bei diesem Brand waren etwa 10.000 Euro Sachschaden entstanden. Der Täter hatte den Brand der Polizei gemeldet. Mit einem Stein hatte er – angeblich für die Feuerwehr – die Tür offen gehalten.

Mit über 50.000 Euro war der Schaden der Brandstiftung im Januar deutlich größer gewesen. Zudem waren Menschen zu Schaden gekommen. Mehrere Bewohner des Wohnblocks traten am Montag in den Zeugenstand. Da im Goetheviertel schon mehrfach Kellerbrände gelegt wurden, zuletzt am vergangenen Wochenende, sind viele Bewohner auch psychisch belastet.

„Es gibt offensichtlich noch andere potenzielle Täter“, sagte Richter Engels in der Verhandlung am Montag. „Es trifft aber immer nur die Blöcke der Städtischen Wohnungsgesellschaft nie die der Allgemeinen Wohnungsbaugenossenschaft“, zeigte sich eine Anwohnern ratlos.

Die Brandstiftungen im Januar und April 2018 weisen Parallelen auf. In beiden Fällen war Philipp B. vor Ort, hatte den Brand der Polizei gemeldet, war ein Plastikbeutel angezündet und auf brennbares Material gelegt worden. Brandbeschleuniger wurden aber nicht gefunden. Das Gericht hielt dem Täter zugute, dass er die Polizei verständigt hatte. Warum er den Brand gelegt hatte, will der Täter nicht wissen, was ihm Richter Engels nicht abkauft.

Ein Zeitfaktor spielte bei der Beweisaufnahme für den Fall am 10. Januar auch eine Rolle. Um 23.39 Uhr hatte der damals für eine Wachschutzgesellschaft tätige Mann den Brand gemeldet. Zwei Minuten später war die Polizei vor Ort, kurz darauf die Feuerwehr. Ob binnen weniger Minuten das Feuer dieses Ausmaß annehmen kann, bleibt ungeklärt. Der damals ermittelnde Kriminalbeamte hält das für möglich. Für Verteidiger Wolfgang Uth müsste ein Gutachten erstellt werden.

„Wir sind nicht sicher, ob Sie auch nicht am 10. Januar der Täter waren“, sagte Richter Engels abschließend zum Angeklagten und warnte.

Einen dritten Anklagepunkt, Betrug, hatte der juristisch zweifach vorbelastete Philipp B. gestanden. 2019 hatte er im Internet Shirts für einen Sportverein bestellt und eine andere Person als Rechnungsadressaten für 130 Euro angegeben.

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