Eisenach: Ist nicht mein‘s, mach‘ ich kaputt!

Susanne Krauß schreibt über die Teerfarbe im Innern des Burschenschaftsdenkmals Eisenach

Ende Oktober 2019 haben einige Vermummte die Fassade des Eisenacher Burschenschaftsdenkmals verunstaltet.

Ende Oktober 2019 haben einige Vermummte die Fassade des Eisenacher Burschenschaftsdenkmals verunstaltet.

Foto: Stefanie Krauss

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Wie sagt man doch so schön schnoddrig? Auch ein bepinkeltes Denkmal bleibt ein Denkmal. O.k., des Hundes Notdurft kennt keine Kultur, der nächste Regen spült’s ab, dem Bello wird vergeben. Doch was, wenn Herrchen mit der Farbspraydose loszieht und seine Kreativität – oder sagen wir besser: seine Wut – an missliebiger Stelle austobt? Was, wenn eine ganze Clique von Farb-Denkern „Recht sprüht“ auf das, was nach ihrer Ansicht Unrecht verkündet?

So geschehen Ende Oktober 2019, als einige Vermummte die Fassade des Eisenacher Burschenschaftsdenkmals verunstalteten, ein von Panzerglas geschütztes Glasmalereifenster einschlugen und mit Hochdruck Teerfarbe ins Innere spritzten. „Sandsteinwände, Innenraum inklusive Ragnarök-Gemälde und die Langemarck-Gedenkstätte zieren nun rosa und schwarz“, texteten in Ätsch-Manier die Bekenner, offenbar aus der linken Szene, und: „Kampf den Feinden der Emanzipation!“ Postwendende Antwort: Das Denkmal „ist ein besonders symbolträchtiger Ort, steht stellvertretend für den patriotischen Kampf für Demokratie und Rechtsstaat. Umso bezeichnender… dass es erneut von linken Kräften als Hassobjekt ausgemacht und bekämpft wird.“

Das Nachdenken über Geschichte und Demokratie muss sein

Für die Angegriffenen symbolisiert das Denkmal Demokratiegeschichte, was mit Blick auf die Burschenschaftsbewegung bis 1848/49 korrekt ist. Der Entstehungskontext des Baues allerdings bleibt unberücksichtigt, die geschichtliche Deutung fällt somit parteiisch aus. Dagegen sehen sich die Angreifer als Verfechter der „Emanzipation“ – eigentlich zentrales Ziel der demokratischen Gesellschaft. Doch von ihrer Sache, die so viel wie gesellschaftliche „Gleichberechtigung“ heißt – wofür aber Mündigkeit und Reife nötig sind! – halten sie offenbar selbst nicht viel.

Ich würde sagen: Defizite im Demokratieverständnis auf beiden Seiten! „Nationaldenkmäler“ wie sie das wilhelminische Kaiserreich zuhauf hervorbrachte, dazu gehört auch das Burschenschaftsdenkmal, repräsentierten kaum je die ganze Nation. Im Sinne von „Denk mal über die Geschichte nach“ haben sie jedoch ihre Existenzberechtigung als besonders eindrückliche Merkzeichen der Bildung und Erziehung. Und die wiederum braucht es, um zur Emanzipation zu gelangen, mit der sich dann Demokratie vernünftig gestalten lässt. Eine ernste Schwäche der Demokratie sah der Schriftsteller und FAZ-Journalist Hans Kasper übrigens darin, „dass sie sich danach richten muss, was ein Bürger denkt, ehe Gewissheit besteht, ob er das überhaupt tut.“ Unbedingt überdenkenswert, finden Sie nicht?
Oder sollte ich noch Peter Sloterdijk hinzufügen, der da meint, „zur Abschaffung von Demokratie eigne sich nichts besser als Demokratie.“

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